Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Jana Kaminski – Laut.PR.

Jana Kaminski Laut.PR
Foto: WPSteinheisser

Wer ist  Jana Kaminski, Inhaberin Laut.PR.? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Laut.PR. Leidenschaftliche Social Media Networkerin und Content Spezialistin mit Ursprung in der klassischen PR. LAUT.PR. konzentriert sich auf sympathische Projekte aus der Kunst- und Tourismusbranche.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Kreativchaotin mit Begeisterung für snowboarden, Food, Konzerte und Tattoos.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Mit Wort und Bild Marken, Projekte und Künstler bei Influencern positionieren, das heißt, wir bauen per Content Seeding ein aktives Kontaktnetzwerk zu relevanten Bloggern, Instagramern und Journalisten auf und vermitteln über persönliche Beziehungspflege Inhalte, um die Bekanntheit des Kunden zu steigern. Außerdem gehört zur weiteren Kernkompetenz der Support und Beratung von Kunden, damit sie eigenständig ihre Präsenz (hauptsächlich online) erhöhen können.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum? 

Für die ARCOTEL Hotels war ich beim Reeperbahn Festival in Hamburg unterwegs. Das ARCOTEL Onyx war dafür Partner und Veranstaltungslocation. Bei diesem Event konnten wir für die gesamte Gruppe im Bereich „Influencer Marketing“ den Grundstein legen: Wir waren gefühlte 24 Stunden online live beim Reeperbahn Festival dabei und haben Konzerte junger Nachwuchsbands und wichtige Konferenzen per Instagram und twitter begleitet und z.B. auch Ray Cokes interviewt. Die Künstler und Vortragenden haben fleißig geliked und geteilt, das Hotel hatte gigantische Reichweichten und konnte sich so eine neue internationale Community erschließen. Das hat großen Spaß gemacht!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Die Professionalisierung der Influencer  wird eine spannende Herausforderung. Mittlerweile gibt es viele relevante Instagramer und Blogger, die ihren wahren Werbewert mehr und mehr erkennen – ich bin gespannt, wie sich das auf die Zusammenarbeit mit Unternehmen auswirkt. Snap Chat wird auch wichtiger werden, aber die grundsätzlichen Herausforderungen sehe ich hier:

Imagegewinn durch Quark mit Haferflocken? Welcher PRler hätte vor 10 Jahren gedacht, dass eine Schüssel Quark mit Haferflocken und roten Beeren 20.000 Likes bei Instagram bekommt? Darauf müssen wir Kommunikationsprofis reagieren! Indem wir die Sprache unserer Influencer annehmen und uns von Corporate  Wordings, Freigaben und festgefahrenen Strategien lösen und auch eine zielgruppenbezogene Sprache bei Postings wählen. Unsere Community entscheidet über Bilder, die Bezug zu ihrem Lebensumfeld vermitteln und einen bestimmten Lifestyle symbolisieren, ob wir eine „coole“ Marke bieten oder eben nicht.

Marken werden wieder gelebt. Wenn sie einen Sinn erfüllen! Marken verfügen mehr und mehr über ein wichtiges Identifikationspotenzial. Instagramer positionieren sich ganz klar und bewusst über Marken und identifizieren sich damit. Eigentlich eine Tatsache, die dem klassischen PRler lange verboten wurde: „Bloß nicht die Marke zu weit in den Vordergrund stellen – das ist Aufgabe der Werbung“  Also: Wer in die Presse wollte, musste seine Marke zurücknehmen. Mittlerweile bekommen Marken bei Influencern, wenn sie z.B. nachhaltig, authentisch sind und mit einer sympathischen Person verbunden werden, kurz gesagt, wenn sie einen Sinn erfüllen, einen großen Stellenwert. Starke Marken werden durch Fans zum Leben erweckt. Dafür müssen wir Marken mit einem sympathischen Charakter versehen und uns mit Menschen vernetzen, die auf unserer Wellenlänge schwimmen.

Top-Down-Management ist bald down: Die Form der Kommunikation in sozialen Netzwerken wird klassische Unternehmensstrukturen an ihre Grenzen bringen. Hierarchische Entscheidungsprozesse mit langen Freigabeschlaufen sind ein Killer für die Kommunikation im Netz. Social Media muss natürlich zur Unternehmensstrategie passen und definiert sein, aber…. Ein großes ABER: ich kann keinen Dialog wortgenau planen. Und wenn Sarah H aus B ein Eichhörnchen zum Herbstanfang postet und es mir gefällt, dann kommentiere ich es mit „süüüüß“  – das steht in keinem Plan. Im Plan steht das aber das Sarah H aus B ein wichtiger Berliner Influencer ist, den ich direkt ansprechen werde, wenn ich zur nächsten Clubparty in Berlin einlade. Lange Freigabeprozesse und hierarchische Strukturen bremsen die notwendige Spontaneität aus.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Grundsätzlich finde ich es spannend, zu sehen, wie das Internet als Kanal die gesellschaftliche Kommunikation beeinflusst. Während die facebook-Generation sich Gedanken über Datenspeicherung und Sätze wie „das bleibt doch immer im Netz sichtbar“ macht, ist die Snapchat-Generation schon längst drüber hinweg: Videos lösen Texte ab; was ich heute verpasse, werde ich nie erfahren. Das sind Entwicklungen, die viel über das gesellschaftliche Miteinander aussagen. Ich wäre jetzt gerne nochmal an der Uni und würde mich intensiv damit auseinander setzen. Snapchat ist ja nur der Indikator für eine Form der Kommunikation (kurzfristig, multimedial, schnelllebig), die ja auch im realen Leben übertragen wird. Es freut mich, diese Einblicke zu bekommen. Andererseits: es ärgert mich, dass ich Snapchat noch nicht wirklich verstehe. 🙂

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

internetworld.de finde ich sehr informativ , um Entwicklungen im Onlinebereich gut zu  überblicken

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Zwei Artikel, die sich beide mit dem Potenzial und der Relevanz von Snapchat auseinandersetzen:

http://www.absatzwirtschaft.de/facebook-ist-fuer-mich-gestorben-wie-ein-14-jaehriger-die-social-media-welt-sieht-75037/

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/snapchat-wie-es-mit-der-hype-app-2016-weitergeht-a-1076681.html

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Claudia Nussbaum: „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?: Zeitmanagement für kreative Chaoten“

Ein schöner Ratgeber, den ich immer gerne meinen Studenten empfehle. Gerade in der Medienbranche sind viele Kreativchaoten unterwegs, die sich über alternative Zeitmanagement-Tipps sehr freuen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Ich konnte leider nicht live dabei sein, sondern nur per twitter und später im Gespräch mit einigen Teilnehmern: Aber ich wäre gerne zur InReach15 gegangen. Ob es inhaltlich so weiterbringend war, kann ich nicht beurteilen, aber aus Networkinggründen hätte sich die Teilnahme schon gelohnt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

influencer.db gespannt. Ich habe mal einen Blick drauf geworfen – sieht vielversprechend aus.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Beim Tag des Tourismus in Berlin habe ich einen Einblick in die Arbeit von Dr. Eike Wenzel vom Institut für Trend- und Zukunftsforschung (ITZ) bekommen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Megatrends mit Schwerpunkt, wie sich dadurch auch der Erfolg von Marken und Unternehmen ändert, finde ich sehr interessant. Als Soziologin sehe ich die Wurzeln meiner Arbeit also die Kommunikation immer im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Vieles lese ich mir an und versuche dementsprechendes in die praktische Arbeit umzusetzen – aber direkt mit den Experten sprechen und sich thematisch intensiv mit Megatrends auseinanderzusetzen, wäre schon eine spannende Herausforderung.

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