Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Martin Drichel – readymade Werbeagentur

Martin Drichel readymade Werbeagentur
Foto: Annika Drichel

Wer ist Martin Drichel? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Ich habe 1987 die readymade Werbeagentur in Bremen aus der Taufe gehoben, gleich nach dem Abschluß meines Studiums der Sozialwissenschaften. Also ein klassischer Quereinstieg im Prinzip – und ich hatte ein Bild voller Kontraste im Kopf: polarisierend, prägend und eindeutig motivierend. Aber meine konzeptionelle Sicht auf die Dinge, die Empathie für Zielgruppen und Märkte ist seitdem vorgezeichnet. Seit 2001 bin ich geschäftsführender Gesellschafter der readymade Werbeagentur GmbH.

Was viele vielleicht NICHT von mir wissen:

In Erinnerung an meine New Wave Helden der frühen 80er veröffentlichte ich mein Buch »The Story Of Joy Division« – eine Chronologie kurz nach dem Suizid von Ian Curtis. Heute ist es ein handverlesenes Stück Underground-Literatur und zählt zum Standard für die Fans der Band aus Manchester.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma, wo liegt Eure Superpower?

Wir gestalten Kataloge: Datenbank getrieben, offline oder online, B2C und B2B. Dabei würde ich den Bereich »Print« als unser erstes Standbein bezeichnen, denn unsere Expertise hat sich seit über 25 Jahren bewährt. Wir haben die grundlegenden digitalen Technologien im Einsatz, begleiten die Innovations-Schübe und entwickeln uns – auch gemeinsam mit dem Kunden – strategisch und kontinuierlich weiter.

Bei Online-Projekten gehört WordPress klar zu unserem Standbein Nummer 2. Aufwendige CMS-Projekte laufen hingegen mit Typo3. Wir sind sehr gut vernetzt und haben mit unseren ureigenen, speziellen Skills, z.B. Konzept und Gestaltung, Fotografie oder Video, ein überzeugendes Portfolio für unsere Kunden.

Wer ist Euer typischer Kunde?

Unser Kunde hat ein Produkt oder eine Dienstleistung, die er auf dem Markt etablieren will. Ich liebe die erklärungsbedürftigen Sortimente, die wir von vielen Seiten beleuchten dürfen. Oder StartUps, die viel Elan mitbringen und von unserer langjährigen Erfahrung profitieren können. Im Bereich unserer mittelständischen Kundschaft konzipieren oder justieren wir den crossmedialen Auftritt. Und auch hier wieder: die Chemie zwischen Auftraggeber und -nehmer muss stimmen, um effektiv arbeiten zu können! Heute ist das Gespräch mit dem Kunden durchaus eine harte Überzeugungsarbeit – den knappen Budgets geschuldet. Aber auch das ist natürlich reizvoll.

Die Social Media Landschaft hat sich in den letzten Jahren immer wieder verändert. Facebook ist aber nach wie vor einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Social Media Kanal.

Welche Eurer Facebook Kampagnen (oder Facebook Posts) war besonders erfolgreich? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ja – wir starten aktuell ein neues, superspannendes Projekt. Unser Kunde ist ein Startup im Bereich Lifestyle-Getränke. Die besondere Herausforderung dabei: es handelt sich um ein saisonales Produkt. Neben den Web-Sites wird es eine starke Präsenz in den Social Media Kanälen geben, die die Geschichte am Kochen hält. Aber mehr wird jetzt nicht verraten …

Welche Facebook Kampagnen (oder Facebook Posts) von anderen Unternehmen sollte man sich als “Best Practice” einmal anschauen? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

https://de-de.facebook.com/fluchtraum.bremen – und dann Flagge zeigen!

Stell Dir vor, Du hättest 3 Wünsche frei, die Dir Mark Zuckerberg bzgl. Facebook erfüllen würde. Was wären die?

Ich wünschte mir den »dislike« Button und eine facebook-Navigationslösung. Bestenfalls gekoppelt mit Parkplatzanzeige und automatisch einparken – direkt aus der iCloud ;-)).

Social Media hat Kommunikation in den letzten Jahren stark verändert. Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Ich sehe das Datensicherheitsproblem im Netz als elementare und globale Gefahr für Gesellschaft und Wirtschaft. Und zwar angelegt als einen Grossangriff auf politische Akteure jeder Couleur, Netzbetreibern usw. – bis hin zum allerhinterletzten WLAN-Router im privaten Bereich. Information und Des-Information sind kaum zu unterscheiden. Und es ist leicht, diese »Justierungen« an den zentralen Schnittstellen vorzunehmen. Schließlich erleben wir auch, dass jeden Tag ein anderes digitales »Schwein« durchs Dorf getrieben wird. Wir nehmen diese Manipulation kaum noch wahr – im Netz ist leider kein Platz für Wahrheit! Ob Griechenland, China, Til Schweiger, IS, Piloten, Obama oder Fernreisebusse – irgendwann – nach dem Hype – wird man sich eine Art »Kokon« zulegen, um geschützt zu kommunizieren und zu leben. Oder vielleicht werden wir alle wieder analog?! Mit echten Streicheleinheiten – das wäre ja mal eine sympathische Idee…

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst.

http://rafaltomal.com/blog/ Hier finden wir gesammeltes Wissen und zahlreiche Problemlösungen beim Einsatz von WordPress. Mein Spezi, der amerikanische Freelancer Rafal bezieht in seinem lesenswerten Blog Stellung zur WordPress-Design-Szene, gibt dabei praktische Lebenshilfe im Bereich Marketing für Programmierer und Anwender. Tolle Workarounds – immer wieder konstruktiv und emotional – mit einem Augenzwinkern! Das ganze hat er auch als Buch im Selbstverlag veröffentlicht. Respekt!

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mich würde ein Arbeitstag mit Thomas de Maizière reizen. Er gibt für mich, als der Bundesminister des Innern, oftmals eine sehr unglückliche Experten-Figur. Er wirkt marionettenhaft, phrasiert und wenig informiert. Ich würde gerne hinter die Kulissen schauen und lernen, wie politische Entscheidungsprozesse unterfüttert und deren Ergebnisse kommuniziert werden. Und wie man dann alles BESSER machen könnte! Ausserdem ist Berlin eine inspirierende Stadt – immer eine Reise wert. Ich schau dann auch gerne bei euch vorbei ;-))