Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Wilfried Pinsdorf – 360PLUS – ARTelier

Wilfried Pinsdorf 360PLUS - ARTelierWer ist Wilfried Pinsdorf? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Menschen bezeichnen mich oft als jemanden, den man nicht in eine „Schublade packen kann“ – eben etwas anders 😉

Ich bin Anfang 50, habe Kunst studiert und einige Jahre nach dem Studium eine „Wanderschaft“ durch verschiedene europäische Länder gemacht, um meine Erfahrungen in Praktika bei verschiedenen Künstlern zu entwickeln.  Nach fast 10 Jahren Ausbildung, Studium und „Wanderschaft“ habe ich, neben meiner Arbeit als Bildhauer & Plastiker, meine fotografische Arbeit weiterentwickelt. Mit der autodidaktischen Beschäftigung mit dem Web und den ersten Projekten als Webdesigner habe ich neben der analogen Fototechnik die digitale Fotografie entdeckt und für Webprojekte genutzt . Dabei habe ich auch Weiterentwicklungen der Panoramafotografie kennengelernt und begonnen, diese für mich zu nutzen und weiter zu entwickeln.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich sehe manches einfach etwas anders – eben jeden Tag mit neuen Augen und immer alles rundherum mit einem „Ticken“ mehr 😉

Als Freischaffender engagiere ich mich anders als es ein „normaler Unternehmer“ machen würde. Ich sehe zuerst die Menschen und Bedingungen und nicht sofort die Wirtschaftlichkeit. Ich handele im höchsten Maße emotional und bin, wie schon gesagt, nur schwer in eine Kategorie einzuordnen, noch reagiere ich so, wie meine Mitmenschen es  vielleicht erwarten. Daher verschenke ich auch genauso meine Arbeit und Idee, wie ich andererseits um jeden Cent feilsche und ggf. Aufträge auch annehme.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

360plus.eu) arbeite als Fotodesigner, Fotograf und Fotojournalist. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt seit einigen Jahren auf 360°-Panoramen und die Erstellung virtueller Touren.

Weiterhin biete ich/bieten wir unseren Kunden in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden:

Hochstativ- & Luftbildfotografie

Webvideo- & 360°-Videoproduktion

360°-Objektfotografie /-projektion

Gemeinsam mit meiner Kollegin Liane Heuer und in einem Netzwerk von Fotografen, Programmierern und Webdesignern bieten wir dazu umfassende Serviceleistungen „aus einer Hand“. Wir sind sehr flexibel in unseren Einsatzbereichen und Einsatzzeiten. Dabei erledigen wir auch Kundenwünsche im gesamten Westeuropäischen Raum, innerhalb weniger Tage. Dafür stehe ich dann persönlich für die Kunden zur Verfügung oder die Kooperation mit den KollegInnen unseres Netzwerkes.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Was ist Erfolg? Ich bin nun seit fast 30 Jahren freiberuflich tätig und war noch nie so in wirtschaftlicher Bedrängnis, dass ich mir einen Job suchen musste und konnte von dem was ich habe, auch immer etwas abgeben.

Gibt es mehr als die Zufriedenheit darüber, als im Großen und Ganzen mit dem zufrieden zu sein, was man in den Jahren an Begegnungen mit Menschen haben durfte und das Gefühl, es immer wieder so machen zu wollen?

Wirtschaftlichkeit ist für mich die Menschlichkeit, die sich im ständigen Dialog mit den unternehmerischen Risiken stellt. Auf meinen „Wanderjahren“ sagt mir ein alter italienischer Bildhauer in Pietrasanta:
„Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein und wer dabei trotzdem auch immer an seine Kollegen denkt, wird seinen Weg gehen!“

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Ich sehe eine großer Herausforderung mit der Technik aber auch das Selbstbewusstsein, dass nicht die Technik den Menschen beherrscht, sondern umgekehrt 😉 Die Gesellschaft wird, so glaube ich, sich wieder mehr auf Werte besinnen müssen und neue Ziele mit einer andren „menschlichen Dimension“ entwickeln müssen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich weiß nicht ob die Herausforderungen nicht endlich  weiter begriffen werden müssen. Eine Globalisierung wird auch eine stärkere Europäisierung erfordern und das kleinkarierte  und national orientierte Denken muss weiter abgebaut werden. Lehren und lernen wird nicht nur im nationalen Aspekten wesentlicher werden sondern eben in einem globalen Umfeld.

Herausforderung für unseren Markt:

Fotografie wird noch viel mehr „privatisiert“, weil eben die Technik es mit sich bringen wird. Es ist aber sicherlich auch so, dass Fotografen und Fotodesigner weiterhin gefragt sein werden.

Wie schon beschrieben, wird es eben nicht nur auf die Technik ankommen, sondern auf den Menschen der die Technik einsetzt. Dafür habe ich als Bildhauer noch ein anderes Bild ;-):

Man kann jedem Menschen einen Hammer in die Hand geben. Die einen werden sich damit, beim Versuch einen Nagel in die Wand zu schlagen, die Finger blutig klopfen. Die anderen sind die „Michelangelos“ und arbeiten damit aus einem harten Stein eine wunderschöne Skulptur!

Herausforderung für unsere Firma:

Ich werde versuchen, mit meinen Kolleginnen und Kollegen und allen Geschäftspartnern, zu denen zu gehören, die an den Skulpturen arbeiten. Das geht nicht schnell und auch nicht immer sicher aber was ist schon sicher?

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten gefreut haben mich die ersten Erfahrungen, die ich 1994/95 mit dem Web gemacht habe. Damals habe ich davon geträumt, was man damit positives machen könnte.

Heute erlebe ich was das Internet mit den Menschen und was Menschen aus dem Internet gemacht haben und bin in vielen Momenten sehr erschrocken und angewidert.

Es ändert aber nichts daran, dass ich immer noch davon träumen kann, was Menschen positives mit dem Web machen könnten, ohne sich davon abhängig zu machen oder es weiter als Waffe auszuprägen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Es gibt kein Problem, das ich gelöst bekommen möchte 😉

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

Nein, ich habe keine Probleme und kann daher auch keine Empfehlung geben … außer vielleicht die, immer ehrlich zu sich und anderen Menschen zu sein 😉

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

…nein, da gibt es nichts. Ich begegne Menschen und versuche zuerst aus jeder Begegnung zu lernen und mit jedem Augenblick neues zu erkennen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

…nein. da gibt es nichts…

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Es gibt viele Bücher die meinen Lebensweg begleitet haben, aber nur wenige die Entscheidungen beeinflusst haben.

Da wären spontan vier Bücher die mir einfallen:

„Quellen des Zen“ – Koans des Meisters Mumon

„Der Ekel“ von Jean-Paul Sartre

„Triffst du Buddha unterwegs…“ von Sheldon B.Kopp

„List und Tücke der Systeme“ von John Gall

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

…da gibt es nichts dergleichen…

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

PT Gui, die Software mit der ich meine Fotoaufnahmen stitche. Ich nutze die Software seit vielen Jahren. Zwischenzeitlich habe ich immer wieder andere Software getestet aber ich bin immer wieder zurück zu PT Gui gekommen. Das ist wie bei der Methapher mit dem Hammer 😉

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Es war immer eine der wesentlichen Maxime in meinem Arbeits- und Privatleben:

„Schaue auf niemandem hinab und zu niemandem hinauf, sondern suche immer die gleiche Augenhöhe mit deinem Gegenüber!“ Als Bildhauer und Künstler habe ich mich in den Ateliers von Kolleginnen und Kollegen umgeschaut, um bei diesen zu erleben WIE sie an die Arbeit herangehen und nicht WAS sie machen.

In meiner Arbeit als Fotograf habe ich das zu keinem Zeitpunkt versucht und nie das Bedürfnis gehabt, mir etwas „abzuschauen“. Am meisten gelernt habe ich von meinem jüngsten Sohn. Er hat mich gelehrt, noch mehr Fragen an mich zu stellen und vor allem meine Fragen noch etwas anders zu stellen.

Dass dieser Sohn nun auch den Weg gehen möchte und fotografisch arbeiten will, freut mich daher in einer besonderen Weise.

Mir hat es nochmals bewiesen, dass Lehrer in gleichem Maße Schüler sein müssen, sonst wird jede Entwicklung zum Monolog und zur Einbahnstraße.

Am meisten gelernt habe ich von der Natur! Sie zeigt mir jeden Tag, zu welchen unvorstellbaren Leistungen sie fähig ist und sie hat mich gelehrt, dass auch immer Veränderung möglich sein wird. WIE die sein wird, bestimme ich immer selber mit…

Danke, dass Sie mich gefragt haben und weiterhin viel Erfolg auf Ihrem Weg 😉

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