Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Katrin Möllers – ANSEL & MÖLLERS

Katrin Möllers ANSEL & MÖLLERSWer ist Katrin Möllers? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Westfälin, 1968 geboren, inzwischen im Schwabenländle beheimatet mit Mann, zwei Kindern und Hund. Mit Leib und Seele seit 20 Jahren PR-Frau. Seit 15 Jahren gemeinsam mit Jochen Ansel erfolgreich mit der PR- und Eventagentur Ansel & Möllers in Stuttgart.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Rastlosigkeit. Meine Familie muss immer dran glauben: am Wochenende und im Urlaub reißen wir hunderte, tausende Kilometer runter, um möglichst viel von der Welt zu sehen. Dabei würden sie bestimmt manchmal einfach lieber nur am Strand liegen :).

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

anselmoellers.de) sind eine inhabergeführte PR- und Eventagentur mit den Schwerpunkten Bauen, Leben, Energie. Die Agentur haben wir deshalb mit unseren eigenen Namen betitelt, weil bei uns eins Programm ist: Persönlichkeit. Mit unserem Team sind wir freundschaftlich verbunden. Unsere Kunden – vorwiegend Mittelständler – beraten wir immer individuell, strategisch und sehr kompetent. Wir arbeiten fair und mit Leidenschaft – aber wir bauen keine Luftschlösser. Das merkt der Kunde und fühlt sich bei uns wohl.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Im Eventmanagement gibt es viele Best Practice Beispiele: tolle, emotionale Veranstaltungen, die wir durchgeführt und die den Kunden begeistert haben, weil seine Zielgruppe begeistert war.

https://www.youtube.com/watch?v=3TYlQjkH1OE) und viralem Seeding, mit der kulturhistorischen Aufbereitung der Geschichte der Toilette als gesellschaftliches Thema usw. usw. Das ist spannend und selbst nach 20 Jahren PR-Erfahrung erlebt man immer wieder Überraschungen. Grandios!

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Digitalisierung ist Teil unseres Business, weil sie ein maßgeblicher Teil der PR ist. Online ist nicht einfach nur ein weiterer Medienkanal, es ist die Welt, in der wir zum großen Teil leben. Unser gesamtes Rezipientenverhalten ist inzwischen darauf ausgelegt, alles an unserer Wahrnehmung ist auf Digitalisierung ausgelegt. Auch konservative Printliebhaber wie ich haben inzwischen ein digital geprägtes Leseverhalten. Selbst bei unserem kleinsten mittelständischen Kunden spielt Digitalisierung in der Kommunikation eine große Rolle. Die klassische (Print-)Pressearbeit findet vornehmlich noch im B2B-Bereich statt. Man sollte vielleicht andersherum fragen: wo lebt Ihr noch mit Papier? Das bin dann wohl nur noch ich mit meinem klassischen Taschenkalender….

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Gesellschaft: bewahrt Euch Eure Kritikfähigkeit und lasst den (investigativen) Journalismus nicht untergehen. Akzeptiert keinen journalistischen Einheitsbrei!

Staat: Schafft Transparenz und sorgt für mehr Datenschutz im Netz. Vor allem: schützt unsere Jugend; eigenes Denken  und kritische Auseinandersetzung mit Inhalten ist wichtig.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Ausbildung von Fachkräften hinkt tatsächlich der Praxis und ihren Anforderungen hinterher. Der Markt entwickelt sich schneller als die Menschen, die sich mit ihm beschäftigen…

Herausforderung für unseren Markt:

Die PR-Branche hat sich exorbitant verändert in den letzten Jahren, die Entwicklung ist rasant. Die bisherigen Strukturen weichen auf. An wen kommunizieren wir zukünftig, wenn es keine Redaktionen, keine Journalisten mehr gibt? PR ist jetzt schon nicht mehr die traditionelle Medienarbeit, die es einmal war, sondern längst eine Multichannel-Marketingkommunikation, wobei jeder Kanal eigene Kommunikationsregeln für sich beansprucht.

Herausforderung für unsere Firma:

Ein PR-Mensch war schon immer ein Multi-Tasker, der in allen Bereichen zuhause sein muss, daher sind wir die Anforderungen, die dieser Tage an unsere Flexibilität gestellt werden, gewohnt. Es heißt also: Am Ball bleiben! Vorne mitspielen! Bei unseren Kunden neue Impulse weitergeben und adäquat beraten.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Das Internet ist aus meiner Sicht Fluch und Segen zugleich. Wissen, das jederzeit verfügbar ist, bereichert unser Leben, aber hat – und das ist nur als diffuses Unbehagen meinerseits zu betrachten – offensichtliche Einflüsse auf unsere Kritikfähigkeit. Infos aus dem Netz nehmen wir unrecherchiert hin und reproduzieren sie als Wahrheit. Das hat besonders Auswirkungen auf die Bildung unserer Kinder, insbesondere auf deren Lernverhalten. Die Dominanz von digitalen Inhalten hat Einfluss auf die reale Kommunikation. Stundenlanges Starren auf Displays prägt unseren Alltag, immer weniger wird (auch bei uns in der Agentur) zum Telefonhörer gegriffen. Für unsere Arbeit bedeutet Internet & Co eine Potenzierung der bisherigen Kanäle, mannigfache Möglichkeiten zu kommunizieren und Botschaften zu verbreiten. Dennoch erreicht man die Zielgruppe dadurch nicht besser oder effizienter. Durch die Informationsflut bleibt vieles auf der Strecke und die Qualität der Inhalte leidet. Aberwitzig ist, dass inzwischen die Evaluation oft einen höheren Stellenwert einnimmt als die tatsächliche Medienarbeit.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Unseren eigenen Online-Auftritt 🙂 und eine sinnvolle Vernetzung in alle Bereiche. (Soviel zum Thema „Der Schuster und die Leisten“)

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.pressesprecher.com (immer aktuell rund um Kommunikation und Medien) und die Zeitschrift brand eins, die sich Wirtschafts- und Marketing-Themen auch unter unkonventionellen Blickwinkeln annähert und uns Anfang des Jahres zu einer der besten PR-Agenturen Deutschlands gewählt hat.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Wie oben erwähnt: Brand eins Thema Agenturen, 2. Jahrgang Heft 2  Januar-März 2015

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Sachbücher, die Tipps zur Unternehmensführung für Manager bereithalten, lese ich zwar hin und wieder, allerdings bleiben sie mir nicht nachhaltig im Gedächtnis. Was mich interessiert, ist z.B. der menschliche und psychologische Aspekt der Mitarbeiterführung und letztendlich die Frage: „Was treibt Menschen an und wie kann man wen motivieren?“  Dazu wähle ich oft und gerne eine philosophische Herangehensweise. Das Philosophie-Magazin „Hohe Luft“ finde ich für diese Fragestellung einen geeigneten Impulsgeber. Ich bin übrigens auch der Meinung, dass die Digitalisierung der Welt ebenfalls philosophisch betrachtet werden sollte, habe aber die Antworten darauf noch nicht gefunden…

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Am liebsten lausche ich immer Frau Prof. Dr. Mast vom Fachgebiet Kommunikationswissenschaft der Uni Hohenheim, da der Blick der Wissenschaft auf die Praxis immer sehr spannend und der Schulterschluss zum Nachwuchs ungemein wichtig ist

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Unser agenturinternes Wiki (organisiert und strukturiert uns intern) und Outlook.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt?

Am meisten gelernt habe ich von Roland Mack, Inhaber des Europa-Parks. Hier war ich drei Jahre Pressesprecherin am Anfang meiner PR-Karriere und ich muss sagen, dass  ich oft an seine Art der Unternehmensführung, die durch große Leidenschaft, Emotionalität und persönliche Verbundenheit geprägt war, zurückdenke.