Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Ralf Eberhardt – ebbo-marketing

Ralf Eberhardt ebbo-marketingWer ist Ralf  Eberhardt? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ein nimmermüder Optimist mit gesundem Menschenverstand und über 60 Jahren Lebenserfahrung.

Fachlich versehen mit viel Knowhow aus Marktforschung, Marketing, Event und Verlagswesen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Es gab mal eine Zeit, in der ich alle Formen von Elefantenmodellen gesammelt habe. Grund hierfür war ein Seminaranbieter, der diese Tiere nach jedem Seminar als Erinnerung an das Geleistete mitgegeben hat.  Und für mich in der Bewertung der Seminare sehr gut abgeschnitten hat. Elefant als Symbol für „gelungenes Seminar“.

Aber angesichts der Tatsache, dass ein Spleen immer von außen definiert wird, könnte man es heute schon fast als Spleen bezeichnen, dass ich mich immer wieder der globalen Versuchung – und das auch häufig erfolgreich – widersetze. Sei es durch den Einkauf in ganz normalen, regionalen Möbelhäusern, der Nutzung lokaler Einzelhändler (sofern es sie noch gibt) und der strikten Ablehnung der „Ich bin doch nicht blöd-Initiative“.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Meine ehemalige Firma = Arbeitgeber arbeitet weiter. Aber ohne mich. Schon seit sechs Jahren. ABER: ich spiele noch regelmäßig mit meinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen Volleyball. Jedoch auch nur, weil der Holdinggeschäftsführer nicht mitspielt. Satire beiseite: Ich setze nach wie vor auf alternative Denke, junge und dynamische Ideen Anderer und die Zuversicht, dass die Synthese aus Gegensätzen Positives zu entwickeln vermag. Grundregel: jeder lässt jeden gelten! Mit der Einschränkung, dass EINER entscheidet – qua Macht oder besserer Argumentation.

Apropos Superpower: Welches Best Practice Beispiel in Deiner Branche hat Dich besonders fasziniert und warum?

Für mich gibt es nach wie vor ein Paradebeispiel verlegerischer und  medialer Aktivität: das ist die Markteinführung der Zeitschrift „Landlust“ aus dem Landwirtschaftsverlag Münster, mit der eine Idee der „Bodenständigkeit“ selbige erlangt hat.

Mit einer verkauften Auflage von nahezu 1.000.000 Exemplaren (Abos knapp 400.000) nach wie vor eine einsame Erscheinung von Neueinführungen im PRINT-Medienmarkt. Nach Focus für mich eine der erfolgreichsten neuen verlegerischen Print-Projekte in den letzten Jahren.

Diese Entwicklung konnte ich mit einer Abo-Befragung in homöopathischer Consultingform begleiten. Darauf bin ich durchaus stolz, zudem ein maßgebliches Ergebnis bei den Abonnenten aufgenommen und vom Verlag umgesetzt und vor allem von der Chefredaktion „überwacht“ wurde und wird: der sorgsame Umgang mit dem Umfang der Anzeigenwerbung im Heft!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

L’etat – ce moi. L’etat  – sont nous!

Letztlich sind wir alle die Gesellschaft  und somit wir Menschen im Staat der Staat. Positiv ist die hohe Teilnahme der Menschen in den sozialen Netzwerken und der digitalen Welt. Das heißt = nie waren mehr Menschen fähig, sich zu äußern und kommunikativ einzubringen. Und schon immer war es Aufgabe der Medien, diese Meinungen zu begleiten, zu kommentieren und zu bewerten. Die Aufgabe hat sich nicht geändert, aber die Übernahme der Aufgabe wird aus meiner Sicht immer weniger wahrgenommen. Dabei waren die Voraussetzungen für eine Kommunikation mit Lesern und Usern nie besser als in der digitalen Welt.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Aus meiner Sicht: Notwendigkeit sozialer Netzwirtschaft – abgeleitet vom Anspruch der sozialen Marktwirtschaft. Also letztlich die Hoffnung auf die Verantwortlichkeit und erkannte Verantwortung der an der (medialen) Welt Beteiligten. Reduktion des Diktats der Zahlen: weg von der Zugriffszählmentalität hin zur Kommentar-, Redaktions-  und Meinungsfreiheit. Weiterentwicklung der kommunikativen Elemente – unter der Prämisse transparenter und personalisierter Nutzer/User = weg von der anonymen  und bequemen Stammtischmeinung mit Naturschutzfunktion durch Inkognito-Status. Schlagwort: mehr Qualität statt Quantität.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Die Zeiten des Ärgers sind vorbei und waren primär auf die Schnelligkeit im Netz fokussiert. Das Internet ist – wenn seitens Provider und Technik vorhanden – immer schnell genug.

Am meisten beeindruckt hat mich die Möglichkeit, in die Ferne mit lieben Menschen Kontakt zu halten, im Bedarfsfalle auch mit Bild und Ton!

Am meisten geärgert hat mich – und ärgert mich immer noch – die Freiheit, sich im Internet unter allerlei Pseudonymen in einer Form zu äußern, die früher nicht weniger deutlich, aber mit erkennbaren Menschen verbunden und damit auch zuordenbar war.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.horizont.de,

www.meedia.de

Damit ist die für mich „vergangene“ Mediawelt sehr gut abgebildet.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Die Rede des Preisträgers des Friedenspreises der Deutschen Buchhandels – Navid Kermani. Mit der aus meiner Sicht markantesten Feststellung in Richtung Islam, aber auch meiner Sicht auch JEDER anderen Religion: Wer seine Religion nicht hinterfragt, mit ihr hadert, sie kritisch hinterfragt – der liebt sie nicht!

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Ich lese kaum Bücher. Aber Inspiration habe ich genügend.

Auf Basis meiner Begegnung mit anderen Menschen.

Dennoch habe ich auf einer meiner letzten Reisen durch die schönen Gegenden Deutschlands in Tirschenreuth in einer Buchhandlung folgendes Buch entdeckt: „Handbuch für AMERIKANISCHE SOLDATEN in DEUTSCHLAND 1944“.  Dieser von der Morale Service Division im amerikanischen Kriegsministerium verfasste Pocket Guide ist insofern für mich eine außergewöhnliche Veröffentlichung, als sie bereits 1944 verfasst und im Laufe der letzten Kriegsmonate den amerikanischen Soldaten übergeben wurde. Mit dem klaren Ziel, im Rahmen der vorhergesehenen Übernahme der Verantwortung in Deutschland Aufklärung und Anleitung zur Rückkehr zu von Amerikanern Deutschland unterstellten Vor-Hitler-Werten anstatt Vergeltung zu praktizieren.

Für mich ein Werk, das im Rahmen der Zeitgeschichte sicherlich keinen Pulitzerpreis verdient, aber doch eine im höchsten Maße ungewöhnliche Sichtweise im Umfeld kriegerischer Auseinandersetzungen dokumentiert.

Aber sicherlich lesen Interessierte am besten selbst (siehe oben).

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ist schon sehr lange her. Damals habe ich Elefanten gesammelt.

Aber: ich lerne jeden Tag dazu. Einfach nur durchs Leben.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Eigentlich wollte ich antworten: Mein Kopf!

Aber die Antwort ist ja ausgeklammert.

Dann bleibt mir als Antwort: mein Gehirn.

Denn das Denken und die Möglichkeit es tun zu können und zu dürfen, ist für mich wesentlicher Bestandteil meines Lebens.

UND: der von mir so heißgeliebte „gesunde Menschenverstand“. Vom Begriff her sicherlich veraltet. Aber vom Anspruch her aus meiner Sicht existentieller Bestandteil für ein gedeihliches Leben miteinander.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Ein Blick ganz weit zurück und ein Stück – sehr emotionaler –  Erinnerung: Vor knapp 30 Jahren habe ich Michael Walter kennen gelernt, der sich nicht zu schade war, mich mit meinen knapp 30 Lebensjahren bei Gruner und Jahr zu empfangen, um mit mir über die Möglichkeiten des Marketing-Service bei (Fach-) Verlagen zu reden. Diese Offenheit  mir gegenüber – als Youngster in der Arbeits-und Mediawelt – war prägend für meine gebliebene Einstellung und Überzeugung, dass der Austausch zwischen den Generationen konstruktiv für die soziale und mediale Entwicklung zu sehen ist.

Somit lerne ich heute imme noch gerne dazu. Bin aber gleichzeitig bereit, meine Erfahrungen an junge Menschen weiter zu geben. Und dabei wiederum zu lernen!

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.