Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Dr. Hans Joachim Fuchs – chinabrand.de

Hans_Joachim_FuchsWer ist Hans-Joachim Fuchs? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Meine Freunde und Bekannten bezeichnen mich gerne als Globetrotter und Kosmopolit – immer unterwegs, meistens in China und Asien. Die Vielfliegerei stresst zwar, bringt aber noch immer neue Erlebnisse und Erfahrungen. Als studierter Ingenieur und promovierter Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler habe ich eine solide Karriere hinter mir, unter anderem bei der Handelsblatt-Gruppe, der Prognos AG und bei Deloitte. Medienmann, Unternehmensberater und Unternehmer. Ein persönliches Geheimnis? Als Ausgleich zur großen weiten Welt habe ich das Lokalkolorit schätzen gelernt: bayerische Ente mit Knödel und Blaukraut, Trachten und gerne auch mal Blasmusik im Bierzelt. Da kann ich emotional auftanken. Wir müssen achtgeben, dass wir bei all unserer Weltläufigkeit die Heimat nicht verlieren.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Chinabrand Consulting (www.chinabrand.de) ist ein Beratungsunternehmen und ein Service Provider für das Geschäft in China und Asien. Wir überwachen das Internet weltweit auf Fälschungen, ermitteln die hinter den Angeboten stehenden Fälscher, bringen Marken- und Produktpiraten vor Gericht, schützen Know-how durch vielfältige Maßnahmen und analysieren ausländische Patente. Der Wettbewerb findet zunehmend über das geistige Eigentum statt. Darüber hinaus entwickeln wir Konzepte für digitale Systeme in China und Asien, zum Beispiel unternehmenseigene Webshops oder Branchenportale in chinesischer Sprache. Die Systeme binden wir an die Realwirtschaft an. Unser USP? Unsere Mitarbeiter sind ganz tief drin im Thema, Experten par excellence. Denen macht so schnell keiner etwas vor.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”?

Die Kompetenz unserer Mitarbeiter – das sind deutsche und chinesische Juristen, Ökonomen und Medienfachleute mit viel Erfahrung und sehr spezifischen Kenntnissen der chinesischen und asiatischen Kulturen. Alle sprechen chinesisch, und alle haben viele Jahre Praxis in China und Asien.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”?

Ich bin der Gründer, Inhaber, Anleiter, Motivator und Moderator. Formal: Geschäftsführender Gesellschafter. Der Mann mit 30 Jahren Berufserfahrung, viel Energie und einem Schuss Charisma. In Deutschland gut bekannt und bestens vernetzt. Ein Vorteil im Wettbewerb mit anderen liegt wohl darin, feine Antennen für kommende Entwicklungen zu haben.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?
Deutschland muss aufpassen, gegenüber China und den USA nicht ins Hintertreffen zu geraten. Beide Nationen sind in der Netzwirtschaft sehr viel weiter als wir. Die Amerikaner trumpfen mit technischer Raffinesse, die Chinesen mit profitablen digitalen Geschäftsmodellen. Auch Industrie 4.0 ist in China ein Top-Thema und wird massiv vorangetrieben. China setzt zum Leapfrog an und wird in vielen Bereichen die analoge Wirtschaft nicht nachholen, sondern überspringen.

Anbieterseitig ist die deutsche Netzwirtschaft in Deutschland noch zu fragmentiert, kleinteilig, nicht formiert. Es gibt zu viele kleine Anbieter, die oft nur regional agieren und kaum bekannt sind. Auch fehlen uns die großen Player wie Google und Amazon in den USA oder Alibaba und Tencent in China – sie haben kritische Masse und fungieren als Speerspitze und Wegbereiter der Netzwirtschaft. Ein weiterer Bremsklotz liegt in der zögerlichen Nachfrage der Unternehmen. Auch unsere Politiker kommen erst langsam in Bewegung, was die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft betrifft.

Für unseren Markt und unser Unternehmen sehe ich mehr Chancen als Herausforderungen. Wir können Lösungen für den chinesischen Markt konzipieren und umsetzen, zum Beispiel proprietäre E-Commerce-Plattformen für B2B-Anbieter, mit denen das Hinterland erschlossen werden kann. Allein die sprachlichen und kulturspezifischen Anpassungen sind für viele Unternehmen eine große Herausforderung, ganz zu schweigen von der Anbindung der digitalen Systeme an die Realwirtschaft in China und Asien: Behördenkontakte, Zulassungen, Zertifikate, Verträge, Zulieferer, Logistik, Payment und so weiter.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern?

Was den Aufbau digitaler Systeme und ihre Anbindung an die Realwirtschaft betrifft, sind wir in China gut aufgestellt. Jetzt gehen wir weiter. Bei mir geht es derzeit darum, unsere digitale Kompetenz auf weitere asiatische Länder auszudehnen – beispielsweise auf Vietnam und Indonesien. Beide Länder sind bevorzugte Ziele deutscher Unternehmen und sollten im Wettbewerb mit den Chinesen und Japanern auch digital erschlossen werden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst:

http://www.merics.org/merics-analysen/china-update.html

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat:

The Internet´s impact on productivity and growth. Die Berater vom McKinsey Global Institute sind immer ganz vorne mit dabei, wenn es um Netzwirtschaft geht.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat:

The End of Copycat China: The Rise of Creativity, Innovation, and Individualism in Asia.
Der Autor Shaun Rein beschreibt eindrucksvoll die Digitalisierung Chinas und mich in meinem Geschäft bestärkt.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast:

Leider keine. Gute Veranstaltungen zur Netzwirtschaft sind in Deutschland rar, meist fehlen eine klare Struktur und fachlicher Tiefgang. Hinter dem sprachlichen Kauderwelsch verbirgt sich oft ein Mangel an Inhalt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit:

Wir arbeiten viel mit unseren eigenen chinesischen Marken-, Patent- und Unternehmensdatenbanken in chinesischer Sprache. Diese Tools sind in der Projektarbeit ausgesprochen hilfreich.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Jack Ma, dem Internetpionier und Gründer von Alibaba. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit, und ich bin sicher, dass er die Zukunft der internationalen Netzwirtschaft entscheidend beeinflussen wird. Ich würde gerne seine Visionen und Strategien kennenlernen. Wobei ein Tag dafür wohl nicht ausreichen würden….