Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Mathias Weitbrecht -Visual Facilitators

Mathias Weitbrecht Visual FacilitatorsWer ist Mathias Weitbrecht? bitte stell dich doch mal kurz vor.

Visual Facilitators, einem Unternehmen, das Visualisierung für Events aller Art, jeder Größe und an jeden Ort anbietet. Komplexe Zusammenhänge visuell darzustellen ist inzwischen eine Schlüsselkompetenz geworden in der sich immer schneller verändernden Welt. Veränderung, Wandel, Zukunftsgestaltung braucht neue Methoden und dabei ist mein Beitrag, zusammen mit meinem Team, eben Visualisierung.

Wir haben ein Büro in Hamburg und ein Team von 16 Leuten quer durch Deutschland und in der Schweiz. Ich habe viel von der Welt gesehen, habe fast 70 Länder bereist und mich tatsächlich zweimal im Leben komplett neu erfunden, bis ich zu dem kam, was ich heute mache. So habe ich Veränderung an mir selbst erlebt und dennoch gibt es einen roten Faden durch diese vielen Stationen hindurch.

Die heutige Tätigkeit mit Visual Facilitators ist eine sehr erfüllende Aufgabe, weil wir damit praktisch mit jeder Branche, jeder Unternehmensgröße, jeder Herausforderung, jeder Art von Meeting oder Event oder Kommunikation arbeiten können. Und einen wirklichen Beitrag liefern.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Einen Spleen? Keine Ahnung. Aber ich meditiere – doch das ist das Gegenteil eines Spleens. Es fördert  mich darin, die hohe Bewusstheit und Multiperspektivität zu haben, die eben das erlaubt was ich soeben beschrieben habe. Vor allem das Liefern eines wirklichen Beitrags für eine neue, bessere Welt.

Elevator Pitch! Was macht eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt eure super power?

Wir begleiten Veränderung mit Visualisierung. Wenn Menschen sich treffen, um über etwas zu sprechen , mangelt es oft an Überblick und an einer nachhaltigen Dokumentation.  Wenn wir zum Beispiel in einem Meeting sitzen, so scheint oft das, was „am lautesten schreit“ oder das, was kurze Zeit zurückliegt, am Wichtigsten zu sein. Das ist aber oft nicht so. Wir können also ein Verständnis darüber, wie unser Gehirn und unsere Kommunikation funktionieren, einsetzen. Das beinhaltet Bilder, und diese visualisieren wir, um alles auf ein „Big Picture“ zu bringen.

Das bieten wir in einer passiven Variante an: Graphic Recording, ein visuelles Protokoll. Oder in einer aktiven Form, Graphic Facilitation, wo der Visualisierer auch Facilitator ist und die Gruppe in Richtung eines Ergebnisses führt und dabei gleichzeitig visualisiert.

Weiterhin fertigen wir große Lernlandkarten, Dialogbilder und auch die im Netz viel sichtbaren handgezeichneten Erklärfilme an.

Unsere Super Power liegt darin, eine Gruppe durch visuelle Mittel zu einer Art Tipping Point führen zu können, wo dann echte Veränderung passiert.  Wir stellen also eine über das einzelne Bewusstsein hinausgehende kollektive Intelligenz her und schaffen die Bedingungen für Co-Kreation. Wir fügen uns damit lückenlos ein in eine Vielzahl von neuen Methoden, die derzeit entstehen – ob partizipativ,  agil oder integral.  Die Super Power liegt auch darin, dass wir mit unserer Arbeit Brücken bauen, d.h. Disziplinen vernetzen, Silos in Organisationen miteinander verbinden, kulturübergreifend wirken können und selbst in den trockensten und Kopf-basiertesten Welten Herzen berühren können. Das wirkt!

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Erstmal stehen wir natürlich für Handarbeit – Papier und Stift. Doch natürlich sind wir sehr offen für digitale Tools und Prozesse. Und das überlegt eingesetzt – less is more. So führen wir nach und nach Onlineplattformen zur Zusammenarbeit ein, immer aber flankiert von echten interpersonellen Werten im Sinne eines „Wir“. Sind die digitalen Tools kein Selbstzweck, so wirken sie am besten, denke ich. In unserer Visualisierungstätigkeit arbeiten wir auch digital und zeichnen auf iPads und großen Grafiktabletts. Evtl. kommen einmal Onlineangebote in der Zukunft, doch da verraten wir noch nichts!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Nahezu jeder unserer Kunden spricht von Digitalisierung und Disruption. Dadurch dass wir hunderte Unternehmen gehört haben und ihre Meetings begleitet haben, haben wir einen unglaublichen Überblick, was Menschen dazu sagen. D.h. wir haben ganz ganz viele Perspektiven kennen gelernt auf dieselben Themen. Ich glaube, dass die Lösung solcher Herausforderung darin besteht, multiperspektivisch zu sein. Die Zeit des Entweder-Oder ist vorbei.

Ganz sicher liegt eine der größten Herausforderung darin, dass sich die Technologie rasant entwickelt (das ist erst mal nichts Negatives) gleichzeitig aber die Governance signifikant langsamer entwickelt, d.h. die Art und Weise wie Menschen Entscheidungen treffen, miteinander sind, bis hin zur Gesetzgebung.

Eine weitere Herausforderung betrifft das Bewusstsein. Lösungen für globale Herausforderungen, wofür es keine globale Entscheidungsstruktur gibt, brauchen z.B.  ein sehr hoch entwickeltes Bewusstsein – das heißt sehr weit entwickelte Menschen. Andererseits sieht man im Massenbewusstsein auch gegenteilige Tendenzen: Menschen sind weniger als früher in der Lage lange Texte zu lesen, sich zu fokussieren, in ihrem Körper zu sein,  Miteinander in Beziehung zu sein.

Ich glaube, wenn es hier im individuellen Bewusstsein, als auch im Bereich Leadership Bewusstsein eine Art „Update“ gibt, dann kann die Frage nach den Herausforderung für Wirtschaft und Markt ganz einfach beantwortet werden, und zwar positiv – die Dinge entwickeln sich zum Besseren.

Wir selbst als Firma sind natürlich auch gefordert, uns ständig zu verändern. Persönlich als auch mit unserem Angebot. Unter anderem haben wir den hohen Wert, dass wir nicht nur zusammen arbeiten sondern auch zusammen wachsen, uns also persönlich weiterentwickeln und gegenseitig fördern.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Mich persönlich haben das Ausmaß der Datenspionage und die Angriffe auf die Privatsphäre sehr berührt. Es gibt tatsächlich ein „vor Snowden „und ein „danach“. Ich bin viel in den USA und kenne von innen, wie dort damit umgegangen wird und der Unterschied zu Deutschland ist sehr groß. Da ist noch viel Arbeit zu leisten, denke ich. Der persönliche Schutz ist machbar, aber darum geht es nicht. Es geht um fundamentale Angriffe auf Freiheit, Demokratie und Persönlichkeitsrechte.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

Zwei Artikel von Otto Scharmer über die Flüchtlings“krise“ und die Attentate von Paris im November 2015.

http://www.huffingtonpost.com/otto-scharmer/shifting-the-logic-of-col_b_8100068.html

Otto Scharmer: Paris: Shifting the Heart of the Collective

http://www.huffingtonpost.com/otto-scharmer/parisshifting-the-heart-o_b_8591364.html

ein spannendes Buch, das dich inspiriert hat

www.j.mp/re-org-d) Dieses bahnbrechende Buch beschreibt ein neues, sich entwickelndes Muster in der Art und Weise  zusammenzuarbeiten bzw. Organisationen zu führen. Es scheint sich da etwas zu manifestieren was „the next big thing“ in der langen Reihe von Agrarzeitalter, Industriezeitalter, Informationszeitalter – d.h. das was jetzt danach kommt. Das Buch enthält Beispiele von echten, teilweise sehr bekannten Unternehmen, die nach gänzlich neuen Prinzipien arbeiten. Entdeckenswert!

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

www.instapaper.com)

https://itunes.apple.com/us/app/pomodoro-pro-work-break-timer/id966415847?mt=8)

www.iawaketechnologies.com)

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich würde einmal gerne mit Otto Scharmer arbeiten, ein deutscher Wissenschaftler der am MIT lehrt. Er ist der Urheber der “Theory U”, einem Transformationsprozess für Projekte, Teams und Leadership-Fragen. Damit können unbewusste und unproduktive Mustern in Bewusstheit und Präsenz gebracht werden. Es ist eine “Social Innovation”-Methode, wunderbar passend für die heutigen globalen Herausforderungen. Otto hat diese auch in sogenannten MOOCs (Massive Open Online Courses) gelehrt mit zehntausenden Teilnehmern in ca. 190 Ländern. Visuelle Methoden und solche Ansätze ergänzen sich wunderbar.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.