Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Nils T. Kohle – Prantos digital

Nils T. Kohle Prantos digitalWer ist Nils T. Kohle? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Zurückhaltend, bodenständig, sehr analytisch und vorausschauend, mit einem Gespür für innovative digitale Strategien die man in mittelständischen, internationalen Unternehmen entwickeln und auch umsetzen kann. Mir fallen also tausend Dinge ein, wenn ich neue Informationen bekomme und kann die durch meinen fachlichen (digitalen) Hintergrund sehr gut einschätzen und dann in Unternehmen implementieren.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich nutze möglichst wenig digitale Tools, die einem die Zeit rauben. Bspw. kein Whatsapp (45min. durchschnittliche Nutzungszeit), da die meisten Nachrichten dort irrelevant sind. Das nervt manch einen natürlich schon, wenn man eine SMS schreiben muss, um mich zu erreichen ;-).

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

www.prantos.com) führen die digitale Transformation von mittelständischen, international aufgestellten Unternehmen durch.

Wir heißt in diesem Falle ich als Person. Alle anderen sind externe Partner, die je nach Bedarf mit an Bord kommen, wenn es beim Kunden keine internen Ressourcen hierzu gibt.

Das heißt wir starten mit der Strategie in Zusammenarbeit mit den führenden Köpfen im Unternehmen und entwickeln in einigen Monaten einen Plan über die Ziele, Formen der Zusammenarbeit und die detaillierte Umsetzung. Anschließend wird diese Strategie im Unternehmen implementiert.

Das fängt mit der Auswahl des Teams an und dann folgt der Aufbau einer entsprechenden Unit, die Definition der Prozesse, Auswahl von Systemen und Partnern für die Implementierung und dann die gesamte Kommunikationsvorbereitung und –umsetzung. Final nach der erfolgreichen Umsetzung wird dann die Übergabe an eine Person im oberen Management des Unternehmens durchgeführt, die diese Unit in Zukunft führen wird.

Das Ganze dauert meistens mindestens zwei Jahre, da viele vorhandene Ansätze integriert werden müssen und die Strategie nie gleich ist, da Produkte und internationale Ausrichtungen nie dieselben sind.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Best Practice ist die digitale Transformation von Engel&Völkers mit mehr als 600 Lizenzpartnern in 39 Ländern. Eine sehr umfangreiche Aufgabe, angefangen von der Strategiedefinition über den Aufbau der internen Unit und der entsprechenden Tools bis zum globalen Roll-Out.

Entsprechende Zahlen kann ich leider nicht nennen, da diese nicht öffentlich verfügbar sind. Die Anzahl der online generierten Leads und die Sichtbarkeit der Brand (online) in den einzelnen lokalen Märkten ist aber drastisch gestiegen. Zudem wurden diverse strategische Ziele erreicht, die in Zukunft das Wachstum deutlich erleichtern und verstärken.

www.prantos.com verfasst.

Die wichtigsten Learnings aus Projekten der digitalen Transformation:

Das Management Board muss die Initiative ergreifen (Top-down)

Es ist ein Change-Prozess für das gesamte Unternehmen, die transparente Kommunikation über die Herausforderungen und Chancen ist einer der wichtigsten Aufgaben, hier fällt in der Regel auch die meiste Arbeit an. D.h. es liegt an den handelnden Personen.

In der Strategie spielt die zukünftige Ausrichtung des Business Modells eine sehr große Rolle, dieses muss zum bestehenden Business Modell passen und dieses bestenfalls unterstützen oder mindestens ergänzen.

IT spielt natürlich eine Rolle, es ist aber kein Prozess, der von der IT Abteilung gesteuert werden kann. Diese spielt hinter den Prozessen eine eher untergeordnete Rolle und wird dann relevanter in der Umsetzung.

Transformations-Projekte erzeugen anfangs einen sehr starken Gegenwind, dieser kann aber entsprechend berücksichtigt und gesteuert werden, damit Ängsten und Sorgen zuvorgekommen wird.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Digitalisierung sehe ich weniger kritisch. Zwar sind viele Unternehmen noch auf einem langen Weg dorthin, aber das Thema ist erkannt und wird sukzessive adressiert.

Eine kritische Entwicklung ist für mich das Thema „Privacy“ und Datenschutz im weiteren Sinne. Ich sehe eine starke Entkoppelung zwischen Wissenden, d.h. denjenigen die wissen, was mit ihren Daten basiert und das einigermaßen steuern und der großen Mehrheit der Unwissenden, die den schnellen Entwicklungen nicht mehr folgen können und nicht wissen, was mit ihren Daten passiert und wer auf einmal alles was über sie weiß. Gerade im Bereich Versicherungen und Gesundheit gibt es sehr große Chancen in der Digitalisierung, aber auch sehr kritische Risiken für den Einzelnen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich denke, dass wir in Deutschland / Europa gerade viele wichtige Themen angehen und adressieren, die in eine interessante aber aus meiner Sicht sinnvolle Richtung gehen. Wegweisend sind hier die Urteile zum Thema Safe Harbour und Facebook, d.h. die Aufbewahrung der Daten im Ursprungsland und auch die Netzneutralität mit der kürzlich erfolgten Absegnung durch das Europäische Parlament. Gerade letzteres wird – trotz des Klagens einiger Personen und Unternehmen – dazu führen, dass die ökonomische Basis für den Bestand von Unternehmen weggehen wird von reiner Größe und damit monopolistischen Ansätzen hin zu in sich profitablen Geschäftsmodellen mit zahlenden Kunden für Produkte / Leistungen, sowie bislang auch in der analogen Welt. Den Sprung bei der Bereitschaft von Nutzern, für die Lieferung von digitalen Inhalten zu bezahlen, wird durch Entgelte gefördert werden, da die Gleichung ‚Mehr Bandbreite = mehr Kosten‘ einfach zu verstehen ist und dadurch zu einer stärkeren Nutzung von Premium Services führen wird. Zum Vorteil aller, auch der Netzwerk-Infrastruktur-Lieferanten, die stärker investieren können und dafür bezahlt werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Unser Markt sind international agierende Unternehmen, die sich digital positionieren wollen oder müssen. Da die Anzahl der Fachkräfte mit weitergehendem Know-How noch sehr gering ist, tut sich zwangsweise die Frage auf wie man nach einer gelungenen digitalen Transformation das Projekt in internen Units weiterführt. Diese Herausforderung wird nur über stärkere Weiterbildung (hier kann ich das von der IMD und Cisco ins Leben gerufene Global Center for Digital Business Transformation in Lausanne empfehlen (Link siehe unten).

Herausforderung für unsere Firma:

Wir müssen ständig up-to-date bleiben mit den entsprechenden Entwicklungen und verstehen wohin der Markt geht. Dazu müssen wir die existierenden Business Modelle unserer Kunden verstehen um mit diesen zu einer entsprechenden Lösung zu kommen, die wir strategisch dann umsetzen können.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Gefreut: Die Vereinfachung vieler Prozesse und Tätigkeiten, die früher oftmals lange Zeit in Anspruch nahmen.

Geärgert: Eigentlich nur nicht sauber funktionierende Seiten und der mangelnde Empfang an vielen Punkten der Welt, wenn man unterwegs ist. SaaS ist für mich kaum nutzbar, sofern nicht offline verfügbar.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

https://www.cbinsights.com/ – Extrem viele Daten und interessante Entwicklungen im VC Bereich

@mwade100).

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Die digitale Transformation einer Schweizer Ski-Destination

http://www.prantos.com/#!Digitally-transforming-the-Swiss-ski-destination-SaasFee-Saastal/c11dd/55f545d00cf24e84f7689ec9

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„Play it again“ von Alan Rusbridger, bis vor kurzem CEO des Guardian (UK) darüber wie man es schafft, neben der kompletten Transformation eines Unternehmens noch eine der schwersten Chopin Balladen zu lernen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Das Kellogg/WHU Global Executive MBA Studium – Der Mehrwert und die erweiterten Insights sind extrem hilfreich und erfrischend. Bei den meisten Konferenzen sind mir die Inhalte zu flach und zu sehr im Detail anstatt auf das Big-Picture und Strategien einzugehen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Offline gehen. Führt zu irrsinnigen Produktivitätsgewinnen.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Gelernt habe ich bislang am meisten von meinen Professoren Michael Wade und Mohan Sahwney von Kellogg. Zusammenarbeiten würde ich am liebsten einmal mit Peter Brabeck-Letmathe, ehemaliger Nestle CEO und jetziger Vorsitzender des Verwaltungsrat zum Thema Vision in Bezug auf deren GLOBE Programm vor einigen Jahren.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.