Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Ulrich Gartner – Gartner Communications

Ulrich Gartner Gartner CommunicationsWer ist Ulrich Gartner? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin ein typisches Branchengewächs der frühen wilden Jahre – schöngeistiges Studium, in meinem Falle Literatur, und dann ab in die PR. Dort bin ich geblieben  – seit mittlerweile über 25 Jahren, etwa hälftig auf Unternehmens- und Beratungsseite. Habe schon immer viel international gearbeitet, inklusive des Privilegs, drei Jahre in Stockholm leben zu dürfen. Privat bin ich verheiratet und habe eine kleine Tochter.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Einen echten, stilvollen Spleen im britischen Sinne kann ich leider nicht bieten. Am ehesten vielleicht noch den: Man trifft mich nur selten ohne Hund an.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Gartner Communications macht Unternehmenskommunikation: Strategieentwicklung, Positionierung, Reputationsmanagement, Change- und Krisenkommunikation, extern und intern, national und international.

Zwei Dinge zeichnen uns aus.

Erstens – jedes Team wird für die spezifischen Bedürfnisse eines Kunden virtuell zusammengestellt. Das heißt, der Kunde bekommt immer Zugriff auf genau die Expertise, die er braucht, ohne dass er irgendwelche Overheadkosten bezahlen müsste.

Zweitens – ich war selbst lange in der Kundenperspektive und kann deshalb interne Abläufe, Notwendigkeiten und auch Hemmschuhe oft besser einschätzen als reine Berater.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung ist ein zentrales Element unseres Geschäftsmodells. Ich nenne es „die virtuelle Agentur“, weil ich die Kundenteams aus meinem Netzwerk jeweils individuell zusammenstelle und die Zusammenarbeit natürlich ganz stark digital organisiert ist.

InfiniteLatitude, gegründet, mit dem wir internationale Kunden bedienen. Die Zusammenarbeit zwischen den Partnern ist praktisch komplett digitalisiert – über Slack als Kooperations- und Austauschplattform oder Skype zum persönlichen Austausch face-to-face.

Gleichzeitig wird natürlich die kommunikative Arbeit für unsere Kunden immer digitaler, was Plattformen und Inhalte angeht.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

„Gesellschaft“ und „Staat“ sind für mich zwei ganz unterschiedliche Dinge. Die Gesellschaft profitiert zweifellos von der enormen Vielfalt verfügbarer Informationsquellen, während der Staat ja eher mal zur Einmischung neigt. Die große Herausforderung, auch wenn das nicht besonders originell klingt, ist ein zumindest minimaler Level an Datensicherheit.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich pflege da, wie in den meisten Dingen, eine liberale Haltung. Zu viel zentrale Planung schadet in der Regel.

Herausforderung für unseren Markt:

Das große Thema in der PR ist die Dialogisierung von Kommunikation, und das heißt in der Regel Digitalisierung. Das hat eine ganze Reihe von Konsequenzen wie stärker individualisierte Inhalte, viel mehr Bewegtbild, oder ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Plattformen – mit entsprechend verändertem Ressourceneinsatz.

Herausforderung für unsere Firma:

Was Strukturen und Prozesse betrifft, sind wir weitestgehend digital unterwegs. Insofern liegen die Herausforderungen in der Kommunikationsarbeit für unsere Kunden, und die unterscheiden sich nicht fundamental von denen der gesamten Branche.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Für mich heißt „Internet“ in erster Linie Zugang zu Informationen und Inhalten, wann und wo immer ich sie brauche – das ist insofern eine ziemlich emotionslose Affäre.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

PR Report sicher nicht herum. Den hat der kürzlich ausgeschiedene Nico Kunkel als Chefredakteur digital deutlich vorangebracht, zum Beispiel in der Vernetzung von Online- und Offline-Inhalten.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Ein Interview von Johanna Adorján mit Alan Rusbridger in der FAS vom 30. August über sein Buch „Play it Again“ (leider online nicht verfügbar)

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich halte es da mit Walter Jens – das Buch für die einsame Insel ist der „Zauberberg“.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Dan Ariely‘s Seminarreihe „A Beginner’s Guide to Irrational Behavior“ auf Coursera.org – ein Parforceritt durch die Disziplin der Behavioral Economics.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Ich sag’s ungern – aber, wenn es nach Häufigkeit der Nutzung geht, immer noch Lotus Notes.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich arbeite mit so vielen guten Leuten zusammen, da besteht gar kein zusätzlicher Bedarf.

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