Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Martin Kahl – aussenborder.TV

Martin Kahl aussenborder.TVWer ist Martin Kahl? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

aussenborder.TV, einer 2011 gegründeten Hamburger Filmproduktion mit Schwerpunkt auf Corporate Storytelling.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Mein Spleen – eigentlich mehr als das – ist die Musik. Ich bin leidenschaftlicher Schlagzeuger und habe eine eigene Funk-Band („Uebertribe“), mit der wir unlängst unsere erste 7 Inch Vinylsingle aufgenommen und veröffentlicht haben.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir konzipieren, drehen, schneiden und animieren Filme, i.d.R. für das Internet – mit Schwerpunkt auf Corporate Stories. D.h. wir erzählen am liebsten Geschichten aus, über und für Unternehmen, die mit spannendem und interessantem Content für ihre Marke begeistern wollen. Dazu gehören auch animierte Erklärfilme. Darüber hinaus setzen wir Formate wie Produktvideos und Imagefilme für mittelständische Unternehmen oder Event-Visuals wie bspw. für die Online Marketing Rockstars um. Content Marketing kann aber auch bedeuten: Kochshows oder Rezeptvideos. Wir schätzen und lieben da die Abwechslung. Besonders dabei: als Filmemacher einer neuen Generation übernehmen wir i.d.R. alle Bereiche der Produktion und Postproduktion selbst, so dass die Prozesse schlank, schnell, persönlich und effizient gehalten werden. Außerdem beraten wir auch marketingstrategisch.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Besonders hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang zwei Projekte: zum Einen die „Bergamont Teamstories“, eine Reihe von Portraits von Bergamont Teamfahrern, die mit einem Best-of-Corporate Publishing Silver-Award ausgezeichnet wurde. Ein – wie offenbar nicht nur wir finden – schönes Beispiel für emotionales, gut gemachtes Content Marketing, dass die Menschen, die das Produkt (Mountainbike) benutzen, in den Mittelpunkt stellt und das, was damit erleben kann. Das zahlt sehr authentisch auf die Marke ein, im Gegensatz als der Hochglanz-Produkt-Werbespot, den ich als Ergänzung durchaus sinnvoll finde, aber nach einer anderen Mechanik funktioniert und rezipiert wird. Das andere Filmprojekt ist „The Rhythm of DB Schenker“, ein Viralvideo mit dem österreichischen Multipercussionisten Martin Grubinger, das die Partnerschaft zwischen Sponsor und Percussionisten auf unterhaltsame Art und Weise aufgreift. Der Spot ein rhythmisches Musikvideo der besonderen Art:

 Der Viralspot ist gerade mit einem German Design Award 2016 ausgezeichnet worden. Das hat uns besonders gefreut. Warum? Gedreht wurde lediglich an 1,5 Tagen mit einem kleinen Drei-Mann-Team inkl. Regie. Man kann also auch ohne Riesenbudget tolle und einzigartige Filme machen und viel Aufmerksamkeit erreichen – wenn die Idee bzw. der Content relevant und besonders ist.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

In Zeiten von Terrorismus, den wir ja gerade erleben, sicherlich die Frage: wie können wir uns ein freies und damit auch anonymes Netz gewährleisten, ohne das es für die terroristische Kommunikation missbraucht werden kann. Datenschutz wird hier – wieder einmal – zu einem großen Thema.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Viele der großen Netzwerke, über die Werbung und Marketing betrieben wird, und die benutzerbezogene, persönliche Daten erheben, kommen aus den USA. Diese Daten unterliegen erstmal auch amerikanischen Datenschutzgesetzen. Die Herausforderung für die europäische Netzwirtschaft liegt aus meiner Sicht darin, hier klare Regelungen zur Verwendung dieser Daten zu finden, sich aber auch durch eigene Innovationskraft, Startups und Netzunternehmen unabhängiger zu machen. Ich hätte nichts gegen ein deutsches oder zumindest euopäisches „PayPal“, „Facebook“, „Instagram“ o.ä. – immerhin haben wir ja „Xing“…

Herausforderung für unsxeren Markt:

Für das filmproduzierende Gewerbe gibt es viele Chancen durch die weiter wachsende Netzwirtschaft: der ständige Ausbau der Netze ermöglicht immer mehr Bandbreite, was natürlich Rückenwind für’s Videostreaming im Netz darstellt – das klassische Fernsehen bekommt ja schon jetzt starke Konkurrenz durch YouTuber und Serien, die nur noch im Netz gesendet werden, ob jetzt werbefinanzierte, „freie“ Projekte wie z.B. Rocketbeans.tv oder durch Unternehmen, die selbst auf Sendung gehen, und hochwertig produzierte On-Demand-Videos anbieten wie BMW oder Mercedes oder Unternehmen, die gar im klassischen TV und im Netz rund um die Uhr senden wie das Redbull Mediahouse inkl. Servus TV. Damit steigt der Bedarf an hochwertigem Bewegtbild-Content.

Herausforderung für unsere Firma:

Immer mehr Unternehmen werden selbst zu Contentproduzenten und publizieren Artikel und Videos im Netz – und das ist auch gut so. Denn Videos können wie kein anderes Medium Authentizität vermitteln und Emotionen transportieren. Immer mehr Unternehmen ergreifen diese Chance. Die erste Herausforderung dabei ist, professionellen Content zu erstellen. Dabei helfen wir sehr gerne. Die weitere Herausforderung liegt dann darin, die verschiedenen Marketing-Kanäle so kombinieren, dass dieser Content auch sichtbar wird. Das ist insbesondere für kleinere Unternehmen manchmal gar nicht so leicht. Hier gilt es, strategisch gut zu beraten und immer den Marketing-Mix im Auge zu behalten. Für uns heißt das, unserer Marketing-Wissen immmer auf dem neuesten Stand zu halten, neben unserer Kernaufgabe: Filme zu machen, die Auftraggeber und die Zielgruppe umhauen 😉

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Die Freude am Internet überwiegt bei weitem. Es gibt dort so gut wie immer die passende Info oder Lösung zu einem Problem. Manchmal muss man ein bisschen suchen, aber i.d.R. hilft das Netz immer weiter. Letztens habe ich mit einer Anleitung aus dem Netz sogar meine Spülmaschine erfolgreich repariert und sie damit vor dem sicheren Tod bewahrt. Es gibt einfach kaum ein Problem, dass nicht jemand Anderes schon hatte, und dazu die Lösung im Netz kommuniziert hat. Einfach genial. Am meisten ärgern tut mich nervige Werbung und Email-Spam. Aber damit lässt sich leben. Und es gibt ja auch Gegenmaßnahmen, die man ergreifen kann.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.cpwissen.de Gute Quelle für Branchen-News Neuigkeiten aus den Content-Marketing Bereich

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://philipbloom.net/blog/worklife-2 Nicht mehr ganz taufrisch, aber immer noch aktuell: Gedanken eines hervorragenden Filmemachers zu dem Thema, das wir vermutlich alle kennen.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

„The Seven Habits of Highly Effective People“ von Stephen Covey. Sensationelles Buch.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Die „Online Marketing Rockstars“. Hier wird einmal im Jahr Marketing-Wissen pur vermittelt – die Macher haben die Nase im Wind. Und sind langjährige Kunden von uns (danke dafür).

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Das Smartphone – Fluch und Segen zugleich.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Philipp Bloom (s. auch Link oben). Sehr nahbarer und inspirierender Filmemacher aus England.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.