Interview
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Interview mit Sascha Conrad – PRODUKTION WALDSTRASSE

Sascha Conrad PRODUKTION WALDSTRASSE
Foto: Stephan Flad

Wer ist Sascha Conrad? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Mein Name ist Sascha Conrad, ich bin 36 Jahre alt, Familienvater und freiberuflicher TV-Autor, Sprecher, Trainer und Videojournalist. Beinahe wäre ich Lehrer geworden, aber ich habe den Absprung zum Glück noch rechtzeitig geschafft. Mit ein wenig Irrsinn und Idealismus bin ich 2007 durch einen Nachwuchs-Contest des Radiosenders MDR SPUTNIK an einen Vollzeitjob gekommen. Ich habe vor der Kamera moderiert, hinter der Kamera konzipiert, gefilmt und geschnitten. Ich bin Autodidakt. Meine Ideen und Filme sind überwiegend im Internet zu sehen. Ich bin aber auch im Radio zu hören und mache Beiträge für verschiedene Fernsehsender. Manche nennen das trimedial, ich nenne das normal.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich trage gerne Mützen und Hüte. Außerdem entscheidet mein Kleiderschrank über meinen Stil – was oben liegt gewinnt. 😉

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

PRODUKTION WALDSTRASSE ist ein Kollektiv freier Kreativer, die Lust haben, Dinge zu tun, die sie wirklich wollen. Unsere Stärke liegt in der Freiheit, entscheiden zu können, für wen wir arbeiten und mit wem wir kollaborieren wollen. Wir verstehen uns als Ideengeber und Ideen-Entwicklungshelfer. Wir arbeiten für Comedy-Formate im Radio, produzieren Musik unterschiedlichster Genres in Bild und Ton und entwickeln ungewöhnliche Konzepte zur Vermarktung. Unser Team stellen wir projektbezogen zusammen, je nach Bedarf.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Im Grunde sind wir komplett durchdigitalisiert. In jedem unserer Arbeitsprozesse spielen Computer und Internet eine wichtige Rolle. Die digitale Revolution der letzten 20 Jahre hat teure Audio- und Videotechnik für viele und auch für uns erschwinglich gemacht. Umso mehr zählt heute aber die gute Idee. Wie haben die Erfahrung gemacht, dass es besser ist, sich gemeinsam in einem Waldhaus mit Kamin einzuschließen und die Ideen erst einmal wild mit einem Stift auf Papier zu malen, anstatt sich unterkühlt via Skype auszutauschen. Gute Ideen brauchen immer das Analoge!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Die Gesellschaften unserer Zeit sind in raschem Wandel. Die Herausforderung für alle besteht im Grunde darin, sehr flexibel zu bleiben und sich den Umständen anzupassen. Aber selbst wenn sich die äußeren Bedingungen radikal ändern, im Inneren, behaupte ich, hat sich der Mensch nicht grundlegend verändert. Sein Verlangen nach guten Geschichten, spannender Musik und ergreifenden Bildern wird immer da sein, egal ob sie in der Zeitung, im Fernsehen, im Internet oder auf dem Holodeck stattfinden.

Kritisch ist nur die Kumulation von Medienmacht. Sie verhindert, dass gute Ideen kleiner Unternehmen jemals das Licht der Welt erblicken. Ich bin aber zuversichtlich, dass auch dann wieder neue Grauzonen entstehen, so wie YouTube, das vor ein paar Jahren noch ein Ort vieler freier Geister war. Heute taumeln bei YouTube leider viele monetarisierte Klickjunkies herum, die sich völlig authentisch Make-Up ins Gesicht reiben, Leuten üble Streiche spielen oder neue Konsumartikel auspacken und anfassen.

Wir glauben jedenfalls an die Macht der Idee, die, wenn sie ausgereift ist, ihren Weg in die Welt findet. Unsere Herausforderung besteht also darin, eine Idee zu finden, die es  zuvor noch nie gegeben hat. Und ehrlich gesagt, das war schon immer schwer und hat nichts mit Geld oder der Zukunft zu tun.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich freut, dass es so etwas wie Internet in unserem Land überhaupt gibt und dass es verhältnismäßig schnell ist, obwohl ich mir manchmal einen wesentlich schnelleren Upload für meine Arbeit wünschen würde. Mich ärgert, dass das Netz zunehmend zensiert und als Mittel der Überwachung missbraucht wird. Außerdem ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Netzneutralität den großen Playern zum Opfer fällt. Die Geschichte wird zeigen, ob die vermeintlichen Vorteile des Internets wirklich die Nachteile aufwiegen. Momentan genieße ich aber noch die Vorzüge.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

An dieser Stelle kann und muss Wikipedia genannt werden. Auch wenn die Einträge einiger Pornstars detaillierter sind, als die Einträge deutscher Lyriker, so hat sich dieses freie Lexikon doch in den letzten Jahren enorm entwickelt. Es erleichtert die Themenrecherche, hilft, einen ersten Eindruck von bestimmten Themen zu bekommen und ist editierbar, wenn etwas nicht stimmen sollte. Zudem enthält Wikipedia wirklich schräge Einträge, die beim Querdenken manchmal sehr hilfreich sein können.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Ich werde täglich überschwemmt mit guten Artikeln, die mir meine Facebook-Freunde empfehlen, so dass mir spontan gerade wirklich keiner einfällt.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich glaube Sofies Welt von Jostein Gaarder – ein philosophisches Fachbuch, das als Roman getarnt ist und ein so schön überraschendes Ende hat, dass ich die Geschichte des Films Matrix beim ersten Mal nur noch zu 75 Prozent glaubwürdig fand. 😉

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

http://tedxtalks.ted.com/video/Beyond-Carnism-and-toward-Rat-2

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Die vielen kleinen Apps auf meinem Smartphone sind allesamt sinnvolle Helferlein – ich kann damit Ideen aufschreiben, einsprechen, filmen, zusammenschneiden und optimalerweise gleich uploaden. Wenn es dann richtig professionell sein soll, nutze ich sehr häufig die Videoschnitt-Software Media Composer von AVID oder After Effects von Adobe.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde am liebsten mit ein paar Köpfen von „Jung von Matt“ zusammenarbeiten. Ich finde viele Kampagnen, die diese Agentur macht, wirklich gut und oft überraschend. Man denke nur an den neuen Film  #Heimkommen für Edeka. Der berührt mich wirklich und auf der anderen Seite denke ich dann immer: Scheiße, wieso spielt eine Supermarktkette so mit meinen Gefühlen? Zum Ausgleich kaufe ich dann halt trotzig woanders ein. So bleibt alles im Gleichgewicht.

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