Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Axel Heinz – Makerist

Axel Heinz MakeristWer ist Axel Heinz? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Makerist gegründet. Davor war ich 11 Jahre bei Firmen wie eBay, 9flats und DaWanda und habe mich dort mit Produktmanagement und Internationalisierung beschäftigt. Makerist ist meine erste eigene Gründung. Inzwischen besteht unser Team aus 32 tollen Leuten.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich habe eine ziemliche Schwäche für Katzen und Kopfmassagen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Handarbeit ist wieder im Trend und schenkt den Menschen Freude und Entspannung. Leider ist das Lernen von Handarbeit noch sehr mühsam: Man muss einen Kurs finden, Zeit dafür blocken, hinfahren und alles gut mitschreiben, damit man nichts vergisst.

Makerist ist eine Handarbeitsschule für zu Hause. Nähen, Stricken, Häkeln, Torten dekorieren und andere Techniken lernt man bequem im Video-Kurs und kann dazu passende Schnittmuster, Anleitungen und Materialien bestellen.

Unsere Kurse werden von den besten Lehrern gehalten, die es in dem Bereich gibt.

Damit lernen unsere Teilnehmer einfacher, entspannender und erfolgreicher als jemals zuvor.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wir schaffen es, unsere Kurse über 10.000 Mal zu verkaufen. Über 50% unserer Teilnehmer haben schon mehr als einen Kurs besucht und kommen immer wieder. Das liegt sicher daran, dass wir die Kurse sehr aufwendig und sorgfältig produzieren, alles genau testen und auch auf eine schöne Stimmung und Atmosphäre im Kurs achten. Es liegt aber auch daran, dass wir mit den besten Lehrern arbeiten, die es im deutschsprachigen Raum gibt. So lernen unsere Teilnehmer nicht nur die Technik, sondern auch noch einen Profi kennen, der mit Leib und Seele Handarbeit macht. Da wir die Lehrer, unsere sogenannten „Trainer“, am Erlös beteiligen, sind sie zusätzlich motiviert, mit uns besonders gute Kurse herzustellen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die größte Herausforderung sehe ich darin, unseren Planeten für alle lebenswert zu halten. Wir für unseren Teil kämpfen für ein bewussteres Shopping-Verhalten. Es ist erschreckend, wie viel Kleidung weggeworfen und ständig neu von der Stange gekauft wird. Die Produktionsbedingungen sind nach wie vor kaum fair und umweltgerecht. Wer etwas selber näht oder strickt weiß, wieviel Arbeit darin steckt und wieviel gute Materialien kosten. Die Freude und der Stolz darüber sind unvergleichlich und man trennt sich nicht so leicht davon

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich halte es für gefährlich, wenn zu viel Macht in zu wenigen Händen liegt – egal ob es politische oder wirtschaftliche Macht ist. Seit der Mitte der 2000er Jahre entsteht auch in Deutschland eine große Vielfalt neuer Unternehmen, die unbesetzte Nischen großer Player füllen. Riesen wie Google, Facebook oder Amazon dringen jetzt auch in diese Nischen vor. Das eröffnet natürlich neue Exit-Chancen, aber schadet mittelfristig dem Wettbewerb.

Herausforderung für unseren Markt:

Handarbeit hat es schon immer gegeben und wird auch immer da sein. Der Markt ist aber sehr zyklisch – in den Achtzigern war wenig los, jetzt sind wir in einer Hochphase. Die klassischen Unternehmen in dem Markt sind viel langsamer und träger als junge, digitale Unternehmen wie Makerist. Die nächste Flaute werden diejenigen besser überstehen, die sie besser ausgleichen können: durch Produkt-Innovation, durch Internationalisierung, durch das Erschließen neuer Hobby-Trends.

Herausforderung für unsere Firma:

Fokussiert bleiben, schnell bleiben und als Team hervorragend funktionieren.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten freut mich die Innovationskraft von Open Source und dass es so viel einfacher geworden ist, neue Ideen, Produkte und Firmen umzusetzen.

Am meisten ärgern mich verhetzende Dialoge und Kommentare in sozialen Medien, bei denen Leute eher verrohen als ihre Streitkultur zu entwickeln.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich finde, dass es in deutschen Städten zu viele Autos gibt und zu wenig Raum für Radfahrer und Fußgänger. Eine Stadt mit wenigen Autos finde ich sehr lebenswert. Da die Stadtverwaltungen sehr langsam vorwärts kommen, können Startups sicherlich schneller und kreativer Konzepte entwickeln.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich lese gern den Fachblog „The Heretic“, in dem es sehr kurze und inspirierende Texte zu Gründungsthemen gibt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Zum Thema „Unicorns“:

http://www.bothsidesofthetable.com/2015/09/27/why-i-fucking-hate-unicorns-and-the-culture-they-breed/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„The Circle“ von Dave Eggers – allerdings eher als Mahnung, was wir nicht werden wollen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ich finde die re:publica immer sehr inspirierend, auch weil es nicht nur um Wirtschaftsthemen geht, sondern auch darum, was das Internet auch sonst in der Gesellschaft ermöglicht und verändert. Ansonsten mache ich seit über 10 Jahren Taekwondo und lerne von meinen Meistern dort wirklich viel 🙂

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Slack ist super und sorgt in unserem Team für eine Kommunikationsdichte und -kultur, die ich vorher noch nicht gesehen habe. Wir koordinieren darüber viel und effizient.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich würde gerne mit Jamie Oliver kochen oder bei Guido Maria Kretschmer einen Nähkurs machen und eine Jacke schneidern!

Beide finde ich sehr charismatisch und sie haben eine starke Leidenschaft für das, was sie tun.