Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Jan Hagge – keeeb.com

Jan Hagge keeeb.comWer ist Jan Hagge? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Moin Moin. Ich bin Jan Hagge, 32 Jahre alt und gebürtiger Lübecker.  Mit 13 Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Internet zu befassen. Also auch mit der Gestaltung und Programmierung von Software. Leider waren das keine Bestandteile des Lehrplans, also habe ich mehrfach Entschuldigungen gefälscht, um in der Bücherei mehr zu den Themen zu lernen. Damals hatte ich noch keinen eigenen PC und war somit gezwungen meinen ersten Sourcecode mit Stift und Papier zu schreiben. Ich habe meinem Physiklehrer nach der Schule im PC-Labor geholfen und durfte dort im Gegenzug meinen Code testen. Während meines Abiturs 1999 begann ich als Freelancer für verschiedene bekannte Agenturen zu arbeiten und 2011 habe ich dann gemeinsam mit Konrad Gulla Keeeb gegründet.
In meiner Freizeit betreibe ich gerne Outdoorsportarten wie Mountainbiken, Skilaufen oder Windsurfen. Ich hasse Großstädte und könnte mir gut vorstellen, gemeinsam mit meiner wundervollen Frau und meinem Sohn, in einer Hütte mitten im Nirgendwo alt zu werden.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Jeder weiß wie schwer es heutzutage sein kann, eine Entscheidung zu treffen. Bei Keeeb glauben wir daran, dass jeder Mensch sich beim Treffen von Entscheidungen gut fühlen kann, wenn diese auf dem besten Wissen basieren. Vor jeder Entscheidung verknüpft unser Gehirn verschiedenste Informationen zu Wissen. Manchmal haben wir bereits ausreichendes Wissen, um uns mit einer Entscheidung gut zu fühlen, aber oft brauchen wir noch mehr Informationen.

Keeeb ist eine neu entwickelte Software, die aktuelle und lineare Recherche-Workflows automatisiert und redundante Suchen nach Wissen verhindert. Die Software verbessert den firmen-internen Wissenstransfer und erhöht die Produktivität erheblich.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”?

Grundlegend hatten wir einfach den richtigen Traum zum richtigen Zeitpunkt. Allerdings würde ich das nicht als Bestandteil der Sauce sehen, sondern eher als das Feuer auf dem der Topf steht. Die Secret Sauce sind eindeutig unser Team und unsere Firmenkultur. Wir sind ein bunter Haufen verrückter Nerds. Und das gilt selbst für unseren Quoten-Betriebswirtschaftler oder unsere Vertriebler. Jeder von uns denkt und handelt wie ein Entrepreneur.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”?

Mein Titel ist CPO, wobei das P leider nicht für Party, sondern für Product steht. Ich entscheide also über die Funktionen unseres Produktes. Im Moment mache ich auch das Design und zum Teil sogar den Frontendcode. Das sind auch meine Kernkompetenzen. Inzwischen gehören aber auch immer mehr Management-Tätigkeiten zu meinen Aufgaben. Wenn man ein Startup gründet, muss man am Anfang lernen, alles zu machen. Mit der Zeit und zunehmendem Erfolg lernt man dann auch zwangsläufig, wieder Aufgaben abzugeben. An diesem Punkt befinde ich mich gerade.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein

Uns werden in den kommenden 5 Jahren 44-mal mehr Informationen zur Verfügung stehen als noch vor 5 Jahren. Leider haben wir jedoch nicht 44-mal mehr Zeit. Also werden sich die Wege, auf denen wir an Informationen gelangen, ändern. Ich bin überzeugt davon, dass es weg vom „Pull“ hin zum „Push“ geht. Informationen müssen auf Basis sehr komplexer Faktoren einfach zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Wir sehen uns bei Keeeb als ein Teil dieser Bewegung.

Ich denke nie über regionale Diskrepanzen nach, sondern versuche – gerade in unserer digitalen Welt – das große Ganze zu betrachten. Innovationen sind weltweit notwendig und zum Glück gerade im Trend, das geht auch an Deutschland nicht vorbei. Mein Wunsch wäre trotzdem, dass wir gar nicht mehr in Regionen wie Deutschland oder Europa denken.

Unser Markt liegt in der digitalen Recherche. Das ist ein sehr junger Markt, wenn man überhaupt von einem solchen sprechen möchte. Viele Unternehmen erkennen das Problem, welches Keeeb löst, bereits nach einer kurzen Präsentation. Allerdings war nur den Wenigsten davon vorher schon klar, dass sie dieses Problem überhaupt haben oder konnten sich vorstellen eine so fast schon spielerisch einfache Lösung dafür zu finden.

Im Moment gibt es nur wenige Anbieter in unserem Bereich und wir müssen uns als Marktführer manifestieren. Das ist eine einmalige und große Chance. Gleichzeitig müssen wir natürlich sowohl den Markt als auch unsere Lösung bestätigen. Das ist eine ebenso große Herausforderung. Aber mit dem Wissen und den Erfahrungen der letzten 4 Jahre sind wir heute auch bereit dafür.

Lernen, einige meiner bisherigen Aufgaben abzugeben, um mich voll auf das zu konzentrieren, was ich am Besten kann. Und hoffentlich auch bald wieder etwas mehr Zeit für meine Familie zu haben.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern? 

Moderne Unternehmensführung und Firmenkultur mit all ihren Facetten. Ich habe bereits vor 1-2 Jahren damit begonnen, mich einzulesen und das wird mich auch noch lange beschäftigen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://uxmag.com/ zu Ende. Ansonsten sind Bücher und Ted-Talks öfter auf meinem Speiseplan als Blogs.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

https://medium.com/@joshpuckett/modern-design-tools-using-real-data-62d499e97482

Selten hat ein Artikel mein tägliches Leben in puncto Gestaltung besser beschrieben. Der Artikel ist aber nicht nur ein Tipp für gutes Design; Man kann die Kernaussage auf viele Bereiche anwenden. Es ist wichtig, sich und seinen Mitmenschen auch den hässlichsten Ausgang einer Situation stets bewusst zu machen. Wenn man es dann hin bekommt, sogar diesen noch schön zu gestalten, ist man auf dem richtigen Weg.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat 

„The Hidden Persuaders“. Mein erstes Buch über Tiefenpsychologie und sicher bereits damals stellenweise veraltet. Aber ich habe es verschlungen und denke immer noch häufig an einige prägende Passagen.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

This happened (Hamburg) und die Push. Conference in München. Beides sind sehr kreativ angehauchte Events, die in kleinen, fast schon familiären Kreisen stattfinden, dazu aber mit sehr hochwertigen Sprechern bestückt sind. Hier waren es bisher wirklich alle Vorträge wert, daran teilgenommen zu haben.

Außerdem mochte ich die Failcon in San Francisco. Es war inspirierend zu hören, wie Menschen mit dem Scheitern ihrer Startups umgegangen sind. In den USA gehen die Menschen ganz anders damit um. Es scheint als müsse ein guter Unternehmer sogar einige Male gescheitert sein, bevor er hier wirklich ernst genommen wird.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

 Früher waren es Tools wie Photoshop, Sketch und Sublime. Tatsächlich hat sich das in letzter Zeit geändert. Inzwischen ist es hauptsächlich mein Email Client.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Aus meinem persönlichen Umfeld ist es eindeutig Meikel Steiding. Meikel ist eines der wenigen mir bekannten Genies, die es wirklich hin bekommen ihr Momentum auf die Straße zu bekommen. Ich liebe den kreativen Austausch mit ihm und habe schon in frühen Jahren sehr viel von ihm gelernt.

Darüber hinaus gibt es viele Wunsch-Menschen, von denen ich gerne persönlich etwas lernen würde. Mit Peter Thiel könnte man sicher länger als nur einen Tag über Ideen sprechen, unsere Firma so erfolgreich und innovativ wie möglich zu machen. Und ich habe zwar noch nie Drogen genommen, aber einen Trip mit Steve Jobs hätte ich mir vermutlich auch nicht entgehen lassen.