Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Jürgen Bause – AGS Arbeitsgemeinschaft Gesundheit & Soziales

Jürgen Bause AGS
Foto: Rüdiger Schulze, Leinfelden

Wer ist Jürgen Bause? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Nach einer Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann absolvierte ich noch eine Krankenpflegeausbildung. Arbeitete anschließend unter anderem in der Notfallmedizin und im Luftrettungsdienst. Danach machte ich eine Ausbildung in der PR Abteilung einer namhaften norddeutschen medizintechnischen Firma. Erfahrungen sammelte ich noch als stellvertretender Geschäftsführer eines kleines Pharmaunternehmens und als Einkäufer in einem Krankenhausverbund.

Für führende Fachzeitschriften arbeitete ich als freier Medizinjournalist bis 1985. Dann machte ich mich selbstständig und gründete die
Arbeitsgemeinschaft Gesundheit & Soziales, AGS. Eine Kommunikationsagentur im Gesundheitsbereich. Bei der AGS arbeiten je nach Projekt Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Bereichen freiberuflich zusammen.  Das dreißigjährige Jubiläum feierten wir im Herbst vergangenen Jahres.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

In den Morgenstunden bin ich ungenießbar und „taue“! erst gegen 9 Uhr auf. Dafür bin ich ein Nachtmensch. Ach ja, wenn ich eine Zeitung lese bin ich nicht ansprechbar, „ich tauche einfach ab“.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

In den vergangenen drei Jahren haben wir einen Nachrichtendienst für die Healthcarebranche aufgebaut und im Markt etabliert. Neben der gesamten medizinischen Fachpresse versorgen wir alle Publikumsmedien mit Nachrichten aus dem Gesundheitsbereich. Hauptsächlich arbeiten wir für medizintechnische Unternehmen und Institutionen. Der Versand der Nachrichten erfolgt via Mail.

Weiterhin beraten wir seit über dreißig Jahren Firmen und Organisationen aus dem Gesundheitssektor erfolgreich in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Wir organisieren Pressekonferenzen, schreiben Patientenbroschüren oder Beiträge für die Medien. Einen großen Wert legen wir auf die persönlichen Kontakte zu den Journalistenkolleginnen und -Kollegen. Der Besuch von Fachkongressen, aber auch Journalistenstammtischen ist wichtig, um die Kontakte zu pflegen und auszubauen.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Facebook und Twitter eignen sich sehr gut, um Meldungen zu streuen. Wir verbreiten ab und zu Nachrichten über diese Kanäle.

Der Arbeitsplatz unser Mitarbeiter ist überwiegend am PC. Wir recherchieren nicht bei Dr. Google, sondern greifen via Internet auf medizinische Datenbanken zu.  Das Interview mit namhaften Experten aus dem Gesundheitsbereich erfolgt häufig via Telefon, ansonsten bin ich fast immer online; am PC, Tablet oder Handy.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Größte Priorität hat der Netzausbau im ländlichen Raum. Es geht nicht an, dass kleine Unternehmen aufgrund der fehlenden Netzkapazitäten nicht in der Lage sind größere Dateien zu versenden, weil dann das Netz zusammenbricht. Hier sind die Firmen und Freiberufler  auf dem Land gegenüber den Großstädten eindeutig benachteiligt. Auch die Telefonie mit dem Handy bringt einen oft an den Rand der Verzweiflung, da die Verbindungen vielfach sehr schlecht sind.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Leistungen in der Gesundheitsversorgung könnten durch den Einsatz der Kommunikationstechnologien erheblich vereinfacht werden. Es gibt zahlreiche positive Ansätze, die meistens nur in den Ballungsräumen etabliert sind. Hier muss die Politik einen Status Quo schaffen und Deutschland komplett mit dem Internet versorgen. Manche Landstriche haben ja nicht einmal ISDN.

Herausforderung für unseren Markt:

Auf dem Land etabliert sich die moderne IT in Kliniken und Arztpraxen nur sehr langsam.  Es wird vielfach zu  stark  an den alten Strukturen festgehalten. Bei der Visite am Krankenbett ist beispielsweise die Krankenakte aus Papier noch obligatorisch, nicht das Tablet.

Ich wundere mich immer wieder, wie  technisch antiquiert noch in manchen Kliniken und bei niedergelassenen Ärzten gearbeitet wird. Auf der einen Seite gibt es den Hybrid-OP andererseits ist die Zettelwirtschaft obligatorisch.

Herausforderung für unsere Firma:

Redaktionell achten wir ständig auf Neuigkeiten und Veränderungen in der Netzwirtschaft. Zahlreiche Möglichkeiten können wir für unsere Kunden nicht, oder nur sehr eingeschränkt nutzen, weil die Gesetzgebung, wie das Heilmittelwerbegesetz und die Berufsordnung für Ärzte, für zahlreiche Kommunikationsmöglichkeiten enge Grenzen setzt.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Unsere kleine Firma befindet sich auf dem Land. Wir hatten immer mit den Kapazitäten im Internet zu kämpfen. Sie reichten bei weitem nicht aus. Gerade beim Nachrichtenversand mit anhängenden Fotos an zig tausend Redaktionen in die D-A-CH Länder brachte mich manchmal zur Verzweiflung. Seit März diesen Jahres hat unser Büro einen VDSL Anschluss. Die Kommunikation ist so erheblich verbessert worden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Als Fachjournalist bin ich auf dem IT-Sektor ein Laie. Zahlreiche Informationen hole ich mir aus der Zeitschrift CT, was unsere 8 Computerarbeitsplätze und das Netzwerk betrifft. Die IT wird von meiner Frau  Sabine gepflegt, die auf diesem Gebiet eine Expertin ist. Ansonsten informiere ich mich beruflich auf Webseiten, die für die breite Öffentlichkeit nicht zugänglich sind (geschlossener Benutzerkreis).

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Damit die sozialen Netzwerke für mich keine Geisterbahnen sind, besuche ich seit einigen Jahren regelmäßig Seminare. Matthias Lange und Thomas Gerlach (beides Journalisten) sind fachlich und rhetorisch ausgezeichnet. Sie vermitteln fundiertes Wissen in kurzer Zeit.

Weiterhin kann ich Rhetorikseminare mit Dr. Ulrich Ulonska, Göttingen, empfehlen. Hier lernte ich die Diskussions- und Gesprächsführung unter schwierigen Bedingungen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Hilfreich ist die Software EdrawMax zum Erstellen von anschaulichen Grafiken. Nicht teuer, aber gut.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Während meiner Zeit als Krankenpfleger am Bundeswehrkrankenhaus Ulm und der Universitätsklinik Ulm arbeitete ich in sehr vielen medizinische Fachabteilungen. Dort wurde mir die Gelegenheit geboten mich jeweils fortzubilden. Den Ärzten bin ich heute noch dankbar, denn dieses erworbene Wissen erleichtert mir heute die Arbeit als Medizinjournalist.

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