Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Thomas Schumm – Plusvisionen

Thomas Schumm PlusvisionenWer ist  Thomas Schumm? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Thomas Schumm. Nun vor allem Gründer und freier Chefredakteur von Plusvisionen.de. Aber auch Autor (Bücher) und Journalist (Börse Online, GQ, SZ, FTD, Forbes). Früher auch: Reporter, Redakteur oder Chefredakteur. Seit 25 Jahren an der Börse. Bestimmt fast alles gehandelt, was es so gibt, jetzt aber ruhiger in dieser Hinsicht. Seit 20 Jahren publizistisch im Finanzbereich tätig. Begeistert von Wirtschaft und Börse.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Karate, Kampfkunst, Functional Training.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Plusvisionen ist ein Meinungs- und Analyse-Magazin für Wirtschaft und Börse in einer mobilen Gesellschaft.

Plusvisionen ist für Leser, die wissen wollen, was in der Wirtschaft läuft, weil Wirtschaft uns alle etwas angeht. Plusvisionen will beim Verstehen und Einordnen helfen und dabei auch unterhalten.

Plusvisionen will nicht nur erzählen, dass etwas passiert, sondern weshalb es passiert. Es geht um Entschleunigung und Analyse, nicht um Nachrichtenmasse. Wir alle sind mit Informationen overloaded, overwhelmed, overkilled.

Plusvisionen ist für Menschen mit Zuversicht, für die Geld längst nicht alles ist, die Geld investieren wollen, weil Geld nicht Selbstzweck ist. Geld soll Werte schaffen. Geld sollte nicht nur Besitz sein. Plusvisionen will Möglichkeiten aufzeigen.

Es geht darum, Alternativen zu denken, auch wenn Situationen alternativlos erscheinen. Veränderungen durch die digitale Revolution im Bereich Wirtschaft und Finanzen zu erfassen. Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die globale Vernetzung und die Automation? Gewinnen wir beispielsweise mehr Zeit, wenn Maschinen immer mehr Arbeiten übernehmen? Wie könnte ein Geld- und Banken-System im digitalen Zeitalter aussehen? Welchen Einfluss hat die Crowd im smarten Zeitalter auf die Geld-Anlage? Was passiert mit den Börsen als eine Art Ur-Crowd?

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Plusvisionen.de ist Digitalisierung. Wir sind bestrebt Plusvisionen immer auf Höhe zu halten und weiterzuentwickeln. Neuen Technologien und Trend gegenüber nicht verschließen. Robo oder wie auch immer. Das ist Digitalisierung für uns.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Internet / Vernetzung ist wohl einen herausragender Trend in den vergangenen 2000 Jahren. Wir werden vor gewaltigen Umwälzungen stehen. Von manchen ahnen wir vermutlich noch nicht einmal etwas.

Die größte Herausforderung für Staat und Gesellschaft. Ich denke, dass durch die Automatisierung millionenfach Arbeitsplätze wegfallen werden, in Verwaltung, Banken, Finanzsektor, Journalismus, Medizin … Es gibt keinen Bereich, der nicht davon betroffen sein wird. Es wird keine demografische Lücke am Arbeitsmarkt geben, wie auch keinen Fachkräftemangel. Das gilt es zu meistern. Es wird auch wieder die Frage nach einem bedingungslosen Grundeinkommen aufwerfen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Herausforderung für Europa. Größere Einheiten schaffen. Standards schaffen. Wie viele Mobilfunkbetreiber gibt es in Europa? Richtig, sehr viele. Europa braucht global tätige Unternehmen im digitalen Bereich. Derzeit fallen mir da spontan nur zwei ein: SAP und Deutsche Telekom. Europa muss aufpassen, nicht zur Datenkolonie der USA zu werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Auch Journalismus wird Automatisierung erfahren. Textroboter sind schon heute sehr leistungsfähig. Künftig wird es noch stärker um Meinung, Einordnung, Kreativität, Witz, etc. gehen, ohne zu missionieren. Heute leidet der Journalismus unter einem Missionierungsdrang. Journalisten wollen zu oft Politiker sein und nicht über diese schreiben.

Herausforderung für unsere Firma:

Wandlungsfähig und kreativ zu bleiben.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: die Langsamkeit (Geschwindigkeit) und die mangelnde Verfügbarkeit.

Gefreut? Na ja, ich beobachte mit Interesse, wie das Internet unser Leben verändert. Gefreut hat mich die Erfindung an sich. Davon habe ich als Kind immer geträumt. Ein Gerät dabei zu haben, mit dem man telefonieren, bezahlen, Fotos machen und sich informieren und noch vieles mehr machen kann.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Twitter (ein herrlicher Dienst, der sich leicht personalisieren lässt, steht professionellen Newstickern in nichts nach)

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Captain Future im SZ Magazin (Artikel über Jeff Bezos).

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Da gab/gibt es so viele …

Im Bereich Börse: Charles Mackay – Aus den Annalen des Wahns

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Kirchgang / Kirchgänge – da geht es um eine ganz andere Sichtweise als häufig im Alltag, was nicht unbedingt etwas mit Gläubigkeit zu tun haben muss. Ein wunderbarer Ausgleich.

Kürzlich ein Vortrag von Timotheus Höttges (Deutsche Telekom) über Europa und die Digitalisierung.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ähm … Internet … mein Kopf … Geduld

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Jeff Bezos, wegen seines Wahnsinns und weil Amazon so vieles revolutioniert. Handel. Arbeitswelt. Cloud. Er will Wachstum und keinen Gewinn, und wenn Amazon Gewinn macht, wird dieser sofort investiert. Mir gefällt: Geld dient hier dem Unternehmen. Bezos wagt immer wieder Schritte ins Unbekannte.

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