Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Markus Lemke – plainText / FLOATING OFFICE BERLIN

Markus Lemke plainText / FLOATING OFFICE BERLINWer ist Markus Lemke? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin je nach Bedarf Grafiker, Texter, Konzeptioner oder Projektmanager – und nebenbei noch Vorstand im Texterverband – Fachverband freier Werbetexter e. V.. Nach dem Grafikstudium an der Kunstakademie Düsseldorf, hab ich als Screendesigner beim Fernsehen gearbeitet, dann ganz klassisch 10 Jahre im Marketing in der  IT- und Mobilfunkbranche. 2004 erfolgte die Gründung von plainText B2B Kommunikation in Bonn. Die Kunden: Unternehmen mit Schwerpunkt IT, Medizin und Industrie.

Heute arbeite ich ganz mobil, nomadisch und mit meiner virtuellen Agentur meistens von Berlin aus – und auf dem schwimmenden Büro-Boot WELLENLÄNGE in der Citymarina Rummelsburg. Dies ist gleichzeitig unser neuestes Projekt: The FLOATING OFFICE BERLIN, ein Designer-Seminarboot für Meetings, Seminare, Offsites und zum kreativen und konzentrierten Arbeiten auf dem Wasser.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Trotz oder gerade wegen der ganzen Digitalisierung mach ich gerade eine „Digital Detox“-Kur, lese die Sonntagszeitung auf der Parkbank und zeichne wieder mit Stift und Notizblock.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

plainText hat sich ganz auf B2B Kommunikation fokussiert – und das als virtuelle Agentur, projektbezogen, mit freien Kollegen und ganz ohne Ballast. Um völlig nomadisch und ortsungebunden arbeiten zu können, setzen wir ausschließlich cloudbasierter Software ein: von den Grafiktools über das Projektmanagement bis hin zur Buchhaltung. Vorteil für die Kunden: Hohe Effizienz und kurze Reaktionszeiten. Da ist es nur konsequent, dass wir auch anderen ermöglichen wollen, so zu arbeiten. Unser neuestes Projekt: FLOATING OFFICE BERLIN, ein Seminarboot und  eine eigens für das mobile Arbeiten gebaute schwimmende „Arbeitsplattform“ auf der Spree in Berlin. Ob Projektteam oder Führungskreis – wir laden ein, darauf zu arbeiten oder es tageweise für Meetings, Offsites, Workshops, Seminare oder Pressegespräche auf dem Wasser zu nutzen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Das Feedback zu unserem jüngsten Projekt Floating Office Berlin, dem schwimmenden Büro und Meetingplace auf der Spree, zeigt, dass wir hier ins Schwarze getroffen haben. Die Technik ist hier nur „Enabler“ und sorgt selbstverständlich und zuverlässig für die notwendige Kommunikationsinfrastruktur. Für alles andere, messbare Kundenzufriedenheit sowie erfolgreiche Meetings und Seminare, sorgt die kreative und konzentrierte Arbeitsatmosphäre auf dem Wasser. Unser Credo: Je attraktiver die Umgebung, desto konzentrierter und inspirierter die Stimmung unter den Teilnehmern – und desto besser die Ergebnisse. Das ist meiner Ansicht nach der entscheidende Mehrwert gegenüber den sonst üblichen Tagungs- und Veranstaltungsräumen in Hotels, Business Centern oder dem eigenen Konferenzraum.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung spielt eine große Rolle, und ist die Basis für unser Geschäftsmodell. Mein Büro besteht im Grunde aus Smartphone, Notebook und mobiler Hotspot. Wenn der Kunde wüsste, dass sein Geschäftsbericht zum großen Teil auf einer Parkbank und im Cafe entstanden ist…

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Es wird höchste Zeit für Industrie 4.0 entsprechend auch bei Behörden: Schluss mit Postsendungen und handschriftlich auszufüllenden Formularen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Gefahr durch Monopolisten – es gibt immer noch zu wenig Gründer, Tüftler, kleine Hightech-Firmen.

Herausforderung für unseren Markt:

Gute Ideen zählen nichts – nur die Umsetzung! Das gilt meiner Meinung nach umso mehr für die Kreativbranche, wo jeder am laufenden Band gute Ideen produziert.

Herausforderung für unsere Firma:

Alles hat seine Zeit, irgendwann ist ein Geschäftsmodell erschöpft, dann muss man das akzeptieren – das nächste Projekt wartet schon.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Geärgert: Google-Suche – Ergebnisse werden immer schlechter, statt besser

Gefreut:  die inzwischen erreichte Schnelligkeit und Zuverlässigkeit des mobilen Internets

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Endlich die Ablösung der E-Mail. (Vielleicht ist das ja JUST –siehe Antwort zur hilfreichsten Software weiter unten)

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

klonblog.de  – inspirierende Kreativ- und Designtrends in Werbung, Architektur, Fotografie etc.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Spannendes  Dossier „Die Recherche zur Zukunft der Arbeit“ in der SZ Online ganz unterschiedlichen Beiträgen und Diskussionsforen:

http://www.sueddeutsche.de/thema/Zukunft_der_Arbeit

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Es ist zwar schon etwas älter, aber „Microserfs“ von Douglas Coupland ist sehr witzig  und das Buch war damals schon als eine Art Blog formatiert. Beeindruckend fand ich Ethan, der seinen heißgeliebten Porsche verkauft, um das Startup zu  finanzieren.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich versuche einmal im Jahr zur Adobe Creative Conference zu gehen. Einmal referierte Erik Spiekerman dort nicht nur über Typografie, sondern auch zu Fragen der Arbeitsphilosophie sowie zur Einrichtung von Büros. Sein bestes Zitat war sinngemäß: „Ich stelle einfach keine Leute ein, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihre eigenen Büropflanzen mitbringen“

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Das ist ohne Frage Evernote mein digitaler Notizbock, der sich auf allen Plattformen synchronisiert – die Basis für nomadische Arbeiten. Auch gut finde ich Just, ein social network/Intranet – teste es gerade für die Vorstandsarbeit eines Texterverbandes: ein Hamburger Start-up, sehr sympathisch, aufgeräumt, bedienerfreundlich und es kommen ständig neue Features dazu.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Niemand aus meinem fachlichen Umfeld, lieber mit jemand aus einem ganz anderen Bereich. International tätige Architekten, Musiker, Dirigenten – Leute die immer unterwegs sind und mehrere Projekte gleichzeitig verfolgen. Etwas, wovon ich keine Ahnung habe, da lernt man am meisten.