Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Marco Gottschalk – Canon

Wer ist Marco Gottschalk? Bitte stell dich doch mal kurz vor.

Ich bin 2014 als Marketing Director zu Canon Deutschland gekommen. Zuvor war ich bei Kraft Foods und Mondelez International und hatte dort verschiedenste Verantwortungen im Marketing und Sales Bereich inne. Die Verantwortungen waren sowohl rein auf Deutschland bezogen, aber auch regional bzw. international (DACH, Europa und weltweit). Meine letzte Verantwortung bei Mondelez International in Zürich war die globale Sales Strategie und Brand Partnerships von Tassimo. In verschiedenen Marketingfunktionen der DACH-Region war ich unter anderem Head of Marketing Coffee für die Marke Jacobs – eine der Billion-Dollar-Brands von Mondelez International.

Seit der Bildung unserer DACH-Organisation bei Canon leite ich auch das Marketing für Österreich und die Schweiz. Meine Aufgabe ist vor allem die Weiterentwicklung der Marke Canon und des Geschäfts in Bezug auf neue Zielgruppen und die Weiterentwicklung unseres Produkt- und Services-Portfolios. An Canon begeistert mich vor allem die Vielfältigkeit unseres Portfolios und dass wir dadurch visuelles Storytelling viel breiter und kreativer spielen können.

Damit wir dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von dir.

bremen.de/leben-in-bremen/gruenkohl-in-bremen.

Elevator Pitch! Was macht eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wofür stehen eure Produkte und eure Marke?

Canon macht Imaging. Das heißt auch: Canon macht mehr als nur Kameras. Wir sind überall dort beteiligt, wo es um Bilder geht. Ihr könnt mit unseren Kameras Fotos und Videos machen, diese in unserem Cloud-Service irista speichern und verwalten, eure Fotos mit unseren Druckern ausdrucken oder in Form unseres Canon Fotobuchs „hdbook“ verewigen sowie mit unserer App „Lifecake“ eure schönsten Momente mit der Familie teilen. Mit all diesen Produkten haben wir ein ganzheitliches Ökosystem geschaffen, das es sonst nicht auf dem Markt gibt. Wir entwickeln unser Produktportfolio stetig weiter. Dabei beachten wir, dass dies grundsätzlich im Einklang mit unseren Erwartungen an die digitale Zukunft geschieht und welche Ansprüche unsere Kunden an ihre Produkte stellen.

Apropos Marke! Welche Influencer würden eure Markenwerte besonders authentisch verkörpern – und warum?

Für uns sind Influencer Menschen, die Fotografie als Leidenschaft leben, sei es privat oder beruflich. Menschen, die ihre Geschichten durch tolle Bilder erzählen wollen. Dies kann in ganz unterschiedlichen Bereichen passieren, sei es Portrait-, Landschaft-, Sport- oder People-Fotografie. Dazu gehört unabdingbar auch der nötige Respekt für Mitmenschen und Umwelt beim Fotografieren.

Verrätst du uns ein “Best Practice” deines Unternehmens im Bereich Influencer Marketing? Was waren deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren für diesen Case?

Live for the story“ ist Mitte Mai an den Start gegangen und richtet sich vor allem an junge Konsumenten, die ein digitales Leben führen. Daher war es ein logischer Schritt für uns, den Launch der neuen Kampagne auch durch Influencer begleiten zu lassen. Bei „Live for the story“ geht es darum, jeden Moment wertzuschätzen und in ihm eine Geschichte zu sehen.
Für Social Media haben wir eine eigene Sub-Kampagne eingerichtet, nämlich „365 Tage Sommer“, in der wir User aufgerufen haben, ihre schönsten Geschichten mit uns zu teilen. Denn die schönsten Geschichten schreibt nun mal der Sommer. Zu gewinnen gibt es eine Weltreise, derzeit wird der Gewinner ermittelt.
Dies wurde von insgesamt 14 Influencern begleitet. Zum einen haben sie ihre schönsten Sommergeschichten auf ihren Kanälen –sei es Instagram, Youtube oder Blog – erzählt und zum anderen haben sie wiederum ihre Follower aufgerufen, ihre schönsten Momente zu teilen und am Gewinnspiel teilzunehmen.
Entstanden sind durch die Influencer über 70 Content-Elemente in Form von Blogposts, Social Media Postings oder Vlogs mit einer Reichweite von über zwei Millionen und einer sehr hohen Engagement-Rate von deutlich mehr als 10%.

Das, was diesen Case so erfolgreich gemacht hat, sind die Geschichten, die hinter den Bildern stecken und Emotionen hervorrufen. Emotionales Storytelling geht heutzutage in der Flut von Selfies und Cat Content unter. Die Rückbesinnung auf emotionsgeladene Fotos, die Geschichten erzählen und andere inspirieren war der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn du dir euren Markt, eure Firma, deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? Und welche Rolle spielt digitales Marketing für dein Unternehmen?

Nicht nur der Kameramarkt an sich, sondern auch unser Nutzungsverhalten in Sachen Fotografie hat sich deutlich verändert. Gerade junge Konsumenten werden durch Smartphones schon sehr früh an die Fotografie und Videographie herangeführt, kommunizieren zunehmend visuell und teilen tagtäglich ihre Geschichten mit Bildern. Das finden wir gut – wir verteufeln das Smartphone nicht, wir glauben an die Koexistenz von Fotokamera und Smartphone. Doch selbst mit dem besten Smartphone sind die fotografischen Grenzen schnell erreicht. Hier holen wir junge Konsumenten ab und zeigen, wie unsere Produkte ihnen beim visuellen Storytelling helfen können. Bessere Qualität heißt auch mehr Likes, Comments und Shares– und darum geht es heutzutage. Digitales Marketing ist daher für uns sehr wichtig, um eben genau diese junge Zielgruppe zu erreichen, die fast ausschließlich online unterwegs ist. Wir als Storytelling Brand müssen das Bewusstsein für die Vorteile und die Qualität unseres Ökosystems schaffen.

Hand aufs Herz: Wenn du dir eine Sache im Marketing wünschen könntest, was wäre das?

Klare Messgrößen und Transparenz im ganzen Digitalbereich – hier kocht noch jeder sein eigenes Süppchen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der du dich zu (digitalen) Themen gerne informierst

Horizont – seit über 20 Jahren treuer Abonnent.

…einen Artikel / ein Video / ein Buch, über ein Thema aus der Netzwirtschaft, den / das du deinen Kollegen empfiehlst

Es gibt so viele gute Artikel, da fällt es schwer, nur einen zu nennen. Ich finde es wichtig, sich morgens die Zeit zu nehmen und zu schauen, was in unserer Branche gerade passiert und welche News es gibt. Es gibt viele gute Newsletter, darunter „HORIZONT vor 9“.

…ein spannendes Buch, das dich für dein Business inspiriert hat

„Für immer Fish“ (Stephen C. Lundin, Harry Paul, John Christensen) – ein tolles Buch, wenn man Teams durch Transformationen führt.

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für deine Arbeit

…mein Smartphone.

Von welchem Experten aus deinem Fachgebiet hast du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Prof. Kroeber-Riel †), der leider viel zu früh verstorben ist. Er hat bereits in den 90ern den Konsumenten sowie das Konsumentenverhalten in den Mittelpunkt des Marketings gestellt. Ein Thema, das heute sehr viele Unternehmen mit dem Buzz Word „Customer Centricity“ neu für sich entdecken.