Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Alexander Duphorn – Goldbach Media

Alexander Duphorn Goldbach MediaWer ist Alexander Duphorn? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Nach meinem BWL-Studium habe ich angefangen, bei der IP-Deutschland zu arbeiten. Dort hat mich eine echte Leidenschaft für die Vermarktung von elektronischen Medien gepackt und seither nicht mehr losgelassen. Nach Geschäftsleitungspositionen bei MTV Networks und SevenOne Media zog es mich dann in die Schweiz, wo ich nun meine altbekannten Sender auf verschiedenen Plattformen vermarkten darf.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Mit den Spleens ist das so eine Sache: Oft bemerkt man sie selbst nicht und kaum jemand mag sie dir verraten. Ich glaube, dass ich oft versuche, andere zufrieden zu stellen. Beruflich würde man wohl von einem kooperativen Führungsstil sprechen und diese Konsensfreudigkeit kommt bei Goldbach gut an. Richtige Spleens kennt sonst wohl nur meine Familie von mir. Meine Frau behauptet, ich sei Tripadvisor-süchtig. Ich nutze ich diese Plattform eben sehr gerne für die Planung von Reisen oder Restaurantbesuchen und finde es schön, selbst etwas dazu beizutragen. Vielleicht betreibe ich das tatsächlich etwas intensiv. Zählt das als Spleen?

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Goldbach Media vermarktet Werbeplätze in den elektronischen Medien TV, Video und Digital out of Home. Wir betreuen Kampagnen von der Mediaplanung über die Abwicklung bis zum Controlling. Unsere Superpower ist klar unser breites Netzwerk, die Relevanz im Markt und unsere medienübergreifende Kompetenz. Es ermöglicht uns, unseren Kunden attraktive Werbeplätze mit maximaler Reichweite anzubieten und viele Menschen in unterschiedlichen Medien fast rund um die Uhr anzusprechen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Goldbach Media vermarktet schon seit mehr als 20 Jahren private TV-Sender in der Schweiz. Als ich 2011 zu dem Unternehmen stiess, konnten wir mit 17 Privatsendern schon ein attraktives Portfolio und eine relevante Reichweite anbieten. Heute vermarkten wir mehr als doppelt so viele TV-Sender und machen ausserdem den Markteintritt auch für Nischensender möglich, die andernfalls mit den hohen Kosten für Servicestandards und Salespersonal zu kämpfen hätten. Das wachsende Senderportfolio hilft uns dabei, die Herausforderungen des sich fragmentierenden Marktes zu meistern. Durch die steigende Anzahl an TV-Sendern wächst auch unser Angebot an Digitalen Services – vom Web-TV-Channel und Replay-Angeboten bis hin zum attraktiven Digitalen Angebot der Sender. So schaffen wir es, uns dem veränderten Mediennutzungsverhalten zu stellen und unser Portfolio den aktuellen Bedürfnissen der Werbungtreibenden anzupassen. Dabei werden in Zukunft Digital Out of Home und Mobile eine deutlich relevantere Rolle spielen. Auch hier ergänzen wir fortwährend unser Angebot, um unsere Werberelevanz weiter auszubauen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Der Medienstandort Schweiz ist einer der aussergewöhnlichsten in Europa. Die Geschwindigkeit der Digitalisierung, der hohe Grad an technischer Ausstattung in den Haushalten und die dreisprachige Vielfalt der Medien schafft ein sehr dynamisches Angebot. Eine Herausforderung ist die Schaffung eines wettbewerbsoffenen Umfeldes. Für die private Wirtschaft ist es nicht immer einfach, neben staatlichen Unternehmen, wie Swisscom, oder gebührenfinanzierten Unternehmen, wie SRG, zu bestehen. Der angekündigte Joint Venture zwischen Swisscom und der SRG, zusammen mit Ringier, weckt bei mir grosse Bedenken. Die Daten der Swisscom und die Power von SRG und Ringier könnten dazu führen, dass der Marktzugang zu technisch aufwendigen Dienstleistungen, die für zielgruppengenaue Werbung notwendig sind, nur noch über den Joint Venture erfolgen kann. Wir brauchen eine neutrale Instanz, um die Privatwirtschaft und vor allem kleinere, regionale Schweizer Medien zu schützen und ein umfassendes Angebot mit einer einheitlichen Währung für alle elektronischen Medien zu ermöglichen. Nur so kann auch in Zukunft die Chancengleichheit der Medien gesichert und allen Marktteilnehmern der Zugang zu neuen Dienstleistungen gewährleistet werden, zum Beispiel zu regionsspezifischer oder zielgruppenindividualisierter Werbung. Durch staatliche Unterstützung bereitgestellte Informationen müssen allen gleichermassen zur Verfügung stehen, um die Relevanz des Medienstandortes Schweiz nachhaltig zu stärken. Bei Goldbach Media setzen wir uns dafür ein, rechtlich wie auch wettbewerblich die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um unseren Kunden jeden Tag aufs neue innovative Kommunikationslösungen anbieten zu können.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich gehöre zu einer Generation, die es unglaublicher Weise schaffen musste, ohne Internet zu existieren. Fasziniert erinnere ich mich an Diskussionen darüber, ob man wirklich jedem Mitarbeiter einen Zugang zum Internet bereitstellen sollte und wie wichtig die Erstellung einer eigenen Webseite sei – und das bei einem Medienunternehmen! Das Internet hat eine unglaubliche Dynamik in unser Leben gebracht. Es eröffnet uns Möglichkeiten, von denen wir nie geträumt hätten. Das freut mich sehr.

Natürlich gibt es auch ärgerliche Aspekte des Internets – wenn es nicht erreichbar ist, zum Beispiel. Oder ist das manchmal auch erfreulich? Ausserdem macht es mich rasend, wenn mein Wallpaper wie ein einziges, grosses Re-Targeting-Angebot aus Schuhen und Rucksäcken daher kommt, ich über mein iPhone immer noch keine Flash-Applikationen abspielen kann oder diverse Websites einfach nicht mobile-kompatibel sind.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

WiFree Everywhere – Überall ein starkes Wlan-Netz. Frei verfügbar und weltweit flächendeckend nutzbar. Neben den privaten Vorteilen eine super Basis für mobile Werbung mit Kommunikationslösungen und Mehrwerten für den Konsumenten. Das wäre ein Traum.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Klein Report – Weil Ursi Klein eine Meinung hat und über den Tellerrand der Fachmedien hinaus berichtet

Persönlich – Täglich ein schneller Überblick über die Medienlandschaft Schweiz mit Bild und Video

Horizont Vor 9 Vor 9 – Weil es auch wichtig ist das Ausland im Auge zu haben und viele News wichtige Impulse für die Schweiz geben

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://www.betaboston.com/news/2015/10/07/the-bumpy-road-to-bringing-internet-access-to-7-billion-people/

Weil auf einmal das „Internet der Dinge“ hinter das „Internet der Menschen“ fällt. Bisher hat erst knapp die Hälfte aller Menschen Zugang zum Internet, doch das kann sich bald ändern, weil es noch Idealisten gibt

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Wenn ich mich für mein Business inspirieren und motivieren möchte, dann braucht es natürlich Bewegtbild (hier Filme) um mich abzuholen:

„Blind Side“: Alles ist möglich.

„Das Streben nach Glück“: Für Erfolg muss man hart arbeiten.

„Robin Hood“: Sich erheben, immer und immer wieder. Bis Lämmer zu Löwen werden.

Wenn es zwingend ein Buch sein soll, dass mich inspiriert hat:

Arthur McLuhan – The Medium is the Message (1967)

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Screen Force Day (Seit 2015 auch in der Schweiz – seit 2004 in Dtl.)

Prof. Byron Sharp zeigt mit „How Brands Grow“ auf, dass auch Topmarken nicht auf eine Massenkommunikation verzichten können. Masse schafft Marktanteil.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Outlook

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Sir Richard Branson – Er hat es von unten nach ganz oben geschafft, mischt überall mit und ist ein gutes Beispiel dafür, was man mit Willenskraft erreichen kann.

Elon Musk – Eigentlich müsste ich hier Steve Jobs nennen, doch das ist ja leider nicht mehr möglich. Doch Elon Musk kommt seinen Visionen am nächsten.

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