Interview
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Interview mit Arndt Rautenberg – Rautenberg & Company

Arndt Rautenberg Rautenberg & CompanyWer ist Arndt Rautenberg? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Rautenberg & Company, einer Beratungs- und Beteiligungsgesellschaft mit einem großartigen Team an inzwischen drei Standorten – Düsseldorf, Frankfurt und London.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Das sollten Sie viel eher meine Frau oder meine Jungs fragen, denen fallen bestimmt sofort einige Spleens ein. Ich bin natürlich überzeugt, dass ich keine habe. Oder vielleicht doch: Ich gehe zu Hause nicht ans Telefon. Nie. Ist sowieso nicht für mich.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir begleiten Finanzinvestoren, also Private Equity und Venture Capital Fonds sowie Family Offices, in allen Phasen einer Transaktion, also von der Anbahnung über die Durchführung eines Deals und das sogenannte „Onboarding“ nach dem Closing bis hin zur Vorbereitung eines Verkaufs am Ende der Halteperiode. Ich halte es für am wichtigsten, dass wir bei all diesen Tätigkeiten nicht nur Papier vollschreiben, sondern unseren Kunden sehr direkt und konkret helfen, bis hin zur fertigen Transaktions- und Finanzierungsstruktur und dem unterschriebenen Vertrag. Die Superpower, wenn es die denn gibt, ist dabei unsere Erfahrung – mein Partner und ich machen das seit 20 Jahren und haben so ziemlich alles gesehen, was es im Transaktionsgeschäft so gibt.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ein echtes Highlight, das darf ich hier bestimmt verraten, war unsere Begleitung von Hellman & Friedman, einem großen Private Equity Fonds aus San Francisco, bei der Akquisition der Scout24-Gruppe von der Deutschen Telekom. Unsere Aufgabe war es, die beiden Due Diligence Streams zu koordinieren, die wichtigsten Erkenntnisse herauszuarbeiten und sowohl in den Business Plan als auch in unsere Pitch-Unterlage für den Verkäufer und seine Banken einzubauen. Wir sind durch den gesamten Prozess gelaufen, fünf Monate lang, von erst 15 Bieter runter auf acht, dann vier, und zuletzt zwei. Und als dann die Nachricht kam, wir haben gewonnen, das war schon ein unglaubliches Gefühl. Es gab mindestens drei Erfolgsfaktoren: Unser Plan, wie wir den Wert der Scout24-Gruppe steigern wollten, war offenbar der beste, mit einer gut durchdachten Kombination von Maßnahmen auf der Umsatz- und auf der Kostenseite sowie im Portfolio. Das Team von Hellman & Friedman war einfach großartig und ist beim Verkäufer regelmäßig sehr stark aufgetreten. Und schließlich haben wir wohl auch den höchsten Preis geboten, das ist im M&A-Geschäft natürlich immer kein ganz unwichtiger Faktor…

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Für die größte Herausforderung für die Gesellschaft halte ich es in den kommenden Jahren, das richtige Maß an staatlicher Steuerung und staatlichen Eingriffen zu definieren, im Wettstreit zwischen Liberalismus und straffer Ordnungspolitik. Das gilt für viele der zentralen politischen Themen wie Sicherheit oder Staatsbürgerschaft, aber gerade auch in der Netzwirtschaft: Wo genau ist die Grenze, an der wir die Net Neutrality zum Schutz einzelner beschränken müssen? Wie sichern wir geistiges Eigentum, ohne in tradierte und oft unpassende Kontrollmechanismen zu verfallen? Regulieren wir Gebietsmonopole, z.B. im Breitband, die durch mutige unternehmerische Infrastrukturinvestitionen entstanden sind? Für mich gibt es da keine eindeutige Antwort, sondern nur fallweise zu treffende Entscheidungen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Herausforderung gerade für uns in Deutschland ist, dass uns droht, im globalen Wettbewerb um Talente und Ideen zurückzufallen. Das hat sicher auch mit unserer Infrastruktur, vor allem aber mit unserem Bildungswesen zu tun. Mir ist es unbegreiflich, warum wir die Verantwortung für die zentrale Antriebskraft unseres Erfolges nicht bündeln, sondern als Kernkompetenz von gleich 16 Bundesländern definieren. Als Ergebnis der permanenten Kompromisse sehen wir doch alle einen Flickenteppich, der unsere Wettbewerbsfähigkeit als Bundesrepublik insgesamt gefährdet. Ich diskutiere das oft zu Hause mit unseren drei Jungs, und was ich von ihnen lerne, ist ebenso verständlich wie frustrierend: Ihre Frage ist gar nicht mehr, ob sie im Ausland studieren werden, sondern nur noch wo.

Herausforderung für unseren Markt:

In unserem spezifischen Markt, also in Corporate Finance gerade mit Fokus auf PE und VC, ist die zentrale Herausforderung der Digitalisierung sicherlich das zunehmende Tempo, mit der Geschäftsmodelle und ganze Branchen revolutioniert werden. Es wird immer schwieriger, die notwendige hohe Qualität einer Investitionsprüfung sicherzustellen, zum Beispiel einer Due Diligence, weil gerade die Aspekte disruptiver Technologien und Geschäftsmodelle eine zentrale Rolle spielt – die zu prognostizieren naturgemäß aber nicht einfach ist. So sinkt die Investitionssicherheit, insbesondere in technologiegetriebenen Branchen, gleichzeitig aber sind die Preise auf einem sehr hohen Stand. Das wird in vielen Fällen nicht gut gehen…

Herausforderung für unsere Firma:

Als vorübergehend kleine Firma ist es auch zwei Jahre nach unserer Gründung noch immer unsere wichtigste Aufgabe, uns in diesem sehr dynamischen Umfeld sauber zu differenzieren: Was genau können wir besonders gut, warum sogar besser als die meisten Wettbewerber, wer sind die überhaupt? Ich beobachte bei vielen der üblichen Verdächtigen in unserer Branche, dass sie mit ihrer Attitüde, eigentlich alles und vor allem alles besser zu können als ihre Klienten, ziemlich auf die Nase fallen. Denn einer der vielen Vorteile an der Netzwirtschaft ist, dass sich Feedback schneller herumspricht – positives wie negatives.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten freue ich mich, übrigens jeden Tag aufs neue, dass Bill Gates vor 20 Jahren mit seiner Prognose „information at your fingertips“ so vollständig richtig lag. Unser Leben, beruflich wie privat, ist ohne permanente und gezielte Informationen aus dem Web gar nicht mehr vorstellbar. Und es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie man mit präzisen Queries hoch aktuelle und relevante Informationen zu jedem vorstellbaren Thema erhalten kann. Direkt nebenan aber liegt auch ein großer Frustfaktor: Eine Flut von irrelevanten Informationen. Unglaublich schlecht gemachte Werbung, nervige Banner zum Beispiel, die mich nicht interessieren, die ich aber teilweise gar nicht wegbekomme, trotz Ad Banner und allen möglichen technischen Hilfsmitteln.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Roland Tichy, der bis letztes Jahr Chefredakteur der WirtschaftsWoche war. Wohltuend differenziert und fast immer zum Nachdenken anregend.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Gerade erst neulich hat mich Astrid Maier, eine Redakteurin vom ManagerMagazin, die ich sehr schätze, mit einem nachdenklichen Artikel aus ihrem neuen Wohnort Palo Alto zum Schmunzeln gebracht: „Gruselparty in Palo Alto“ beschreibt sehr anschaulich, wie die Tech-Bubble heute der von 2001 gleicht, obwohl alle permanent betonen, dass diesmal alles anders sei.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

In diesem Kreis fällt es mir leicht zuzugeben, dass mich das Buch „The Circle“ von Dave Eggers fasziniert hat, eher aber in einem schaurigen als in einem inspirierenden Sinne….

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Hier schlägt mein Herz als Absolvent der WHU: Ich halte die beiden großen, von den Studenten jährlich in Eigeninitiative organisierten Konferenzen für extrem interessant und relevant: Das „IdeaLab!“ als Forum für Gründer und Jungunternehmer, und die „Campus for Finance“, die sich inzwischen fast zur Leitkonferenz für Finanzinvestoren entwickelt hat.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Auch wenn Sie jetzt lachen werden: Mein Schreibblock, quergelegt natürlich und mit quadratischen Kästchen drauf. Ich weiß, dass es alle möglichen Tools gibt für Konzeptionalisierung und Visualisierung, Mindmaps und so weiter, auch fürs einfache Mitschreiben, aber wenn ich ein Problem strukturieren muss oder eine Aufgabe, etwa zu Beginn eines neuen Projektes, dann geht das weiterhin am besten mit Papier und Stift. Dann aber mache ich mit dem iPhone Fotos von meinen Skizzen und verteile sie elektronisch ans Team, die schmunzeln dann immer schon über mich…

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Auch wenn er nicht wirklich aus meinem Fachgebiet kommt – ich würde Elon Musk extrem gerne mal für einen Tag begleiten und seine Energie und seine unternehmerische Weitsicht live erleben. Dass PayPal ein Volltreffer war, ist ja allseits bekannt, aber ich halte auch Tesla, SpaceX und zuletzt Hyperloop für perfekte Beispiele disruptiven Denkens – und Handelns! Und dass Musk kein reiner Internet-Unternehmer ist, sondern sich erfolgreich in einer großen Breite an Sektoren bis hin zum Güterverkehr bewegt, finde ich absolut faszinierend.

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