Interview
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Interview mit Alexander Büttner und Kai-Oliver Derks – teleschau – der mediendienst

Alexander Büttner und Kai-Oliver Derks teleschau – der mediendienstWer sind Alexander Büttner und Kai-Oliver Derks? Bitte stellt Euch doch mal kurz vor. Und damit wir Euch nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Büttner: Seit 15 Jahren führen wir als Team mit unserem dritten Partner Frank Spöttel die teleschau. Ich bin für den Marketing- und Vertriebsbereich zuständig, der Kollege Spöttel für Finanzen/Personal und Kai-Oliver Derks als Chefredakteur für die Redaktion. Kai und ich verbindet darüber hinaus eine enge Freundschaft. Jeder von uns weiß sehr genau, was der andere kann und „wert“ ist.

Derks: Was das Geheimnis betrifft: Eigentlich wäre ich gerne Sportredakteur geworden. Aber inzwischen bin ich froh, dass es anders gekommen ist. So ist mir der Sport, zuvorderst der Fußball, als schönste Nebensache der Welt erhalten geblieben und wurde nicht Teil meines beruflichen Alltags.

Büttner: Aber ein gemeinsames „Geheimnis“ haben wir schon. Wobei – wer uns kennt, weiß das. Ohne Snake Plissken (aus dem Film „Die Klapperschlange“ aus den 80ern) und Kurt Russell gäbe es die teleschau und auch dieses Interview nicht. Nur über diesen Spleen haben wir uns kennengelernt. Die Leidenschaft für diesen Film, die bisweilen  skurrile Blüten trägt, hat uns zusammengeführt. Inzwischen haben wir es auch zum gemeinsamen Audio-Kommentar auf der DVD geschafft, trinken gerne den Gogi-Wein von Kurt Russell, der ja auch Winzer ist und treiben die Kollegen mit Kurt Russell-Meldungen in unseren Diensten in den Wahnsinn.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Derks: Aus der Historie heraus sind wir eine Entertainment-Nachrichtenagentur, die Print- und Digitalmedien mit TV-, Kino-, Musik-, Games- und Home-Entertainment-Content beliefert. In diesem Bereich liegt unsere Stärke in der journalistischen Qualität und Unabhängigkeit. In den letzten Jahren ist jedoch der Bereich der individuellen Mediendienstleistungen deutlich gewachsen. Hier bedienen wir unsere Kunden mit exklusiven Contentproduktionen nicht nur aus dem Entertainment-Bereich. Wir wollen an dieser Stelle aber das Buzzword „Content-Marketing“ nicht überstrapazieren. Es geht um Journalismus.

Büttner: Der Mediendienstleistungsbereich geht jedoch inzwischen weit über den reinen Content hinaus. Wir haben eigene Abteilungen für den Web- und Editorial-Design-Bereich und die Programmierung. Um die Vielfältigkeit der Aufgabengebiete steuern zu können, stehen jedem Kunden Projektleiter zur Verfügung. Wenn es also um den Bereich Content geht, sind wir kein reines Redaktionsbüro, sondern können den Kunden vollumfänglich visuell, technisch, inhaltlich und strategisch betreuen.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Büttner: Wir können mit Inhalten umgehen, können Themen einordnen. Wir setzen als Nachrichtenagentur Akzente im Medienmarkt und ordnen dieses Wissen als Mediendienstleister im Sinne unseren Kunden ein. Darüber hinaus wollen wir unser Wissen zunehmend auch im eigenen Interesse nutzen. Unser erster Wurf in diese Richtung ist SWYRL TV (www.swyrl.tv), eine Video on Demand Suchmaschine, die mit redaktionellen Empfehlungen, News und Interviews aus der teleschau-Redaktion die Kernkompetenz der teleschau wunderbar widerspiegelt.

Derks: Wir gehen mit der Zeit, aber eine Grundregel gilt bei uns weiterhin: Im Journalismus geht es um Sorgfalt, um Aktualität und um das richtige Gespür für die großen Themen von morgen.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”? 

Derks: Als Chefredakteur bin ich für den gesamten inhaltlichen Output der teleschau verantwortlich. „Superpower“ gibt’s nicht. Es braucht dazu eine natürliche Neugier, eine gewisse Standhaftigkeit und den Ehrgeiz, immer wieder auch neue Themen zu setzen. Darüber hinaus obliegt mir und einigen meiner Redakteure hier im Haus die Aufgabe, junge Mitarbeiter auszubilden und auf die besonderen Herausforderungen vorzubereiten, die der Beruf des Journalisten von heute in sich birgt. Anders als früher geht es da nicht mehr nur um die Frage, mit welchem Thema ich meinen Leser interessiere, sondern auch auf welchem Weg. Social-Media-Kanäle sind eine Möglichkeit. Aber nur eine von vielen …

Büttner: Als Marketing- und Business-Development-Mann bin ich mit meinem Team für die laufende Kundenbetreuung der Nachrichtenagentur und des Mediendienstleisters zuständig. Ich versuche zu „erfühlen“, was unsere Kunden bewegt und bringe diese Erkenntnisse in das Gesamtteam ein, um unsere Kunden jetzt und zukünftig auf der Höhe der Zeit zu betreuen. Und ja, ich habe schon eine „Superpower“. Meine Gabe liegt in meiner Energie, mit der ich laufend neue Ideen entwickle und bestehende Projekte immer mal wieder einer Überprüfung bedürfen und an die aktuelle digitale Entwicklung angepasst werden müssen, sei an dieser Stelle ein großer Dank an das teleschau-Team ausgesprochen. Denn es ist nicht immer ganz einfach, das gelassen auszuhalten.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Derks: Die größte Herausforderung für uns alle wird es sein, nicht journalistisch verführbar zu werden. In Zeiten, in denen im Netz jeder einzelne Artikel in seiner Performance auf dem Prüfstand steht, wächst die Gefahr, sich vorrangig um jene Themen zu kümmern, die auf maximales Interesse treffen, Rand-Themen aber zu vernachlässigen. Das aber schadet der Vielfalt, für die das Netz einmal stand und die dessen eigentlichen Reiz ja ausmacht. Schon jetzt haben wir eine bedenkliche Angleichung vieler Medien, sowohl was die Themen als auch die Haltung der Journalisten dazu betrifft. Wir steuern auf eine Art journalistische Monostruktur zu, die Print und Online gleichermaßen schaden wird. Zum anderen muss die Diskussion über die Netiquette neu und endlich ernsthaft geführt werden. Sonst fliegt der Generation nach uns das Netz als verkommenes Medium um die Ohren.

Büttner: Ich möchte das noch um einen Aspekt ergänzen: Wenn wir etwas können, ist es mit Content umzugehen, ihn einzuordnen. Wir glauben nicht, dass die Zukunft in Heerscharen von „Contentschrubbern“ liegt, sondern in relevanten Inhalten für die Zielgruppen unserer Kunden. Unsere Herausforderung ist nicht nur das Erstellen von hochwertigen Themen, sondern das Verständnis um die Distribution und die aktuelle Relevanz von Themen beim Konsumenten. Zudem verschwimmt immer mehr das berufliche Aufgabenfeld des Redakteurs. Ein Journalist muss verstehen, auf welchem Weg ein Inhalt zum Empfänger kommt, also zum Beispiel über Social-Media-Kanäle oder Blogs. Darüber hinaus geht es um die Frage, welche technischen Möglichkeiten/Tools wir und unsere Kunden nutzen, um die Relevanz zu messen oder den Content zu erstellen. Auch Schnelligkeit ist eine Herausforderung. Schnell kann gut sein, muss aber nicht.

Die größte Herausforderung für meine Kollegen und mich ist es, die „richtigen“ Wege zu erkennen und dabei uns alle nicht den mannigfaltigen digitalen Möglichkeiten zu überfordern, die sich laufend verändern und auch immer wieder neu entwickeln. Denn im Kern ist unser Job Journalismus und das Erstellen von hochwertigen und relevanten Inhalten und das ist per se eigentlich eine Aufgabe, die für sich alleine stehen sollte (!).

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern? 

Derks: Alex hat es ja bereits ausgeführt: Die Herausforderung für einen Journalisten, die digitale Welt zu verstehen, wird es auch in den nächsten Jahren weiterhin geben, weil sie permanenten Veränderungen unterworfen ist. Es gilt für mich und für meine Kollegen, auf der Höhe der Zeit zu bleiben, das Unwichtige vom Wichtigen zu trennen und im richtigen Moment auch mal etwas zu wagen. Wir sollten alle wieder etwas mutiger sein …

Büttner: Meine Herausforderung liegt im Erkennen der richtigen Weichenstellung für die teleschau. Das empfinde ich als sehr spannend, denn da gehörte eine kräftige „Portion Mut zur Lücke“ dazu. Zufrieden stelle ich fest: In letzter Zeit konnte ich mich verbessern in meinem Vorhaben, die Dinge gelassener anzugehen. Nicht mehr jeder vermeintliche Trend ist wichtig und beachtenswert. Die Firma wird weiterhin existieren und erfolgreich sein, wir müssen nicht jedes Spiel mitspielen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst (deutsch oder Englisch)

Büttner: Da muss und will ich passen. Es gibt so viele verschieden Quellen und Möglichkeiten der Information. Kein Blog ist meiner Meinung nach so gut, dass man ihn laufend lesen will.

11freunde.de

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Büttner: Diesmal kein Artikel. Ich finde, dass dieses Chart sehr bezeichnend für unser aller Situation ist:

http://cdn.chiefmartec.com/wp-content/uploads/2015/01/marketing_technology_jan2015.png

http://www.11freunde.de/liveticker

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat (das nicht unbedingt ein Business Buch sein muss)

Büttner:

The Innovators Dilemma“ wunderbar auf, wie gedankliche Sperren einen selbst aufhalten können.

Digitaler Tsunami” von Nicolas Clasen, weil es wunderbar daran anschließt.

Wichtig ist, nach beiden Büchern nicht in Panik zu verfallen ;).

Derks: Wir schreiben vorwiegend über Menschen, und so schätze ich jede gute Biografie: Steve Turners „Ein Mann namens Cash“, Philipp Oehmkes Hosen-Biografie … und ja, auch Thomas Gottschalks „Herbstblond“ fand ich absolut lesenswert.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Büttner: Da muss ich echt passen. Ich wünsche mir auf den Podien mehr Ehrlichkeit und Nähe zur Realität. Wenn wir alle Dinge gemacht hätten, die uns auf Veranstaltungen nahegelegt wurden, wären wir längst insolvent.

Derks: Bei jeder Berlinale lerne ich, was das Kino kann …

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Büttner: Wir freuen uns sehr über Hootsuite und Own Cloud.

Derks: Es ist eine an dieser Stelle verbrauchte Antwort, aber ich gebe sie trotzdem: der Duden!

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Büttner: Ich würde mich wahnsinnig gerne in die Zukunft beamen und dann mit meinem (jetzt noch elfjährigen Sohn) zusammenarbeiten und sehen, wie er denkt und arbeitet.

Derks: Am meisten gelernt habe ich einst bei einem sehr langen Interview mit Harald Juhnke. Vor 20 Jahren, ich war ein Anfänger, erklärte er mir, wie die Branche funktioniert. Und so gut wie alles, was er mir damals verraten hat, stimmt heute noch. Heute würde ich gerne einen Tag, nein, eine Woche mit Nico Hofmann zusammenarbeiten. Weil seine Sicht auf das Medium Fernsehen eine visionäre und eine deutsche zugleich ist …