Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Sedat Aktas – geileweine.de

Sedat Aktas geileweine.deSedat Aktas? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Selbstbeschreibungen finde ich eigentlich immer etwas merkwürdig, also beschreibe ich mal, was ich an anderen Menschen mag:
Ich finde lebensfrohe, motivierte und reflektierte Menschen ganz wunderbar. Menschen, die sich mit anderen Menschen genauso gut auseinandersetzen können wie mit komplexen Themen, und es dennoch schaffen, eine Simplizität im Sinne von Leichtigkeit zu bewahren. Und wenn sie sich selbst nicht zu ernst nehmen und auch mal über sich selbst lachen können, dann hat man eine gesunde Mischung für einen guten Freund oder einen tollen Mitarbeiter.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Hmmm… nun, ich bin chronisch gut gelaunt und glaube immer an einen positiven Ausgang – egal ob beruflich oder privat! Aber Ihr wollt wahrscheinlich etwas anderes wissen… Ok, also ich führe gerne Selbstgespräche zu Themen, die mich beschäftigen. Meine Frau findet es dann sehr merkwürdig, dass ich in der Küche mit mir rede und dann ab und zu auch noch lache… Das sollte als Insider-Info genügen :).

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Mit GEILE WEINE versuchen wir das sehr tradierte und komplexe Thema Wein für ein weinunerfahrenes aber interessiertes Publikum zugängig zu machen. Ich denke, dass wir es vor allem geschafft haben, die Perspektive unserer Kunden richtig zu erfassen und das komplizierte Thema Wein auf eine verständliche Art und Weise aufzubereiten. Und unsere Superpower liegt darin, dass wir alle Inhalte für unseren Shop selbst gestalten. Fotos, Videos, Texte, Logistik und Zusammenstellung werden komplett Inhouse erledigt – und das mit einem Team von lediglich 8 Personen.

Wir haben uns vor dem Start unserer Plattform sehr intensiv mit dem Zugang zum Thema Wein auseinandergesetzt und unseren Fokus dabei auf die weinunerfahrenen Menschen gelegt – also auf Menschen wie mich selbst. Bis vor 2 Jahren hatte ich nämlich mit dem Thema Wein nichts zu tun und eine negative Erfahrung bei einem Weinfachhändler hat mich dazu gebracht, das Thema Wein etwas genauer unter die Lupe zu nehmen! Dabei ist uns aufgefallen, dass die Kommunikation von Wein, egal ob offline oder online, an informierte Kunden gerichtet ist. Unsere Erfahrung zeigte jedoch, dass ein weitaus größerer Teil der Gesellschaft nicht zu dieser informierten Gruppe gehört. Daraus haben wir unsere oberste Maxime entwickelt: „simplify wine“!

Unter Berücksichtigung dieser Maxime haben wir nach Definition unserer Zielgruppe alle Bestandteile unseres Shops konzipiert und umgesetzt. Und wenn wir unsere heutigen Kunden betrachten, dann ist unser Plan voll aufgegangen:

Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Kunden ist nahezu ausgeglichen.

90% unserer Kunden sind zwischen 20 und 45 Jahren. Die stärkste Gruppe besetzen die 30-39-Jährigen.

Der größte Teil unsere Kunden lebt in den Metropolregionen Deutschlands und ist sehr genuss- und lifestyleorientiert.

Mit dieser Erkenntnis und dem entsprechenden Feedback entwickeln wir unsere Plattform kontinuierlich weiter und versuchen Lösungen für Probleme zu finden, derer sich unsere Kunden auf den ersten Blick gar nicht bewusst waren.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Herausforderungen für Staat und Gesellschaft gehen Hand in Hand einher. Es ist nicht zu übersehen, dass die Netzwirtschaft bisherige Produktions- und Handelsprozesse verändert. Veränderung wird aber leider sehr oft negativ wahrgenommen und als Gefahr eingestuft. Wer sich dagegen wehrt, wird es in Zukunft sehr schwer haben. Das gilt für Staaten genau wie für unsere Mitmenschen. Je länger man die Anerkennung der Veränderung aufschiebt, desto größer wird die Anstrengung der Anpassung hinterher.
Ich persönlich bin von den Veränderungen begeistert, weil sie viele Chancen bietet und viel Energie freisetzt. Die größte Herausforderung für den Staat und unsere Gesellschaft ist dabei, rechtzeitig die richtigen infrastrukturellen Entscheidungen zu treffen und dabei die eigenen Werte nicht aus den Augen zu verlieren.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Im Vergleich zu den USA hinken wir in vielen Dingen etwas hinterher, insbesondere bei den Themen Investition, Bürokratie und Bildung. Das ermöglicht den amerikanischen Unternehmen eine sehr, sehr hohe Geschwindigkeit bei der Entwicklung und Exekution neuer Geschäftsmodelle. Früher ging es den Amerikanern überwiegend um den amerikanischen Markt. Mittlerweile geht jedes Unternehmen aus dem Valley mit dem Ziel an den Start, die ganze Welt zu erobern. Da hält aus Europa eigentlich nur Rocket Internet dagegen. Die gehören zu den wenigen, die den Mut und das nötige Geld haben, auch mal zu scheitern.
Die Vorteile der Amerikaner beziehen sich aber m.E. auf ein sehr spitzes Feld (Tech Start-Ups). Wenn man die gesellschaftliche Gesamtsituation betrachtet, dann finde ich nicht, dass das amerikanische Modell besonders erstrebenswert ist.

Herausforderung für unseren Markt:

Nun, der Weinmarkt liegt, was die Digitalisierung angeht, noch im Dornröschenschlaf. Momentan gibt es lediglich Versuche, das traditionelle Geschäftsmodell ins Internet zu verlängern. Die Art der Ansprache und die Aufbereitung erfolgen nach den alten Prinzipien des stationären Handels. Ich denke, dass es hier in den kommenden Jahren noch zu einigen Veränderungen kommen wird. Aber ich denke nicht, dass die Digitalisierung den stationären Handel verdrängen wird. Vielmehr werden Modelle entstehen, die vor allem dem Konsumenten zugutekommen werden.

Herausforderung für unsere Firma:

Unsere größte Herausforderung liegt darin, die Geschwindigkeit unserer bisherigen Entwicklung und die Qualität unserer Inhalte aufrecht zu erhalten und gleichzeitig neue Herausforderungen mit der selben Gründlichkeit anzugehen. Kurz gesagt: die richtigen Leute für die freien Positionen zu finden. Ich bin ein großer Freund von kleinen, schlagfertigen und kreativen Teams. Aber auch hier bin ich recht guter Dinge!

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten freue ich mich über die vielen Kommunikationsmöglichkeiten und die Verfügbarkeit von Inhalten.

Am meisten ärgere ich mich über die ständige Erreichbarkeit und die Verfügbarkeit von Inhalten. Ich weiß, ziemlich gespalten die Geschichte! Das Abschalten der Geräte ab und an hilft in diesem Zusammenhang!

Welches „Problem“ würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Da möchte ich lieber nicht drüber nachdenken. So hat die Geschichte zu GEILE WEINE angefangen. Und ein zweites Start-Up kann ich jetzt nicht gebrauchen 🙂

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Da gibt es sehr viele: W&V, Horizont, Wallpaper, YouTube, Meedia, digtator.de, Wein+Markt usw.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Tipping Point  (Malcolm Gladwell)

Blue Ocean Strategy (W.Chan Kim & Renee Mauborgne)

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

K5, Tengelmann E-Days u.ä. – es ist immer sehr spannend die Geschichten und Herausforderungen anderer Unternehmer zu hören.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Apple Mail und iCal

Welche 5 Experten würdest Du gerne mal zu einer Weinrunde einladen und über welches Thema würdest Du gerne mit Ihnen reden?

1. Steve Jobs 2. Helmut Schmidt 3. Hermann Hesse 4. Dalai Lama 5. Bob Dylan

In dieser Runde wäre mir das Thema relativ egal! Ich denke, dass die unterschiedlichen Perspektiven auf das Leben und die jeweiligen Lebenswege genug Stoff zu jedem Thema ergeben würden.