Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Paolo Anania – granpasso.de

Paolo Anania granpasso.deWer ist Paolo Anania? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Ich liebe und lebe meinen Job. Gegründet habe ich Granpasso sehr jung mit 21 Jahren, zusammen mit meinem Partner David Jäger und parallel zum Wirtschaftsstudium – eine Firma, die zu 100 % digital orientiert ist.

Ich liebe spannende Geschichten über Gründer und Unternehmen. Entsprechend gern lese ich Biografien (aktuell: Wie Elon Musk die Welt verändert). Es inspiriert mich einfach, wenn jemand erzählt, wie er etwas anpackt, wie er kämpft, auch mal verliert und sich wieder neu motiviert.

Familie und Freunde stehen für mich über allem. Sie bilden eine Konstante in meinem Leben. Das würden wohl viele antworten, was nur beweist, dass es nicht falsch sein kann. Mein bester Freund aus der Schulzeit ist immer noch mein bester Freund. Meine beste Freundin habe ich irgendwann geheiratet. Und unsere zwei Kinder sind der Mittelpunkt und die zentrale Kraftquelle meines Lebens.

Eine weitere Leidenschaft: Meine italienischen Wurzeln zwingen mich, Essen nicht als etwas Notwendiges, sondern als etwas Wertvolles zu sehen. Deswegen koche ich leidenschaftlich gern – und genieße das Ergebnis mit Freunden und Familie …

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma, wo liegt Eure Superpower?

Unsere größte und wirkungsvollste Kraft liegt in der Schnittmenge aus nachhaltigen Wachstumsstrategien für digitale Märkte, konsequent darauf ausgerichteten, digitalen Markenstrategien und umfassender Umsetzungsexpertise für alle Bestandteile.
Oder anders formuliert: Wenn Du jemanden suchst, der wie ein Berater Wachstum anvisiert, der eine Marke im digitalen Zeitalter führen und aufbauen kann und der gleichzeitig Texter, Designer und Programmierer mit ins Meeting holt – dann melde Dich bei uns.

Wer ist Euer typischer Kunde?

Meist sind es kennzahlengetriebene Konzerne oder größere Mittelständler, die den Drang verspüren, tiefer in die digitale Welt einzutauchen. Dabei arbeiten wir in einem hohen Ausmaß branchenübergreifend. Die Aufgabenstellungen sind im ersten Schritt meist einfach und nicht weltbewegend. Man merkt aber, dass die Kunden damit implizit die Digitale Transformation vorantreiben möchten. Das gibt dem Ganzen dann langfristig eine größere Dimension: Was Wissen, was Unternehmenskultur, aber natürlich auch was das Marketing angeht.

Die Social Media Landschaft hat sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Facebook ist aber nach wie vor einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Social Media Kanal.Welche Facebook Kampagnen (oder Facebook Posts) von anderen Unternehmen sollte man sich als “Best Practice” einmal anschauen? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

„Social Media Schönheitslabor“ in New York geschaffen. Ein Team aus Make-Up Artists hat in Höchstgeschwindigkeit die Looks der Stars auf dem roten Teppich an Models nachgebildet und diese dann direkt über den Laufsteg geschickt. Dabei wurden Fotos geschossen und Markierungen auf den Bildern platziert, um welche Produkte es sich handelt. Diese verlinkten direkt zu den entsprechenden Produkten in verschiedenen Onlineshops – bei den Make-Up Produkten natürlich zu L’Oréal. Die fertigen Bilder wurden dann auf den Plattformen hochgeladen. Eine stattliche Kampagne, die einige Wirkung gezeigt hat. Bei der nächsten Oscar Verleihung soll das Prinzip übernommen werden, um dann sogar direkt von den Stars auf dem Laufsteg zum Shop zu gelangen.

Beide Kampagnen haben das, was man zum Social Media Erfolg braucht: Schnelligkeit, Relevanz und Neu- bzw. Andersartigkeit.

Was sind Eurer Meinung nach die Top 3 „Do´s and Don´ts“ für´s Facebook Marketing?

Do´s:

Facebook-Posts müssen immer einen Mehrwert bringen. Um das zu testen, müsst ihr Euch fragen, „ist der Post unterhaltsam?“, „gibt er Tipps zu einem allgemeinen oder die Zielgruppe betreffenden Problem?“ oder „fungiert er als Ratgeber?“. Wenn Ihr zum dritten Mal „Guten Morgen“ in einer Woche gepostet habt oder immer nur Beiträge zu Feier- und Welt-soundso-Tagen veröffentlicht, wird es langweilig bzw. irrelevant.

Eure Posts müssen zur Corporate Identy passen. Sind die verwendeten Bilder mit dem Unternehmenslogo bestückt? Verwendet Hhr eine einheitliche Sprachtonalität? Sind die Themen relevant für eure Zielgruppe? All das sind Aspekte, die Ihr berücksichtigen solltet, wenn Ihr auf Facebook erfolgreich sein wollt.

Facebook, Website und andere Social Media Kanäle sollten eine Symbiose bilden. Verlinkt sie untereinander, verweist auf sie in Newslettern, im Profil und auf der Website. Bringt Inhalte der Website in die Profile ein und umgekehrt: Zeigt auf Eurer Website, was Eure Facebook-Fans denken.

Don´ts:

Das Publikum zu ignorieren sollte unbedingt vermieden werden. Aus Angst vor negativen Kommentaren oder Posts selbige zu sperren oder zu löschen ist keine gute Option. Es heißt ja schließlich “Social”

Sinnfreie Posts. Hiermit ist gewissermaßen der Gegenpart zu Punkt 1 bei den Do’s gemeint: Bietet ein Post keinen Mehrwert, ist er wert- und sinnlos.

Facebook zu einem modernen Marktplatz machen. Facebook ist eine Plattform, die dem Dialog und Austausch dient. Übermäßig viel Werbung nervt die User auf Dauer.

Stell Dir vor, Du hättest 3 Wünsche frei, die Dir Mark Zuckerberg bzgl. Facebook erfüllen würde. Was wären die?

Wunsch Nummer 1:

Transparenz und Echtheit der User. Facebook bewegt sich zwar bereits in die richtige Richtung, aber es wird noch dauern, bis alle Profile auch wirklich echte, authentische Personen sind.

Wunsch Nummer 2:

Facebook sollte eine Kampagne für digitale Benimmregeln starten. Allzu oft werden User ausfallend, weil sie sich hinter ihrem Bildschirm anonym und sicher fühlen. In Shitstorms z.B. sieht man des öfteren ein pöbelhaftes Verhalten, das wirkt, als käme es geradewegs aus dem Mittelalter.

Wunsch Nummer 3:

Die Suchfunktion verbessern bzw. intelligenter machen. Momentan kann man nicht nach einzelnen Aspekten suchen oder korrelierte Suchen durchführen, etwa: “Zeige mir alle Journalismus Studenten aus Köln”. Das geht leider noch nicht.

… Und falls Mark einen guten Tag hat und noch einen vierten Wunsch erfüllen will: Schön wäre es, wenn einfach mal die lästigen Spiele und „Spiele-Neuigkeiten“ verschwinden würden. Dafür könnte ja eine eigene Plattform geschaffen werden.

Social Media hat Kommunikation in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Der Staat muss die digitale Infrastruktur fördern. Es gibt beispielsweise in Bayern noch immer Orte, die keine Anbindung ans Internet haben. Ein weiterer Punkt, in dem Deutschland im EU Vergleich hinterherhinkt, ist die großflächige Verfügbarkeit von WLAN. Von Belgien bis Österreich – hier ist es bereits Standard, in Zügen, Läden, etlichen Lokalitäten und öffentlichen Plätzen Internet-Zugänge bereitzustellen.

Darüber hinaus müssen für Unternehmen Anreize geschaffen werden, die Digitale Transformation umzusetzen; Zum Beispiel durch Steuervorteile für Digitalisierungsprojekte.

Universitäten und Hochschulen müssen ebenso ihren Anteil beitragen. Der Majorität der Studenten werden noch keine digitalen Kompetenzen vermittelt. Nehmen wir die Journalisten: Sie erlernen teils veraltete und überholte Methoden, aber sollen damit die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft meistern. Es geht nicht darum, das Althergebrachte über den Haufen zu werfen. Parallel muss der Nachwuchs jedoch befähigt werden, sich sicher, effizient und erfolgreich in der digitalen Welt zu bewegen.

Herausforderung für unseren Markt:

Aufzuräumen mit dem überbordenden Begriffs- und Produkt-Wirrwarr. Und: Kurzlebige Trends von wirklichen, nachhaltig auf Erfolg ausgerichteten Marketing- und Markenstrategien deutlicher abzugrenzen.

Selbstverständlich kann und soll der Staat die Digitalisierung nicht alleine tragen. Es hapert auch noch enorm bei den Unternehmen. Viele CEOs haben die digitale Revolution noch nicht realisiert und verlieren dabei wertvolle Zeit – und Zeit ist nach wie vor Geld. Dabei ist die entscheidende Frage nicht ‘was bringt mir die Digitalisierung?’, sondern ‘was verliere ich, wenn ich sie ignoriere?’.

Abgesehen von den Unternehmen müssen auch Investoren Mut haben, sich in die digitale Welt zu stürzen. Speziell in Deutschland ist man zögerlich, was Investitionen in innovative Projekte und Ideen angeht. Innovationen, die Deutschland in seiner wirtschaftlichen Entwicklung erfolgreich nach vorne bringen können.

Herausforderung für unsere Firma:

Digitale Transformation in Unternehmen zu integrieren, die – offen oder insgeheim – der Meinung sind, dass es bisher ja auch ohne ging. Das ist wie mit angezogener Handbremse zu fahren, mit einem Blinden am Steuer. Hier ist oft sehr viel aufklärende Arbeit vonnöten, zusätzlich zum eigentlichen Aufgabenumfang im Rahmen des Projektes.

Unser Unternehmen ist digital aufgestellt und hat sich die Digitale Transformation zur Aufgabe gemacht. Deutsche Unternehmen sind in Aufbruchsstimmung oder stehen kurz davor. Daraus ergibt sich für uns eine Chance, die Zukunft, die Wirtschaft und Unternehmen in Deutschland aktiv mitzugestalten.

Meine Persönliche Herausforderung:

Meine persönliche Herausforderung ist schlicht, den Überblick zu behalten. Täglich kommen neue Innovationen und es entstehen immer neue Trends. Ich muss den richtigen Riecher haben und unterscheiden können – was hat Zukunft und was nicht, auf welchen Zug springen wir auf und welchen lassen wir vorbei fahren.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Mashable und Fast Company, weil hier News, Trends, Innovationen und Wissenswertes in Realtime verfügbar sind. Es geht hier nicht wirklich um journalistische Brillianz im klassischen Sinne, sondern um das clevere Bereitstellen von Infos, die jetzt und im Moment gerade zählen. Das Ganze in schnell konsumierbaren Bites, die zu unserem rasanten Arbeits- und Lebensalltag passen.

Zusätzlich ist LEAD digital für mich das Branchenblatt zur digitalen Marketingwelt schlechthin, an dem niemand vorbei kommt.

Ich möchte an der Stelle aber auch zwei branchenfremde Podcasts nennen, die mich immer wieder inspirieren: Zum einen die “Denkpausen” der Management School St. Gallen, zum anderen „Das philosophische Radio” von WDR 5: Hier lernt man viel über Menschen, wird angeregt, über sich selbst zu reflektieren. Beides ist für Führung und Verantwortung gegenüber Menschen essenziell, um nachhaltig Erfolg zu haben und anderen zum Erfolg zu verhelfen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Dass es mich begeistert hat würde ich nicht sagen – aber BCG Deutschland-Chef Carsten Kratz hat im Manager Magazin einige Dinge gesagt, die richtig und wichtig sind. Und zwar seit Jahren. Thema war der Digitalisierungsdruck in deutschen Unternehmen. Dass jetzt endlich ein BCG CEO in einem etablierten Magazin hierzu eine klare Sprache spricht, ist eine gute Entwicklung:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/kannibalisierung-ist-fuer-mich-das-unwort-des-jahres-a-1043385.html

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat 

Ich lese gerade The Circle, eine Dystopie von Dave Eggers. 2013 in den USA erschienen, seit letztem Jahr auch auf deutsch erhältlich. Es geht um ein digitales Superunternehmen, das sich ein Informationsmonopol erkämpft hat. Sein Ziel: die vollkommene Transparenz herstellen, eine gläserne Welt mit gläsernen Menschen – keine Privatsphäre, keine Geheimnisse. Ergebnis: die totale Sicherheit. Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, weil es doch einlädt, inne zu halten und nachzudenken: „Was bedeutet diese ‘Errungenschaft’ eigentlich für mich, für mein Leben und ggf. meine Freiheit?”. Man denke zum Beispiel an die Health Kit App von Apple. Sie sammelt zahlreiche gesundheitlichen Daten, sofern du sie lässt. Dies soll helfen deine Gesundheit nachhaltig zu verbessern. In Deutschland ist eine Diskussion darüber entbrannt, dass wenn Versicherungen Zugang dazu erhielten, sie z.B. Rauchern automatisch einen höheren Beitrag veranschlagen könnten. Indirekt wird man zur besseren Gesundheit gezwungen. Jetzt ist die Frage an uns, wollen wir diese Freiheit aufgeben? Die Freiheit sich ggf. auch selbst zu schaden?

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Unterhaltsam sind die Vorträge von Prof. Gunter Dueck, informativ jene von Ibrahim Evsan. Aber wenn ich im Rahmen des Klub der Gründer Veranstaltungen durchführe und Startup CEOs von ihren Anfängen, ihren Plänen und Visionen erzählen – dann gehen alle Zuhörer was ihre beruflichen und unternehmerischen Herausforderungen angeht, mit Rückenwind aus der Veranstaltung heraus. Auch ich nehme mich da nicht aus, von diesem Spirit profitiere ich immer wieder.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Seit neuestem “Slack”. Auf den ersten Blick ein weiteres Messaging System à la Skype. Doch es kann viel mehr. Teams können Kanäle zu einzelnen Themen anlegen und die gesamte Projektkommunikation hierüber laufen lassen und auch Daten zentral ablegen bzw. verfügbar machen – die E-Mail Flut geht dadurch massiv zurück.

Und natürlich Evernote. Ein Notiz-Programm – und doch so viel mehr. Chats zu Themen, automatische Schrifterkennung, hoch intelligente Suchen und vieles mehr. Wer es intensiv nutzt, der schafft sich hier peu-a-peu ein eigenes Universum von allem was mir wichtig ist und was ich nicht vergessen will.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ibrahim Evsan und Amir Kassei.
Wenn diese Persönlichkeiten zusammenkommen, entsteht eine neue, einzigartige Art der Kreativität. Eine technologisch getriebene Innovationskraft mit Fokus auf den Menschen, also immer fundiert (und geerdet) durch eine sozio-kulturelle Komponente. Ja, wenn diese beiden ein paar Tage auf Ibiza verbringen und sich abends beim Bierchen austauschen, wäre man gern dabei.