Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Haldun Tuncay – WVW / ORA

Haldun Tuncay WVW / ORAWer ist Haldun Tuncay? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ein Medienmann, ein Unternehmenslenker, ein Familienmensch

WVW und ORA – eine Tochterverlage der Funke Mediengruppe in Essen – bin ich verantwortlich für den Erfolg die Zunkunftsfähigkeit des größten Anzeigenblattverlag Deutschlands. Ein grossartige Aufgabe, ein großartiges Team!

Als ein „Sohn Mannheims“ habe ich an der Universität Mannheim Betriebswirtschaft studiert.

Als Unternehmensberater der Strategieberatung Roland Berger erwarb ich in sechs hoch spannenden Jahren erste berufliche Erfahrungen, sehr wertvolles Methodenwissen und unternehmerisches Denken. Das hilft mir auch heute sehr!

In zahlreichen Projekten für Verlage, Druckunternehmen, TV- und Hörfunkanstalten sowie Internetunternehmen entwickelt ich dabei meine Begeisterung für die Medienbranche.

In der Rückschau auf nun 20 Jahre Berufserfahrung sehe ich mich vor allem als Problemlöser und Transformator. Meine Mitarbeiter und Kollegen beschreiben mich als engagierten und emphatischen Unternehmenslenker.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin Jäger! Das ist für mich ein sehr naturnaher Ausgleich und eine echte Passion!

Und auch im Beruf: stets mit geschärften Sinnen, also offenen Augen und Ohren, auf der Jagd nach guten Ideen und neuen Geschäftsmöglichkeiten.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind „top of class“ in unserem klassischen Kerngeschäft: Erfolgreiche Werbung für lokale Märkte. Wir kombinieren sehr erfolgreich die Schlagkraft unserer 37 extrem marktnahen Einheiten vor Ort mit der Professionalität und den Synergien unserer zentralen Serviceeinheiten.

Wir sind auch sehr erfolgreich darin, uns als Organisation ständig weiterzuentwickeln: mit neuen Angeboten und Lösungen für bestimmte Werbezielgruppen und damit für unsere Kunden: Print und digital

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

lokalkompass.de mit über 80.000 Bürgerreporten beweisen wir das. Dort betreuen unsere lokalen Redakteure als Moderatoren ihre jeweils eigene lokale Städte-Community. Genau dies ist das Erfolgsrezept: hohes emotionales Involvement, direkte Verantwortung und ganz nah dran an den Menschen – im Netz und vor Ort im echten Leben.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die aktuelle Flüchtlingswelle zeigt uns einmal mehr, dass die echten Herausforderungen doch im „wahren Leben“ bestehen und dort gemeistert werden wollen. Das Netz kann dabei allerdings hervorragende Hilfe leisten: transparente Informationen, webbasierte Sprachkurse, Koordination der Hilfsaktionen und vieles mehr

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wir sind immer noch vergleichsweise un-unternehmerisch: zu wenig Mut, zu tradiert in Denkmodellen und Vorgehensweisen. Investoren und vor allem bestehende Gesellschafter wie auch das Management vieler Unternehmen sollten mutiger sein und der jungen Generation die erforderlichen Freiräume einräumen, die neuen Märkte zu erobern

Herausforderung für unseren Markt:

Auf der Basis des anhaltenden Erfolgs und der finanziellen Stärke unseres klassischen Geschäftsmodells sind wir gefordert, rechtzeitig ergänzende Geschäftsmodelle und neue Geschäftsfelder erschließen – indem wir uns selbst infragestellen, unter positiven Handlungsdruck setzen und uns ständig und fortlaufend  weiterentwickeln

Herausforderung für unsere Firma:

Weiter den konsequenten Weg der Transformation vom Verlag hin zum Medien- und Kommunikationsdienstleister beschreiten – noch schneller!

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Erschreckend und großartig zugleich empfinde ich die unglaubliche Bewegung und Chancen in unserer Branche:

1. Gerade in der Medienbranche können quasi über Nacht kleine neue Garagenunternehmen den über Jahrzehnte etablierten Medienunternehmen die Butter vom Brot nehmen und deren Marktposition streitig machen

2. Innerhalb nur weniger Jahre entstehen weltumspannende, gigantische Unternehmen wie Google und Facebook mit unglaublicher Marktmacht. Undenklich wissen wir nicht, ob es sie in dieser Form in 5-10 Jahren noch gibt.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Der Tag hat nur 24 Stunden! Es gibt zwar schon viele Lösungen, die Zeit effizienter zu nutzen, aber es wird wohl bei den 24 Stunden bleiben 😉

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://www.mckinsey.com/insights/innovation/disrupting_beliefs_a_new_approach_to_business-model_innovation

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Macht: Wie Erfolge uns verändern“ – von Ian Robertson

Eine exzellente und aufschlussreiche Analyse des Verhalten von Führungskräften. Sehr nützlich für das tägliche Geschäftsleben – auch als Selbstreflexion.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Ein Vortrag von Gisbert Rühl, dem Vorstandsvorsitzenden des Stahlhandelskonzerns Klöckner über die Digitalisierung klassischer Branchen und proaktive Antworten auf die Disruption von Geschäftsmodellen

Ein Treffen in der vergangenen Woche mit Mitarbeitern unserer Außenstellen, mit denen wir als Geschäftsführung leider nur selten im direkten persönlichen Kontakt stehen. Genau deshalb machen wir solche „Treff mit Chef“-Veranstaltungen, in denen wir uns sehr offen darüber austauschen, welche Themen uns jeweils bewegen. Diese Treffen sind jedes Mal großartig – für alle Teilnehmer sehr erkenntnisreich und wertvoll.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Definitiv das iPhone! Ein ganz wesentliches Element meiner Arbeit ist zu kommunizieren – hier bieten sich mir nahezu uneingeschränkte Möglichkeiten „in einer Hand“: mit Menschen sprechen, an jedem Ort Notizen und Bilder machen und versenden, und letztendlich Zugriff auf so ziemlich alles, was es in der Welt gibt.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit den „Jungs in den Laboren“ von Google. Da würde ich gerne mal „Mäuschens spielen“, um zu erfahren welche Visionen und Zukunftspläne dort verfolgt bzw. an welchen Projekten bereits gearbeitet wird. Das Netz wird unsere Wirtschaft und unser gesellschaftliches Leben in naher Zukunft noch weiter stark verändern…

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.