Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Valentin Kahn – cofoundme.org

Wer ist Valentin Kahn? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

cofoundme.org und arbeite momentan bei der Management- und Technologieberatung BearingPoint in Berlin. Im Sommer habe ich meinen Bachelor-Abschluss an der Universität St. Gallen gemacht und war dort u.a. beim Unternehmerverein YEC, einem Studentenradio und einem Think Tank engagiert. Ich plane, nächstes Jahr dorthin zurückzukehren und meinen Master in Business Innovation zu machen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin 20 Jahre alt und in den Schweizer Voralpen aufgewachsen. Dank meinem idyllischen Heimatort bin ich sehr naturverbunden und ein kleiner Philosoph. Ich bin ein sehr ehrgeiziger und hartnäckiger Mensch und versuche, mich ständig zu verändern. Ich kann mich stundenlang über Psychologie und Soziologie, Medien- und Gesellschaftstheorien, sowie ihre Phänomene und Ursachen unterhalten. Zu meinen Hobbies zählen Freestyle Football, Alpines Wandern und das Sportklettern.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

In einem Satz ist cofoundme das LinkedIn für Start-ups. Gestartet als Mitgründerbörse für Studenten der HSG in St. Gallen und der ETH Zürich, haben wir uns in der Schweiz ein Ökosystem an Netzwerkpartnern aufgebaut, welches Start-ups bei ihrer Gründung unterstützt. Wir sehen die Gründung eines Unternehmens nicht als Zufall oder geniale Kreation, sondern als ganz normalen Wertschöpfungsprozess an. Und in dieser Supply Chain geben wir mit den Ton an, weil sich gründungswillige Personen mit komplementären Fähigkeiten auf unserem Netzwerk finden und dort bleiben. Nach dem durch uns vollständige Gründungsteams entstanden sind, empfehlen wir diesen unser Partner-Netzwerk an Coworking Spaces, Accelerators, VCs und Beraterfirmen weiter. Wir helfen somit nicht nur beim ersten Gründungsschritt, sondern weit darüber hinaus. Nachdem erfolgreichen Proof of Concept in der Schweiz (über 2000 Mitglieder und über 700 Start-up-Projekte und Job-Angebote) haben wir in Rotterdam ein zweites Office aufgesetzt und wollen nun ein europaweit führendes Gründungsnetzwerk werden. Unsere USP: Unser Netzwerk an und ausserhalb der Universitäten. Wir sind eine Non-Profit-Organisation und haben es v.a. auf gründungswillige Studenten abgesehen.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir sind selbst nichts anderes als ein SaaS-Anbieter und haben natürlich auch die meisten eigenen Prozesse digitalisiert. Unsere grosse Herausforderung ist die Kommunikation, da unsere Leute meist quer über Europa verteilt sind und auch noch anderen Projekten nachgehen. Darum sind wir auf gute Kommunikations- und Projektmanagement-Tools angewiesen. Unser Partner-Netzwerk pflegen wir aber nach wie vor bevorzugt „live“.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Transparenz. Durch die Geschwindigkeit und die Dichte mit welchen Informationen frei inhaltlicher Grenzen durchs Netz fliessen, wird es immer schwerer, sich als Staat durch Informationshoheit einen Vorteil zu verschaffen. Nach der physischen Dominanz setzten politische Mächte des 20. und 21. Jahrhunderts vermehrt auf Machterhaltung durch Regulierung des Informationsflusses (Medien und Propaganda). Die Dynamik des Internets verunmöglicht diese Regulierung jedoch. Auf der anderen Seite herrscht diese Transparenz jedoch auch auf Nutzerseite, was sich der Staat zu Nutze machen möchte. Das Internet verändert die Gesellschaft und baut indirekt Hierarchien ab. Für mich ist dies eine grosse Chance.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Im Netz bewegen wir uns vielfach noch in Graubereichen und das Recht hinkt weit hinterher. Für die Netzwirtschaft besteht die Herausforderung, auch im Rechtssystem des Internets der Zukunft erfolgreich zu bleiben und mit den neuen Spielregeln des Marktes umzugehen. Ich zweifle aber nicht daran, dass sie diese Herausforderung meistern wird.

Herausforderung für unseren Markt:

Ich sehe uns im Markt für Gründungsservices. Dieser Markt und der ganze Start-Up-Hype ist noch relativ jung und dementsprechend steht eine Konsolidierung des Marktes noch bevor. Unter einer zügig grösser werdenden Fülle an Angeboten relevant zu bleiben und tatsächlich Resultate – sprich erfolgreiche Gründungen – vorzuweisen, wird hier zur grossen Herausforderung.

Herausforderung für unsere Firma:

Für cofoundme liegt die grosse Challenge darin, technisch auf der Höhe zu bleiben. Während wir von einem einzigartigen Netzwerk profitieren, sind unsere Services nicht zuletzt das Produkt von technischem Know-How. Dieses entwickelt sich natürlich in der digitalisierten Welt ständig weiter und sowohl das rechtlich Schützbare als auch alles Andere unterliegt früher oder später disruptivem Wandel. Deswegen müssen wir uns als cofoundme ständig weiterentwickeln, unser eigener Game Changer sein.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich finde es bedenklich, wieviel Zeit wir als Internetnutzer in den Konsum von irrelevanten, gefälschten, oder qualitativ schlechten Inhalten stecken. Im Internet fällt es besonders leicht, sich ablenken zu lassen. Das Problem dabei ist, dass wir uns oft nicht die Mühe machen, echte Informationen von Geräuschen zu trennen. Wenn ich heute über Clickbait und hohen Page Traffic mein Geld verdienen will, blende ich Celebrity Listicles oder Katzenvideos ein. Dabei lassen wir uns nicht nur wertvolle Lebenszeit wegnehmen, sondern uns vielfach auch unbewusst manipulieren. Von Shitstorms mal ganz zu schweigen…

Mich freut es am meisten, dass wir heute genauso ein grenzenloses Eldorado an hochwertigen Informationen, Bildung, Support, genialen Helfern vorfinden. Ich lasse mich z.B. über Coursera als Python-Programmierer zertifizieren. Das Internet hat mir schon in zig Lebensbereichen massiv weitergeholfen und mein Leben vielfach grundlegend verändert. Für fast jede Herausforderung und jede Fragestellung finden wir Quellen, die uns helfen können. Man muss sich manchmal nur die Mühe machen, danach zu suchen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Eine flächendeckende App zur mobilen Buchung von Arbeitsplätzen wäre schön. Aber keine Sorge, da arbeiten wir schon dran (lacht).

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

forentrepreneurs.com ist definitiv eine Resource, die tolle Informationen hergibt, z.B. wenn man einen SaaS Provider aufziehen möchte

www.forentrepreneurs.com

Um über die Schweizer Start-up-Szene auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt sich der Startup Ticker

www.startupticker.ch

Wenn wir einen guten Autoren finden, zitieren wir den auch gerne mal auf unserem cofoundme Blog

www.cofoundme.org/blog

einen Artikel, der xDich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

SaaS-Experte David Skok hat einen erstklassigen Artikel zum Thema „SaaS Metrics“ auf forentrepreneurs abgeliefert:

http://www.forentrepreneurs.com/saas-metrics/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Das St. Galler Management-Modell. Spass beiseite, „Never eat alone“ von Keith Ferrazzi war ein echter Augenöffner. Der Name ist dabei Programm.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Alle Veranstaltungen des Young Entrepreneurs Club an der HSG. Da ist von tollen Key Speeches, über Case Studies und einer ganzen Incubator-Vortragsreihe immer etwas dabei. Auf den Veranstaltungen habe ich z.B. einiges über Online Marketing, Sales oder das richtige Pitching gelernt.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Unser hilfreichstes und wichtigstes Tool ist – so lapidar es klingen mag – ganz klar Skype. Ohne Kommunikation geht gar nichts. Das wird gerne mal vergessen. Mal abgesehen davon hat uns Salesforce sehr weitergeholfen, indem es unser CRM übersichtlicher und verständlicher gemacht hat.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

David Skok ist ein absoluter Experte, wenn es um SaaS/Cloud Business geht. Da könnte ich ganz schön viel lernen. Einen Tag mit Jean-Claude Biver zusammenzuarbeiten, wäre ebenfalls grossartig. Ich durfte seinen Spirit während zwei Vorträgen an der HSG erleben. Auch zu einem Tag mit Bill Gates, oder Richard Branson würde ich nicht Nein sagen, aber wer würde das schon (lacht).

Weitere exklusive Interviews der Netzwirtschaft gibt es hier.