Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Bernd Korz – alugha

Bernd Korz alugha
Foto: Arthur Rewak-Visual Design

Wer ist Bernd Korz? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleinen Spleen von Dir.

Ich bin 46 Jahre jung, habe zwei Söhne und bin seit 25 Jahren (davon 21 Jahre verheiratet) sehr glücklich mit meiner Frau zusammen. Seit 16 Jahren bin ich aktiv in der Softwarebranche tätig und freue mich jeden Tag aufs Neue auf die Inspirationen, die ich bekomme. Ich liebe das Motorradfahren und habe (leider!!) eine echte Schwäche für Beta Software. Leider geht das dann auch soweit, dass ich gerne mal mein OS X zerschieße, weil ich mir mal wieder ne aktuelle Betaversion draufgehauen habe. JA! Ich weiß das BESSER aber ich kann halt nicht anders – Mein Entdeckergen ist zu dominant 🙂 Und ich höre das täglich von meinem großen Sohn, aber ich kann nicht anders. Eine meiner Leidenschaften ist das Laufen, da bin ich für mich alleine und kann die Natur spüren und hören.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, wasist Euer USP?

alugha GmbH hat mittlerweile eine gesamte “Infrastruktur” mit vielen kleinen hilfreichen Werkzeugen entwickelt, um Videoproduzenten die Möglichkeit zu geben, ihre Videos in mehreren Sprachen in nur einem Video zu veröffentlichen und damit im besten Falle unfassbare Mengen an Ressourcen einzusparen.

Lade ein Video auf z.B. YouTube oder Facebook, klick auf alugha und verknüpfe es und integriere einfach Deine Audiospuren für jede Sprache. Implementiere es auf Deinen Blog und schon können die Besucher deine Videos in ihrer eingestellten Sprache schauen.

Zusätzlich arbeiten wir gerade an wegweisenden neuen Werkzeugen für Gehörlose und Blinde Menschen.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Wir haben keine echte Hierarchie und es gibt auch kein stumpfes Abarbeiten bei uns. Wir sind wirklich ein Team und ich als “Chef” schaffe den Freiraum so weit, dass sich jeder untereinander auch helfen kann und darf. Jeder hat bei uns andere Stärken, in denen er sich entfalten soll und das bietet nicht nur uns als Team, sondern auch alugha als unser gemeinsames Projekt einen echten Mehrwert. So haben wir z.B. Entwickler, die sich sehr gut mit Musik und Audio auskennen, die dann auch beim dubben der Videos helfen. Oder Animators, die nicht nur mit Autodesk Maya super klar kommen, sondern auch in anderen Bereichen sehr kreativ sind und bei Bedarf auch mal dem Designer unter die Arme greifen. Wir haben wenige Arbeits”plätze”, du kannst bei uns beim Kickern Deine Ideen und Probleme besprechen oder einfach mit dem Laptop in meinem Büro sitzen, wenn Dir danach ist. So ist das auch mit unseren Meetings: da gibt es keine geschlossene Gruppe. Wenn Fragen aufkommen wird einfach jemand dazu geholt, der unterstützen kann. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Bereich er/sie eigentlich tätig ist.

Einige unserer Mitarbeiter haben einen Wochentag frei, an dem sie einfach etwas anderes machen sollen. Sie können dann selbst entscheiden, ob sie ins Büro kommen, von Zuhause arbeiten oder einfach etwas ganz anderes machen, was überhaupt nichts mit alugha zu tun hat. Jeder weiß um seine Wichtigkeit und der Abhängigkeit anderer bezüglich seiner Arbeit.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”? 

Ich bin zum einen Co-Founder von alugha und zum anderen CVO (Chief Visionary Officer). Ich darf hier bei uns meine Visionen und Ideen einfach “spinnen” und dabei so richtig weit ausholen und denken. Damit trotzdem jeder den Überblick behält, lege ich außerdem eine Roadmap an, die ich stetig erweitere. Mittlerweile ist die Roadmap sehr komplex und  etwa 2 Jahre weiter als es bisher geplant war. Es finden sich wirklich abgefahrene Ideen darin, z.B. wie man Menschen über Online Videos miteinander verbinden kann und wie ein Videoproduzent Milliarden von Menschen – egal welcher Sprache, ob blind, ob taub – schnell, einfach, kostengünstig und effizient erreichen kann. Einer meiner Stärken ist es, Dinge „aufzusaugen“ und daraus eine Vision zu bauen, die ich bis zum Schluss durchdenke. Ich schaffe es (teils sehr) unterschiedliche Menschen zusammenzuführen und daraus ein großartiges Team zu formen, welchem ich dann meine Ideen an die Hand geben darf, um sie zu realisieren. Im Team selbst bin ich dann auch wirklich ein Teil davon und weder unwichtiger noch wichtiger.

Ich arbeite gerne und viel und vernachlässige dabei trotzdem nicht mein Familienleben. Ich habe eine perfekte Work-Life-Balance! Und so in etwa würde ich meine “Superpower” beschreiben.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Wir müssen endlich anfangen, ehrliche Politik zu betreiben. Wir reden ständig davon, außereuropäische Fachkräfte dazu animieren zu wollen, in Deutschland zu arbeiten (und das finde ich auch generell gut!), aber wir versäumen es seit Jahren, unseren Kindern die richtige Bildung zu bieten. Bildung in Deutschland ist immer noch sehr teuer und bevorzugt damit diejenigen, die ein hohes Einkommen haben. Es darf nicht sein, dass wir unser Land Jahr für Jahr weiter schwächen, weil wir einfach viel zu wenig Geld in Bildung investieren..

Unsere Politiker sind keine Vorbilder mehr. Menschen wie Schmidt oder Adenauer sind gar nicht mehr vorhanden. Die ethischen Grundwerte haben sich hier spürbar verschoben. Wie sollen diese Werte noch den Jungen vermittelt werden? Wie wollen wir den Nachwuchs davon überzeugen, dass es wichtig ist, sich mit der Gesellschaft zu beschäftigen und auseinanderzusetzen und auch seinen AKTIVEN Teil zu leisten?

Ich sehe die größte Herausforderung darin, unsere Gesellschaft auf dem richtigen Weg zu halten und Werte zu vermitteln und zu verstehen, dass wir nur aktiv und gemeinsam ein Land auf dem richtigen Kurs halten können. Ausländerfeindlichkeit darf es nicht geben, dazu haben wir weder das Recht noch einen Grund, denn jeder ist in einem anderen Land ein Ausländer. Statt zu nörgeln, müssen wir den Spaten in die Hand nehmen und selbst mit im Garten arbeiten.

Es ist außerdem wichtig, dass wir lernen zu scheitern, daraus lernen und es dann besser machen. Denn nur so können wir besser werden. Unser Staat muss dafür grundlegende Änderungen schaffen, um die (noch) Mutigen dazu zu bewegen, es zu versuchen und vielleicht kommt dann auch das nächste Google oder Facebook endlich mal aus Deutschland!

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich war früher schon öfter in den USA und bin es seit meiner aktiven Zeit mit alugha mittlerweile wieder regelmäßig. Dort ist man offen für Ideen und mutig. Fast alles, was sinnvoll ist, kommt nicht aus Deutschland oder Europa. Wenn Du was machen möchtest, gehst Du in die Staaten, ins Valley oder nach ‘Cisco. Warum muss das so sein? Hat man hier eine Idee und braucht eine Finanzspritze ist die Hürde meist schon so groß, dass wir sie gar nicht nehmen können. Es gibt hier viele Fonds und staatliche “Innovativ-Zuschüsse”, aber nur ganz auserlesene kommen in diesen Genuss. Bist Du ein Milliardenunternehmen  sind Dir Millionen Fördergelder sicher, denn dein Name ist Programm.

Fördermittel zu beantragen, ist ein Irrgarten, ein Dschungel. Bekommst du hier 5k ist der 50k Pott für dich geschlossen. Willst du in den Horizon 2020 musst du Experten ins Boot holen und einen riesen Aufwand betreiben, um überhaupt eine minimale Chance zu haben. Willst du (D)eine Idee realisieren und schützen, musst du viel Geld in die Hand nehmen, um überhaupt auch nur ein Patent vernünftig auszuarbeiten und einzureichen. Deutschland ist nicht Europa und Europa ist nicht Deutschland – leider. Wir sind nur ein Land innerhalb der EU und jedes Land für sich nach wie vor mehr oder minder eine “Insel”. Bürokratie für ein Unternehmen in Europa ist – im Vergleich zu den VEREINIGTEN Staaten von Amerika – ein schlechter Scherz. Das fängt an bei den Steuern, Gesetzen und geht weiter zu Kommunikationsmöglichkeiten (Stichwort Mobilfunk, Internet) bis hin zu völlig überteuerten Geldtransfers. Entweder wir sind eine Union oder wir sind ein Haufen von Individualisten die einfach dieselbe Währung teilen. Unsere Netzwirtschaft findet noch immer nahezu ausschließlich “lokal” statt und wir müssen Gas geben, um nicht noch weiter nach hinten abzurutschen. Deutschland ist lange schon nicht mehr das Land der Denker und Lenker und daran hat unser System nicht wenig mit Schuld.

Mich beschäftigt schon lange die Frage, nach welchem Kriterium Investoren gefunden werden oder man sie selbst findet. In Deutschland sehe ich einen sehr großen Verbesserungsbedarf. Ständig höre ich in Dauerschleife wie sehr unser Staat bemüht ist das unglaubliche Potential von Start-Ups zu unterstützen und alles soll einfacher werden. Wer keinen Investor hat und nur mal zur Bank geht, der weiß genau was damit gemeint ist: Heiße Luft. Hat man es jedoch trotzdem noch geschafft die finanziellen Hürden zu meistern, fühlt man sich schnell in einer anderen Welt. Fachkräfte? Wo findet man die? Bei uns klingeln sie weder täglich an der Tür noch bekommen wir großes Feedback auf Stellenausschreibungen.  Erschreckend ist auch, mit wie wenig praktischem Wissen wir Werksstudenten oder fertig studierte Informatiker bekommen. Sie sind ein Ass in der Theorie aber wenn es ans Programmieren geht, hat man häufig das Gefühl, sie sind blutige Anfänger und können kaum einen HTML-TAG auswendig. Theoretisches Wissen ist gut, aber für Einsteiger in einem Start-Up eine echte Hürde. Wir können es uns finanziell und zeitlich kaum erlauben, den “Frischling” langsam heranzuführen.

Herausforderung für unseren Markt:

Große Unternehmen müssen erkennen, dass es herausragende Start-Ups mit außergewöhnlichen Ideen gibt, diese unterstützen und vorantreiben. Der Markt muss sich für neue Wege und Ideen öffnen. Wir leben meist getreu dem Motto: “Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht”.

Herausforderung für unsere Firma:

Unsere größte Herausforderung im Moment ist es, Nutzer zu generieren. Wir sind absolut überzeugt vom Nutzen unseres Produktes für alle potentiellen Produzenten, aber die öffentliche Wahrnehmung gestaltet sich schwieriger als anfänglich erwartet. Viele Zeitschriften haben keinen Mut auch mal was “Neues” zu veröffentlichen und besinnen sich eher darauf immer wieder zu erklären, wie man die Registry in Windows aufräumt. Aus diesen Schwierigkeiten ergibt sich automatisch eine weitere ganz große Herausforderung: Überleben und ständig am Produkt weiter zu entwickeln.

Meine Persönliche Herausforderung:

Ich habe sehr viel Elan, bin sehr intrinsisch motiviert und möchte auch immer als gutes Beispiel für mein Team voran gehen. Für mich ist es die größte Herausforderung hier immer ausreichend Kraft und Spirit aufzubringen und stetig als “Tankstelle” und Motivator für mein Team da zu sein.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern? 

Ich möchte eine wirklich flache Hierarchie für mein gesamtes Team und dass man sich auch untereinander unterstützen kann. Um dieses Ziel optimal erreichen zu können möchte ich gerne mit anderen sprechen, mir Mentoren suchen, Menschen, die das schon geschafft haben

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

Meine Empfehlung entspringt aus meiner Erfahrung der letzten Monate: Internationale Start-Up-Messen kostet Unmengen an Geld und Zeit. Wenn euer Produkt noch in den Kinderschuhen steckt, nutzt diese Ressourcen lieber anderweitig! Natürlich lernt man tolle Menschen kennen, jedoch auch sehr oft andere Start-Ups statt potentielle Partner. Auf diese kommt es aber gerade an in der Anfangszeit. Die Pitches sind wertvoll, um Erfahrungen zu sammeln und selbstsicherer zu werden, doch das kann man auch woanders. Nehmt das Geld und die Zeit und investiert es in richtige Messen oder Marketing/Vertrieb, das ist viel effizienter.

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

So einen absoluten Favoriten habe ich nicht, da mich unterschiedliche Themen interessieren. Aber generell lese ich sehr gerne TechCrunch. In Deutschland vermisse ich leider die Qualität solcher Seiten, daher bleibe ich in der Regel schon bei den englischen Seiten.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Der Verkauf von Wunderlist an Microsoft. Ein Start-Up aus Deutschland wird von einem der Großen aus den USA übernommen. Wir können es DOCH noch! 🙂

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat 

“The Hard Thing About Hard Things”.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ok, die Antwort auf diese Frage mag nun etwas “anders” sein und ist auch keine echte Veranstaltungsreihe im eigentlichen Sinn 🙂 Ich habe mir Silicon Valley reingezogen, echt eine gelungene und sehr geile Serie, die man sich wirklich anschauen sollte. So weit weg ist das alles gar nicht vom echten Leben und gerade Start-Ups pitchen und stellen aus, wo immer es geht. Generell habe ich aber bei vielen (gerade Start-Up-) Veranstaltungen zu viel Nonsens erlebt und bin dann auch gerne mal schon vor Ende ab zum Ausgang gewandert.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Für mich sind die hilfreichsten Tools Google Docs/Drive und gitlab. Ohne die beiden würde bei mir nichts gehen.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Am meisten inspiriert haben mich Larry Page, Sergej Brin, Eric Schmitt, Mark Zuckerberg  und Steve Jobs. Diese Menschen haben beeindruckendes geschafft und die Welt verändert. Für mich wäre ein Tag mit Larry Page oder Mark Zuckerberg etwas Außergewöhnliches.