Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Karsten Buth – kabelwelten.de

Karsten Buth kabelwelten.deWer ist Karsten Buth? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Der Traum von einer eigenen Internetagentur war mein Antrieb. Ich bin Karsten Buth, 37 Jahre alt, und habe 2006 die KABELWELTEN Internetagentur in Hamburg gegründet. Heute bin ich einer von zwei geschäftsführenden Gesellschaftern dort und freue mich schon jetzt auf unsere Feier zum zehnjährigen Bestehen im nächsten Jahr.

Mein Job bedeutet mir sehr viel, aber ist nicht alles in meinem Leben. In meiner Freizeit bin ich einer anderen Leidenschaft verschrieben: Volleyball. Als Spieler und noch viel mehr als Trainer fasziniert mich dieser Sport, der sich durch ganze besondere Anforderungen an Körper und Psyche auszeichnet.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

KABELWELTEN konzipiert, gestaltet und produziert Internetauftritte und webbasierte Software-Anwendungen für kleinere und größere Unternehmen aus dem gesamten Bundesgebiet.

Für den Elevator Pitch bringe ich immer gern den Vergleich mit einer Auto-Werkstatt. Ich selbst habe absolut keine Ahnung von Autos. Wenn meins kaputt ist, bringe ich es zu meiner Werkstatt. Dort bekomme ich gesagt, was zu tun ist, wie teuer es wird und wann ich das Auto wieder abholen kann. Ich bin meiner Werkstatt in gewisser Weise ausgeliefert. Ich kann nicht prüfen, ob stimmt, was man mir dort erzählt. Und ob die Kosten und das Timing realistisch sind. Für mich ist also besonders wichtig, dass ich mich auf die Werkstatt in all diesen Punkten verlassen kann.

Ähnlich ergeht es auch vielen Entscheidern in Unternehmen. Internet-Dienstleistungen sind kompliziert und erklärungsbedürftig. Wir haben eine besondere Verantwortung, unsere Kunden an die Hand zu nehmen. Und manchmal auch vor Dingen zu bewahren, die zwar der Agentur Umsatz aber dem Kunden selbst wohl keinen Nutzen bringen würden.

Auf den Punkt gebracht: Nichts ist wichtiger als Zuverlässigkeit. Das klingt abgedroschen und selbstverständlich für einen Dienstleister. Ist es aber nicht, berichten uns auch viele Kunden dankbar.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Wir sind allesamt neugierg und haben Lust auf Neues. In unserer Branche kann man sich keinen Stillstand leisten, muss bei sehr vielen Themen ständig am Ball bleiben. Das kann man aber nicht allein. Manchmal braucht es einen Anstoß von außen. Es hilft, wenn man sich gegenseitig motiviert und auffordert, in neue Themen einzutauchen. Deswegen haben wir unsere eigene kleine Fortbildungsreihe, den WebCampus Hamburg, ins Leben gerufen. Hier tauschen wir uns einmal monatlich untereinander und mit befreundeten Webworkern aus.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”? 

Meine Rolle verändert sich im Augenblick stark. Früher musste ich sämtliche Abschnitte der Webentwicklung selbst mit bewältigen, inzwischen hält mir das Team zunehmend den Rücken frei für meine Kernkompetenzen: Die Konzeption und Beratung bei der Umsetzung neuer Internetprojekte.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Ich beobachte mit großer Sorge den fahrlässigen Umgang unserer Bundesregierung mit sämtlichen Aspekten der Privatsphäre.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die derzeitige Arbeitsmarktsituation im Bereich Webentwicklung ist innovationshemmend. Es gibt viele gute Projekte, die nicht umgesetzt werden können oder verzögernd veröffentlicht werden müssen, weil es an echten Spezialisten fehlt. Wir brauchen ausgebildete Webentwickler mit soliden Fachkenntnissen moderner Content-Management- und Shop-Systeme. Dieses Wissen wird aber weiterhin nicht im Studium oder der Ausbildung vermittelt. Jeder Informatik-Absolvent kann wundervolle Dinge in C++ umsetzen. Schade, aber das ist zumindest an der Web-Praxis weit vorbei.

Herausforderung für unseren Markt:

Web muss spannender werden! Unternehmen und Agenturen trauen sich zu selten etwas Neues zu und gucken lieber bei bewährten Mustern ab. Der Spagat muss geschafft werden: Den Nutzer nicht überfordern, aber doch neugierig machen.

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind ein kleines Team, aber mit vielen unterschiedlichen Qualitäten. Wir schätzen einander und sind dabei, Strukturen für das gemeinsame Arbeiten zu schaffen, die uns das Miteinander noch mehr vereinfachen. Auch weil die Agentur in diesem Jahr doch ein wenig größer geworden ist.

Meine Persönliche Herausforderung:

Geduld lernen. Mit mir und mit anderen.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern? 

Den Bereich Wireframing/Prototyping-Software habe ich leider etwas verschlafen. Hier will ich dringend etwas nachholen. Derzeit beschäftige ich mich deswegen intensiv mit verschiedenen Programmen, um abzuwägen, was mir im Arbeitsalltag am meisten helfen wird.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst (deutsch oder Englisch)

http://www.smashingmagazine.com/ – Vitaly Friedman beneide ich um seine schnelle Auffassungsgabe und seine klugen Bewertungen zu Trends im Bereich Design und Technik.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

http://frontendfront.com/

Eine spannende Sammlung zu neuen Themen im Bereich Frontend.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Tim Ferriss – Die vier-Stunden-Woche
Der Titel mag in die Irre führen. Aber dieses Buch halte ich für den richtigen Ratgeber für jeden, der darüber nachdenkt, etwas Neues zu riskieren.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Ich merke gerade, ich bin wohl viel zu selten unterwegs.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Trotz einiger Schwächen: breeze.pm –Kanban-basiertes Projektmanagement-Tool, welches wir für unsere Projekte nutzen.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet aus Deutschland würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Stefan Keuchel – obwohl beide in Hamburg, kenne ich ihn bisher noch nicht persönlich. Bei Google hat er damals spannende Einblicke in deren Produktwelten ermöglicht. Ich hätte aber noch viele Fragen.