Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Nico Nabholz – ITstrategen GmbH

Nico Nabholz ITstrategen GmbHWer ist Nico Nabholz? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

ITstrategen gekommen. Hier leite ich vor allem zwei unserer großen Projekte und kümmere mich nebenbei um einige Linux-Server und was eben sonst noch so alles anfällt in einer kleinen Firma.

In meiner Freizeit betreue ich zusammen mit Céline mittlerweile zwölf Bienenstöcke und sitze oft mit Fernsteuerung und Datenbrille auf meinem Camping-Stuhl in irgendeinem Acker während mein Video-gesteuertes Modellflugzeug 100 Meter weiter gerade so zwischen zwei Bäumen durchfliegt. Oder eben nicht und dann heißt es Bastelabend!

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich steh‘ total auf den Orangeton des ersten Körperrings meiner Buckfast-Bienen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir gießen komplexe Anforderungen in PHP-Code und machen am liebsten auch gleich das Hosting dafür, damit es richtig gemacht wird und unsere Kunden sich nicht selbst darum kümmern müssen. Das machen wir ziemlich gut, weil wir uns von Idee bis zum Go-Live in unsere Kunden versetzen und versuchen, ihre Strategien und die davon abgeleiteten Ziele zu verstehen. Somit können wir oft wesentlich bessere Detailentscheidungen treffen als durch die reine Lektüre eines Lastenhefts.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Vor einer Weile haben wir im Rahmen eines Projekts die Aufgabe bekommen, eine Funktion zur Produktion von PDF-Dateien zu erstellen, die den Kunden unseres Kunden automatisiert erstellt per E-Mail zugestellt werden. Unser Kunde wollte die Vorlagen kurzfristig ändern lassen können, die Inhalte sollten aus einer Datenbank kommen. Bei der Besprechung zur Definition dieser Inhalte wurde festgehalten, dass alle Vertriebsmarken des Kunden die gleichen Vorlagen nutzen sollen und dass wir außerdem sehr wenig Zeit für die Implementierung haben werden.

Aus früheren Strategie-Besprechungen wussten wir schon, dass früher oder später andere Vertriebsmarken angebunden werden. Und weil wir zu diesem Zeitpunkt dort schon mit Mitarbeitern gesprochen und deren Ideen und Vorstellungen gehört hatten, erschien es uns durchaus möglich, dass künftig doch unterschiedliche Vorlagen nötig werden könnten.

Also haben wir die Köpfe zusammengesteckt und uns ein System ausgedacht, wie wir mit viel schon vorhandener freier Software auf einem Linux-Server in kurzer Zeit ein System auf die Beine stellen können, das es einerseits dem Kunden künftig erlaubt, die Vorlagen gleich selbst zu ändern und andererseits auch mit nach Vertriebsmarken getrennten Vorlagen umgehen kann, falls das in der Zukunft gefordert wird.

Dabei haben wir einfach LibreOffice für das Ändern der ODT-basierten Vorlagen auf den Rechnern des Kunden installiert und LibreOffice auf dem Server mit Skripten gesteuert, um automatisch PDFs zu erzeugen, nachdem wir im XML der ODT-Dateien Platzhalter mit Datenbankinhalten ersetzt haben – %ganz_simpel%.

Es hat keine vier Wochen gedauert, bis klar wurde: Wir brauchen unterschiedliche Vorlagen! Eine Stunde später war das implementiert – so schnell, dass der Kunde nicht mal mitbekommen hat, wie das alles gelaufen ist.

Vorausdenken und Verstehen machen Kunden glücklich.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Ich denke, wir leben eher digital. Fast alle Daten und Dokumente liegen bei uns von Anfang bis Ende nur digital vor. Dabei setzen wir voll auf unsere eigene Cloud in einem High-Speed Rechenzentrum hier in Karlsruhe. Da liegen auch die Daten unserer Kunden und wir fahren oft mit ihnen hin und lassen sie die Hardware anfassen, mit der wir ihre Schätze hüten.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? (Welche Entwicklungen siehst Du kritisch, welche als Chance?)

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Computer dringen seit Jahrzehnten in immer mehr Bereiche des täglichen Lebens vor – das ist längst kein Geheimnis mehr. In letzter Zeit bekommen wir aber alle immer öfter zu spüren, was es heißt, wenn solche Lösungen nicht gut gemacht oder sogar unsicher sind. Bisher hat sich der Schaden darauf beschränkt, dass Fremde unsere E-Mails lesen oder unser Bankkonto noch leerer räumen. Bald aber werden wir wissen, wie es ist, wenn während des Sommerurlaubs wieder mal der Kühlschrank über eine Sicherheitslücke ausgeschaltet wurde oder eine Flotte gecrackter Autos von Geisterhand gesteuert ein Verkehrschaos verursacht oder Menschen verletzt.

Wer wird haften? Werden Unit-Tests und Code Audits bald gesetzlich vorgeschrieben sein? Wird das einen Unterschied machen?

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Ich denke nicht, dass Deutschland oder Europa vor anderen Herausforderungen steht als der Rest der Welt. Facebook und Google machen mir aus Business-Sicht keine Angst, weil mittlerweile jeder wissen kann, was dahinter steckt – wenn er es wissen möchte. Daraus ergeben sich für kleine Marktteilnehmer viele Chancen und wenn die Netzwirtschaft eins gezeigt hat, dann doch die Tatsache, dass einer, der heute noch ganz klein ist, morgen schon einen Markt beherrschen kann.

Herausforderung für unseren Markt:

Kunden verstehen und Komplexität beherrschen, langfristig statt kurzfristig denken, technisch am Ball bleiben. Haben sicher unsere Großväter damals auch schon gesagt.

Herausforderung für unsere Firma:

Um unsere Effizienz weiter zu steigern und unseren Kunden künftig einen noch besseren Service bieten zu können, müssen wir noch ein wenig wachsen. Das bringt schnell die bekannten Skalierungsprobleme mit sich und die gilt es zu meistern. Wir stellen uns ständig die Frage, was uns ausmacht und wie wir das auch künftig erhalten können. Aber auch das ist durchaus machbar!

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Als Google den Google Reader einfach eingestellt hat, hab ich mich erst sehr geärgert, weil ich jahrelang alle meine RSS-Feeds und Nachrichten damit verwaltet habe. Dass es nach der Ankündigung plötzlich ganz viele noch viel bessere Alternativen gab und ich endlich mein Google-Konto löschen konnte, hat mich dann sehr gefreut.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich hätte gerne eine gute App für die Suche nach Immobilien. Alles was es am Markt gibt, ist eine Frechheit. Ich möchte Suchen definieren und neue Treffer übersichtlich angezeigt bekommen. Ich möchte nach sinnvollen Kriterien suchen können: Ortsrand, Fahrzeit zu Adresse X, Umgebungskriterien (Natur, Stadt, Felder, Seen, Berge…) und andere Dinge, die Sinn machen. Maximale Zimmeranzahl oder minimale Kosten zählen nicht dazu. Und ich möchte durch eine Straße gehen können und eine Gegend oder nur ein Haus, die mir gefallen, markieren können, um benachrichtigt zu werden, wenn es da künftig Angebote gibt.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

  1. einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.heise.de). Die Chancen sind gut, dass man da irgendwann alle wichtigen Dinge in Sachen IT und Internet mitbekommt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

https://www.schneier.com/blog/archives/2015/08/nicholas_weaver_1.html

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Getting Real“ von 37signals/Basecamp: https://basecamp.com/books

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Ein Vortrag zum Video-Modellflug (FPV), den ich auf dem Barcamp in Karlsruhe gehalten habe, hat mir gezeigt, dass es selbst für exotische Themen immer Interessenten gibt. Diese Neugier ist eins der Dinge, die ich an uns Menschen mit am meisten mag.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Die Terminal.app von Mac OS!

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten?

Definitiv Bruce Schneier! Das wär toll. Wo kann ich mich anmelden?