Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Torsten Fritsche – Lichtisten

Torsten Fritsche Lichtisten
Foto: Yvonne Fritsche

Wer ist Torsten Fritsche? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich würde mich als kreativen Nerd bezeichnen, der immer auf der Suche nach Innovation und Cutting-Edge-Technologie ist. Aus dem kreativen Berliner Agenturumfeld kommend, reizte mich schon als klassischer Fotograf jeglicher Ansatz der beginnenden Digitalisierung mit ihren Möglichkeiten. Das Studium der Medieninformatik an der Uni-München brachte mich schnell zum User-Interface-Design und ließ meine Leidenschaft für das Netz entfachen. Ich brenne förmlich für Projekte in der Metaebene, die Design und Technologie vereint. Diese Energie sammeln wir Lichtisten, mit mir als Geschäftsführer und geben sie mit unseren Marketinglösungen an unsere Kunden weiter.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich brauche das strukturierte Chaos, wenn man zumindest meinen Schreibtisch fragen würde. Ideenvielfalt und Recherche stehen für mich an erster Stelle und erst dann folgt die Struktur und das Ordnen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

lichtisten.com). Verbunden mit einem wertvollen Partnernetzwerk vereinen wir Developer und Gestalter und sehen uns als Spezialisten in der symbiotischen Betrachtungs- und Herangehensweise. Zur Zeit unterstützen wir u.a. Google beim Projekt Street View | Trusted. Ein Projekt, bei dem wir seit den  Anfängen in Deutschland mit viel Erfahrung mitwirken. Wir entwickeln hier bereits unsere eigenen Visionen für unsere Kunden, um eine spezielle Version des Marketings darauf aufzusetzen. Wir lieben ungewöhnliche Aufgaben und individuelle Ergebnisse.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Mich fasziniert die Zusammenarbeit mit meinem persönlichem Best Practice Beispiel. Es ist Google selbst und der ungebrochene Drang nach Innovation. Bei allem Für und Wider hört man dort nicht auf, das was gut ist, weiter zu verbessern. Gleichzeitig trennt man sich aus technologischen und/oder wirtschaftlichen Aspekten auch wieder von Projekten. Man schafft sich somit ein unvergleichliches Konzentrat verschiedenster Dienste und deren Interaktion – ein in meinen Augen ideales Vorbild, wie moderne inkrementelle Softwareentwicklung funktioniert. Dabei bin ich sicher nicht, auch aus dem deutschen Kontext heraus, der bedingungslose Anhänger. Ich versuche immer die Herausforderungen der Netzgemeinschaft mit der technologischen Entwicklungen im Zusammenhang zu betrachten.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Für den Staat sehe ich ganz klar die Wahrung der Netzneutralität, die Förderung des Netzausbaus und die Aufrechterhaltung (netz-)demokratischer Grundsätze an oberster Stelle. Gesellschaftlich sehe ich hierzulande aktuell die Herausforderung in dem Spagat von mehr Innovationsbereitschaft bei gleichzeitig mündiger Grundhaltung.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Abhängigkeit von Monopolisten ist nicht netztypisch bzw. wider dessen Ideologie. Jedoch halte ich den prinzipbedingten Ansatz an dem Punkt, an dem man es erkannt hat, einen Gegenpol zu schaffen, nicht für zielführend. Es gilt vielmehr eine unbürokratische Keimzelle für Nachwuchs und neue Dienste zu schaffen, die wiederum durch die vernetzte Interaktion monopolistische Strukturen aufweichen kann. Zum Beispiel finde ich es befremdlich, wenn heutzutage in Schulen immer noch bewusst lange auf Medienerziehung verzichtet und sogar Medienabstinenz praktiziert wird. Mündigkeit entsteht durch Aufklärung und die kann nicht früh genug stattfinden. Hier sehe ich eindeutig Defizite – auch wenn die Weichen mit der Medienbildung ab 2017 langsam gestellt werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Die vielfältigen Möglichkeiten der Vermarktung und auch speziell die Relevanz der Kundengewinnung über digitale Wege ist immer noch zu wenigen Unternehmern bekannt oder bewusst. Hier ist die kompetente Aufklärung eine der größten Herausforderungen, um den Markt weiter wachsen zu lassen.

Herausforderung für unsere Firma:

Das ist auch genau die Philosophie, der wir täglich folgen. Wir haben jederzeit ein offenes Ohr für eine breitgefächerte und übergreifende Beratung – unabhängig von der eigenen gewinnorientierten Triebfeder eines jeden Unternehmens.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Obwohl auch wir als Firma eigene Lösungen und Wege entwickeln, sind es oft offene Technologien, die mich begeistern. Das Internet ist für mich der Inbegriff von Gleichberechtigung und Offenheit, die ich nicht gern durch proprietäre Ansätze gestört sehen möchte. Auch ermöglicht uns nur die Offenheit des Internets die Form der Zusammenarbeit, wie wir sie praktizieren und lieben – unabhängig von Netztechnologien, Betriebssystemen oder Ländergrenzen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Da habe ich ein recht pragmatisches Beispiel…: Kennen Sie das, dass man sich an einen bestimmten Teil oder an eine bestimmte Aussage in einem Video erinnert? Genau das findet man aber später nur mühsam wieder. Oft wünschte ich mir eine Volltextsuche innerhalb von Videos. Mit der man direkt an bestimmte Stellen in einem (Youtube-)Video springen könnte.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Baubauhaus.com. Ein Blog, das fantastische Arbeiten aus unterschiedlichen Design-Bereichen sammelt und präsentiert.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Mich begeistern technologische Fortschritte und die daraus resultierenden Möglichkeiten, wie z.B. die Modulo Camera. Hier zeigte das MIT eine beeindruckende Arbeit, die die Grenzen des Dynamikumfanges aufweicht, was ungeahnte Möglichkeiten in der Fotografie schafft.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Hier würde ich das Buch “Where Good Ideas Come From” von Steven Johnson nennen, denn Innovation braucht fachübergreifende Offenheit und Transparenz.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Hier kann ich keine konkreten Beispiele nennen. TED Talks sind aber zum Beispiel immer wieder eine spannende Inspirationsquelle.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Vladimir Agafonkin ist ein Dienst, den wir oft für unsere Aufnahmeplanung bemühen, da wir den Sonnenstand abschätzen und so die bestmöglichen Aufnahmezeiten planen können. Ein Muss für jeden Fotografen. Suncalc ist im Sinne des Netzgedanken frei, netz- und geräteübergreifend nutzbar.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich gern mit Scott Jenson einen Tag (nur einen?) am Projekt Physical Web arbeiten.  Mich interessieren seine Erfahrungen und Arbeitsweisen, insbesondere in direktem Bezug zu diesem Projekt, dessen Ideen und Konzepte viel bewirken können.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.