Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Alexander Nevinny-Stickel – Nevinny-Stickel Communications

Wer ist Alexander Nevinny-Stickel? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin ein hundertprozentiger Kommunikator mit Herzblut. Der Job ist bei mir wirklich Berufung. Ich habe schon in der Schulzeit für lokale Redaktionen geschrieben, später kamen noch überregionale Tageszeitungen dazu. Dann schnupperte ich auch mal beim Radio und Fernsehen rein. Nebenbei war ich dann noch im Eventbereich unterwegs und bin nun seit über 15 Jahren in der PR-Welt unterwegs mit dem Schwerpunkt Technologie. Ich bin einfach immer neugierig und wie mein Zitat von Robert Kennedy auf meinem Xing-Profil frage ich immer „Warum nicht?“. Mich interessieren einfach Menschen, Produkte, Technologien, Trends und Unternehmen. Außerdem leben wir in einer extrem spannenden Zeit, wo sich gerade einiges in Sachen Privat- und Arbeitswelt ändert. Ich suche auch immer gleich nach dem Mehrwert und es macht mir einfach wahnsinnigen Spaß, wenn ich mit meinem Know-how und meiner Kreativität mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Meine Chefs sagen immer, dass ich ein Dienstleistungsgen besitze und ich bin schon ein wenig verrückt im positiven Sinne. Ich liebe es, mich mit anderen auszutauschen. Daher bin ich viel auf Events und pflege mein weitreichendes Netzwerk an Multiplikatoren von Journalisten über Analysten, Blogger, Marktforschern, Zukunftsforschern bis hin Verbandskontakten oder Prominenten. Ich finde es immer wieder spannend neue Blickwinkel und Ideen kennenzulernen. Gleichzeitig hinterfrage ich auch gerne alles, denn ich vermisse bisweilen ein wenig die Skepsis in unserer Gesellschaft.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich lege Wert auf Fitness, denn für mich steckt der bekannte gesunde Geist auch in einem gesunden Körper. Beim Laufen durch den Wald bekomme ich oft gute Ideen oder auch im Fitness-Studio. Inzwischen habe ich auch immer einen Stift und ein Stück Papier dabei, um dies auch gleich festzuhalten. Zudem fühle ich mich einfach fit, wenn ich Sport getrieben habe. Da habe ich eine ganz andere Energie.

Ansonsten bin ich auch ein Film-Junkie. Zitiere auch mal gerne aus Filmen und sehe dies als entspannend und anregend zugleich. Daher wähle ich auch mal gerne abgewandelte Film-Zitate für meine Kampagnen. Bei Tableau Software war es zum Beispiel „Mögen die Daten mit Dir sein“, „Bei den Festplatten von WD, weißt Du genau, was Du bekommst“ (Forrest Gump) oder „You’ll never drive alone“ für ein Flottenservice-Unternehmen.

Elevator Pitch! Was macht Nevinny-Stickel Communications? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Unsere Superpower liegt in dem Verständnis für die Interessen und Rahmenbedingungen von Unternehmen und Zielgruppen. Klingt banal und ist es im Grunde auch. Dennoch scheinen es genügend Dienstleister nicht zu können. Wir hören nicht nur einfach gut zu, sondern wir verstehen auch, was das Unternehmen oder die Zielgruppe wünscht. Mit dieser sozialen Intelligenz können wir uns gut in die jeweilige Situation reinversetzen und dabei aber auch immer die externe Brille aufbehalten. Daher sehe ich auch unsere Stärke in der ganzheitlichen Strategie. Wir betrachten das gesamte Unternehmen vom Management über die Mitarbeiter zu den Produkten bis zu den Werten. Jedes Unternehmen ist einzigartig und unsere Aufgabe ist es, dies im Sinne des Kunden herauszuarbeiten. Wir sind aber auch authentisch und sagen Nein, wenn dies gegen unsere Werte verstößt. Der Kunde will ja nicht nach dem Mund geredet bekommen. Dies bringt ihn ja nicht weiter. Wir möchten einfach etwas Nachhaltiges schaffen. Dies ist unser Ziel. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Start-up, einen mittelständisches Unternehmen oder einen Konzern handelt.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Da gab es einige Highlights, aber ein besonderer Höhepunkt bleibt für mich die Arbeit für Tableau Software. Wir haben das Unternehmen quasi von null auf 100 geführt. Als wir den Kunden 2013 übernahmen, gab es gerade einmal zwei Vertriebsmitarbeiter in Deutschland und das Marketing wurde über London für Europa gesteuert. Wir haben uns sehr intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt und den Mehrwert herausgearbeitet. Dabei haben wir von Beginn an sowohl die PR-Aufgaben als auch die Marketing-Projekte miteinander verzahnt. Es ging uns darum, eine Geschichte zu erzählen. Das Thema Storytelling ist ja im Grunde nicht neu, aber es muss einfach mit Leben gefüllt werden. Dies war unsere Herausforderung.

Bei Tableau Software hat sich auch die Unternehmensgeschichte angeboten. Aufgrund der Tatsache, dass die Gründer noch an Bord waren, bohrten wir solange bei den Verantwortlichen in den USA nach, bis wir mehr Details und später auch die Freigaben bekamen. Wir haben den Geist der Gründer in unsere Kampagnen einfließen lassen und dabei das besondere bzw. einmalige der Software hervorgehoben. Wir entwickelten hierzu die Botschaften, wie wir den Kunden griffiger im Markt positionieren können. Wir arbeiteten mit Slogans wie „Tableau your Data“ (in Anlehnung an etwas zu googeln) oder „Data Rockstar“ (dies kam allerdings vom Kunden und wir bauten es ein). Dies ist ja die Kunst, bei den B2B-Kunden diesen Transfer zu schaffen. Schließlich etablierten wir den Kunden mit Auftritten auf Events (Sprechermöglichkeiten auf Events wie der CeBIT oder der Computerwoche Big Data-Veranstaltungen, Webinare in Partnerschaft mit Verlagen, Zitate von den Sprechern zu aktuellen Themen, Erstellen von künftigen Trends im Markt aus Sicht des Kunden und dem Positionieren von Mitarbeiter von Tableau als Experten für Fachzeitschriften). Wir steigerten die Bekanntheit von Tableau und das Unternehmen wuchs in Deutschland auf über 20 Mitarbeiter innerhalb eines Jahres. Markt-Analysten wie BARC oder Lünendonk wurden auf den Kunden aufmerksam. Die Krönung war eine Presse-Tour mit dem CEO von Tableau bei den führenden IT-Medien wie der Computerwoche, aber auch mit Wirtschaftsmedien wie der FAZ.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Das Internet und die neuen Technologien wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Industrie 4.0 oder Künstliche Intelligenz sorgen für große Chancen und auch Herausforderungen. Ich denke, dass es wichtig ist, die passenden Rahmenbedingungen für diese Möglichkeiten zu schaffen. Ich sehe gerade in punkto Regularien und Sicherheit eine große Relevanz. Wir lesen ja zu oft über die Informationen, die missbraucht oder gehackt werden. Solchen Möglichkeiten gilt es den Riegel vorzuschieben, soweit dies geht. In der Regel sind die Hacker oder Kriminellen ja oft einen Tick schneller und effizienter. Dennoch muss es unser Bemühen sein, dies bereits im Keim zu ersticken und dafür die Voraussetzungen zu schaffen. Außerdem ist es wichtig, dass die eigenen Daten geschützt bleiben und wir aufpassen müssen, dass diese Daten nicht alle bei den großen Playern in den USA landen.

Spannend ist auch die Zukunft unserer Arbeitswelt. Ich habe den Zukunftsforscher Lars Thomsen für eine Veranstaltung vermittelt und fand es enorm spannend, welche Szenarien für die Arbeitswelt prognostiziert wurden. In all diesen Themen ist auch die Politik in der Pflicht. Sie sind mitverantwortlich für die Rahmenbedingungen und meines Erachtens wird in diesem Bereich derzeit noch zu wenig unternommen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet ist das wichtigste Informationsmedium sowohl beruflich als auch privat. Ich finde bin fasziniert, was wir inzwischen alles mit einem Mausklick recherchieren oder erfahren können. Auch hier sehe ich im Bereich Sicherheit noch viele Herausforderungen. Für mich persönlich, wobei dies weniger eine Aufgabe des Internets ist, finde ich die Tatsache, dass in manchen Teilen von Deutschland wie zum Beispiel das Rhein-Main-Gebiet die Bandbreite noch stark zu wünschen übrig lässt. Und ich spreche hier vom Rhein-Main-Gebiet und nicht von Regionen mit mangelnder Infrastruktur.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Nur ein Medium herauszupicken ist schwierig. Dafür ist mein Filter zu breit und meine Quellen zu unterschiedlich. Ich lese gerne die Geschichten im Wired Magazin, weil diese oft spannend und inspirierend sind.

…einen Artikel / ein Video / …, den / das Du Deinen Kunden empfiehlst

Ohje, dies kann ich gar nicht.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ich habe vor kurzem mal wieder Georg Orwell gelesen. Das ist inzwischen wohl mehr ein Tatsachenbuch.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ich finde das Internet ist für mich ein hilfreiches Tool. Gepaart mit kreativen Ideen, die dann durch die Recherche bereichert werden können, ist dies voraussichtlich meine bevorzugteste Lösung. Aber meine Empfehlung wäre, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, online Tools genauso zu nutzen wie interessante Veranstaltungen und sich dort an dem Austausch aktiv beteiligen. Aus meiner Sicht bringt dies immer am meisten. Oder wie einer meiner Ex-Chefs gerne zu sagen pflegte: „Schwätze mit de Leud“ 😉

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Für mich ist es unmöglich, dafür nur eine Person herauszugreifen. Es waren zahlreiche Experten und Menschen, die mich auf meiner Reise in der PR bisher geprägt haben. Ich kann auch keinen Experten herauspicken, mit welchem ich gerne einmal zusammenarbeiten möchte, denn es sind einfach so viele. Ich denke, die Erfinder und Entwickler von neuen Produkten und Technologien haben einfach eine spannende Geschichte. Daher würde ich gerne erfahren, wie sie auf diese Dinge gekommen sind, welche Herausforderungen sie hatten und wie sie es umgesetzt haben.