Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Ralph Rieker – ORANGENER VORHANG GmbH

Ralph Rieker ORANGENER VORHANG GmbHWer ist Ralph Rieker? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 44 Jahre alt, Gesellschafter und Geschäftsführer der
ORANGENER VORHANG GmbH. Bin in Stuttgart aufgewachsen und habe dort mein Studium zum Dipl. Werbewirtschaftsingenieur an der Hochschule für Medien in Stuttgart 2003 abgeschlossen. Freunde sagen über mich, ich wäre ein authentischer, emotionaler und selbstreflektierter Mensch. Das find ich ganz gut und wünsche ich mir auch von anderen Menschen. Grafik und Musik sind meine große Leidenschaft.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich habe eine große Affinität zu Geräuschen. Ob das nun das Geräusch eines fahrenden Zuges ist, indem man von Berlin nach Stuttgart fährt, oder das eines Föns. Gleichförmige Geräusche strahlen auf mich eine unglaubliche Ruhe aus.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Der Schwerpunkt der Orangener Vorhang GmbH liegt auf Mediengestaltung, im Online- wie im Printbereich. Das ist unser aller Background und unsere Leidenschaft. Die einzigartige Idee für die Gestaltung bzw. Umsetzung zu finden, die etwas auslöst und bewegt. Die Stimme im Kopf oder das Bauchgefühl, welches einem sagt: „YEAH! Das ist es!“ Zudem sind wir weder uniformiert noch Leben wir in gleichen Abläufen und haben alle eine musikalische Vergangenheit und Gegenwart. Da bietet es sich an, die Werbung mit der Musik zu verbinden. So konnten wir in der Vergangenheit schon einige Werbe-Musikprojekte verwirklichen und es kommt schon auch vor, dass ein Teammitglied mit einem Musik-Künstler auf Tour geht oder Songs schreibt. Das macht den Kopf frei und ist oft auch die beste Aquise.

Unsere Agentur ist aus dem vereinen von gemeinsamen aber auch unterschiedlichen Kompetenzen und einer großen Freundschaft entstanden, deshalb sind Verbundenheit und ein direkter, klarer Austausch ohne Profilneurosen für uns von großer Bedeutung. Sowohl untereinander als auch mit unseren Kunden. Wir stehen für vertrauensvolle, nachhaltige Geschäftsbeziehungen, denken nicht in klassischen Konzepten und haben eine empathische Haltung dem Kunden gegenüber.

Nach dem Tod unseres Freundes und 2. Geschäftsführers vor einem 1,5 Jahren haben wir uns ganz bewusst einer Art Neustart unterzogen und uns viele grundlegende Fragen nochmals gestellt. Das hat sehr gut getan und ist sehr wichtig, das immer wieder zu tun. Wir pflegen mehr denn je eine menschliche und vernünftige Unternehmenskultur mit viel Herz und gesundem Menschenverstand.

Unsere Superpower kommt genau aus dieser Einstellung. Es genügt nicht mehr, sich ausschließlich auf das Wissen zu verlassen. Emotionen tragen heute mehr denn je dazu bei, einen guten Job zu machen. Sensibel sich selbst und den Bedürfnissen des Kunden gegenüber zu sein. Zuhören, sich kennen lernen, eine offene Kommunikation und Einfühlungsvermögen sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis. Das ist uns sehr wichtig.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Wie definiert man Erfolg? An welchen inneren und äußeren Faktoren messen wir ihn? Das sind definitiv auch wirtschaftliche Faktoren aber auch der Fokus auf subjektivere Dinge, wie zum Beispiel der Befriedigung, eine gute Idee für komplexere Aufgaben gefunden zu haben und die Freude in einem fantastischen Team zu arbeiten und dadurch Glück zu empfinden. Zudem ist Erfolg für uns eng verbunden mit langen Geschäftsbeziehungen. Wir verstehen uns nicht als reinen Problemlöser, wir begleiten unsere Kunden. Diese Beziehungen pflegen wir glücklicherweise mit fast all unseren Kunden. Dadurch entwickelt sich Vertrauen – die Basis unserer Arbeit.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Herausforderungen an die Gesellschaft sind vielschichtig. Wir können diese Herausforderungen nur gemeinsam meistern, daher ist insbesondere die Integration sehr wichtig. Integration und Reflektion. Nur so ist ein gemeinschaftliches Verständnis und Vertrauen möglich. Wir bemerken dies ja auch im Kleinen in unserer Agentur. Die kleinen Herausforderungen sind auch nur gemeinschaftlich, mit großem Zusammenhalt und unter Berücksichtigung aller Interessen möglich. Kein fauler Kompromiss, sondern die intensive Auseinandersetzung und Lösungsfindung. Wir können nicht alles, deshalb integrieren auch wir ein großes Netzwerk in unsere Agentur. Spezialisten, die mit uns gemeinschaftlich an Lösungen und kreativen Ideen arbeiten.

Durch diese Gemeinschaft entsteht Empathie, Respekt und Wertschätzung gegenüber Leistungen anderer. Das empfinde ich heute wichtiger denn je. Für jeden einzelnen heißt das: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst. Ich habe letztens ein sehr gutes Video gesehen, indem es um die Budgets für Pitches geht. „Kannst du uns mal einen Entwurf deiner Ideen schicken. Wenn es dem Kunden dann gefällt, gibt es vielleicht einen Auftrag. Vielleicht.“ (Link siehe unten). Bei vielen Menschen hat sich die Haltung verbreitet, Leistungen gäbe es umsonst. Das ist falsch und respektlos. Wir versuchen vor allem mit Transparenz und offenen Gesprächen hier gegenzusteuern. Die Herausforderung wird sein, menschliche Werte und die daraus resultierende Wertschätzung sowohl im Agenturleben, aber was noch viel wichtiger ist, im Umgang mit uns selbst und unserer Umwelt zu pflegen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet ist in vielerlei Hinsicht ein Fluch und Segen zugleich. Der Segen überwiegt aber. Die Möglichkeit immer und überall erreichbar zu sein bedingt natürlich, dass man das auch manchmal ganz bewusst nicht sein möchte, um dann wieder voll da zu sein. Wenn einen dann ein Funkloch überrascht, ist das sehr ärgerlich. Und von denen gibt es auf der A9 zur Genüge. Am meisten freut mich immer noch, dass Informationen jederzeit zugänglich sind. Das bereichert mein Leben.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Da gibt es einige: W&V, Designtagebuch, Page, t3n, Spiegel, die Stuttgarter Zeitung und die Bild.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://mitvergnuegen.com/2015/so-sieht-es-aus-wenn-man-nicht-kreative-fragt-ob-sie-einen-unbezahlten-entwurf-machen)

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich denke, dass war 1995 das Buch „A smile in the mind“ von Beryl McAlhone & David Stuart, das mich darin bestärkt hat, wie schön es ist, um die Ecke zu denken und Perspektiven zu wechseln.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Das Hoffest unseres Kunden HRpepper. Interessante Querdenker aus den unterschiedlichsten Branchen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

InDesign, Photoshop, Illustrator. Alle in Kombination mit Spotify.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich lerne jeden Tag von meinem Umfeld – von Kollegen oder auch branchenfremden Spezialisten, mit denen wir zusammenarbeiten. Das hilft über den Tellerrand zu schauen und einen neuen Blick auf die eigene Arbeit zu bekommen.

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