Interview
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Interview mit Marko Prislin – Marko Prislin Consulting

Marko Prislin Marko Prislin ConsultingWer ist Marko Prislin? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

prislin.net) entwickle ich zusammen mit Unternehmern und dem Top-Management neue, nachhaltige und zukunftsorientierte Geschäftsstrategien, vorrangig im Bereich der digitalen Transformation. Meine Kunden sind hauptsächlich Premiummarken aus dem Mittelstand. Zudem bin ich einer der Top 100 Speaker der Speakers Excellence im Bereich Excellente Unternehmer und leite als Honorardozent den Kurs Digital Business an der Munich Business School. Zuvor habe ich drei Jahre die Kreativabteilung bei SapientNitro für den deutschsprachigen Raum geführt und mit den Prinzregenten eine preisgekrönte GWA-Markenagentur gegründet.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin absoluter Berg- und Outdoorfan und versuche möglichst viel Zeit auf den Isartrails oder in den Bergen zu verbingen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Superpower! Das klingt ja wie bei den Power Rangers! Ich bin Experte für Kundenerlebnisse, neudeutsch Customer Experience genannt, sehe die digitale Transformation also grundsätzlich aus der Endkundensicht. Außerdem spreche ich als managementerfahrener, grauhaariger Hase und Unternehmer auf Augenhöhe mit meinen Kunden. Kein Bullshit-Bingo. Klare Ansagen. Wie am Berg.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ich habe einem deutschen Premiumhandelsverband in der Einrichtungsindustrie geholfen eine komplett neue, zukunftsfähige, kundenzentrierte und vor allem digital orientierte Geschäftsstrategie zu entwickeln und umzusetzen. Hierbei haben wir gemeinsam zuerst das Selbstverständnis des Unternehmens hinterfragt. Denn ich bin der Meinung, dass eine Marke eine klare Haltung zeigen muss. Die der Kunde konsequent und konsistent an jedem Kontaktpunkt spüren sollte. Anschließend haben wir innerhalb des Kundenlebenszyklus jeden einzelnen Kontaktpunkt hinterfragt und verbessert. Teilweise mit digitalen Mitteln, teilweise analog. Erst dann sind wir in die für eine perfekte Customer Experience nötigen Prozesse dahinter eingestiegen. Inzwischen hat das Unternehmen eine neue Markenwelt inklusive neuem Brand Design, neue Einrichtungshäuser, ein überarbeitetes Produktangebot, eine deutlich kundenfokussiertere Vermarktungs- und Kundenbindungsstrategie und eine neue Prozesslandschaft mit neuer Warenwirtschaft.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die größte Herausforderung wird unser Umgang mit Daten sein. Aktuell wirkt die digitale Landschaft wie ein rechtsfreier Raum. Der wilde Westen des 21. Jahrhunderts sozusagen. Hier sind völlig neue Denkansätze gefragt. Denn mit den Glaubenssätzen des letzten Jahrtausends kommen wir hier nicht weiter. Ähnlich verhält es sich mit der Ausbeutung von (freien) Mitarbeitern bzw. Subunternehmern. Alleine die Diskussion um Uber zeigt, dass dringender Handlungsbedarf in jede Richtung besteht. Für unsere Zukunft ist es zwar unabdingbar kundenzentrierte Geschäftsmodelle zuzulassen, aber wir dürfen Menschen (und deren Daten) in unserer Gesellschaft auch nicht zu Freiwild werden lassen. Dazu stellt sich die Frage wie Politiker, die keinerlei Erfahrung mit der digitalen Welt haben, hierfür Lösungen entwickeln sollen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wie schaffen wir es wieder auf Augenhöhe mit den USA zu sein? Wie kommen wir wieder zu einer echten Innovationskultur zurück? Ich habe das Gefühl wir sind zu satt geworden. Es funktioniert ja alles. Es ist doch bezeichnend, wenn das größte und aktuell relevanteste Unternehmen in unserer Region und Branche nur Ideen aus anderen Märkten klaut. Ich würde mich dafür schämen. Tja, und selbst bei diesem Unternehmen ist noch lange nicht absehbar wann und wie sich das Geschäftsmodell wirklich nachhaltig entwickelt und auch profitabel wirtschaften kann. Zudem sehe ich die digitale Agenda unserer Regierung hoch kritisch. Solange bspw. die geplanten digitalen Kompetenzzentren ausschließlich an Hochschulen angesiedelt sind und nicht in der freien, startup-orientierten Wirtschaft, werden wir niemals auf die Überholspur kommen.

Herausforderung für unseren Markt:

Die Herausforderung für unseren Markt ist eindeutig der Fachkräftemangel. Vom Topmanagement bis hinunter zu den Nachwuchskräften haben wir viel zu wenig Potenzial. Studiengänge bilden sich erst, das mittlere Management ist in die Digitalisierung hineingewachsen, und das Topmanagement sitzt wie das Karnickel vor der Schlange. Zudem ist natürlich die im Vergleich zu den USA oder inzwischen auch Asien zögerliche Investitionsbereitschaft ein echtes Problem. Hier muss man beweisen, dass etwas funktionieren wird. In Kalifornien wird die Idee, und meistens sogar das Scheitern, belohnt.

Herausforderung für unsere Firma:

Ein ehemaliger Kollege von mir aus den USA hat sich vor einiger Zeit einmal als ‚Digital Evangelist’ bezeichnet. Ich komme mir genauso vor und bezeichne mich als ‚digitaler Missionar’. Es ist unglaublich, wie schwer es ist Unternehmer, gerade im Mittelstand, von der Notwendigkeit einer digitalen Transformation zu überzeugen. Während wir von links und rechts überholt werden. In diesem Sinne wäre es schön auf eine größere Bereitschaft zum Umdenken zu treffen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ich liebe sämtliche digitalen Komponenten der Lufthansa! Es sind für mich die besten der gesamten Flugbranche. Pro Flug spare ich mir im Gegensatz zu früher glatte 45 Minuten. Ich lege auch gerne mein Gepäck selbst aufs Band, wenn ich dafür nicht anstehen und anschließend auf griesgrämige Mitarbeiter treffen muss.
Am meisten ärgert mich die gnadenlose Technikhörigkeit und Prozessorientierung im Customer Service-Bereich. Wenn ich mich dazu entscheide Menschen durch technologische Komponenten zu ersetzen dann muss ich in der Lage sein meinem Kunden ein besseres, individuelleres Erlebnis zu bieten. Man trifft aber grundsätzlich nur auf miserables Kundenmanagement. Am Schlimmsten ist Kabel Deutschland. Als sie auf Facebook noch Kommentare zugelassen hatten sind alle paar Sekunden Negativmeldungen von massiv frustrierten Kunden eingetrudelt. Und was haben sie gemacht? Richtig, die Kommentarfunktion abgestellt.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich schätze die Harvard Business Review mit sämtlichen Einzelkomponenten. Dort finde ich einen hervorragend recherchierten Mix aus geschäftsrelevanten Inhalten, Innovationen, Managementmethoden und einem hochgradig wertvollen Blick auf unsere Wirtschaftswelt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Ein wunderbarer Kommentar/Artikel auf iBusiness:

„Warum digitale Transformationen und disruptive Entwicklungen an den Digitalmerkels scheitern“

Köstlich süffisant geschrieben, inhaltlich absolut richtig.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Das für mich wichtigste Buch in Bezug auf die Veränderungen, die wir angehen sollten, ist ‚Outside In’ von Forrester. Customer Experience höchst gut aufbereitet und spannend nähergebracht.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Wirklich Wissenswertes habe ich auf dem Stuttgarter Wissensforum der Speakers Excellence erfahren. So gut wie nichts Digitales. Aber genau das ist so wichtig und wird von Vielen völlig vergessen: Inspiration und daraus resultierende Lösungen bekomme ich nicht wenn ich im eigenen Saft bade. Sondern wenn ich die Welt mit offenen Augen sehe.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit (außer dem Kopf 😉

Körperlich das Fahrradfahren

Geistig die Customer Journey

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Eindeutig Richard Branson. Seine Lockerheit, sich selbst alles andere als wichtig zu nehmen, dabei trotzdem aber extrem zielstrebig und energetisch zu sein, ist für mich einzigartig. Ihn direkt im Alltag zu erleben und dabei zu lernen wäre spannend.

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