Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Jakob Sommer – Uzin Utz


Wer ist Jakob Sommer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Seit dem 18. Lebensjahr selbstständig im Bereich Webentwicklung und Beratung. Nach Studium direkt zur Uzin Utz AG. Dort als Projektmanager gestartet und Berührungspunkte mit vielen Bereichen und Gesellschaften gehabt. Mittlerweile für die Themen Digitalisierung und eBusiness zuständig.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Beim Einkaufen überlege ich genau, wie viel ich auf einmal vom Auto ins Haus tragen kann und kaufe lieber ein bisschen weniger, damit ich es in einem Zug schaffe, oder ein wenig mehr, damit sich das zweite Mal laufen auch so richtig lohnt.

Elevator Pitch! Was macht Uzin Utz? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die Uzin Utz Gruppe, Ulm, ist mit über 1.000 Mitarbeitern und einem Konzern­umsatz von 272,9 Mio. Euro (2016) führend in der Entwicklung und Herstellung von Produkten und Maschinen für die Bodenverlegung. Die bauchemischen Produktsysteme für die Verlegung von Bodenbelägen aller Art bis hin zur Oberflächenveredelung sowie die Maschinen für die Bodenbearbeitung werden von den Konzernunternehmen nahezu alle selbst entwickelt und hergestellt und unter den international erfolgreichen Marken Uzin, Wolff, Pallmann, Arturo, codex und RZ weltweit vertrieben. Als Systempartner des Handwerks, von Planern, Architekten und Bauherren widmet sich Uzin Utz seit 100 Jahren der Aufgabe, Endkunden wie Verarbeiter in allen Bereichen der Bodenverlegung professionell zu unterstützen.

Verrätst Du uns ein digitales “Best Practice“ Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Beim Verlegen von Böden werden unsere Kunden täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Im Idealfall findet man auf einer Baustelle einen trockenen und sauberen Estrich. Das ist jedoch oft nicht der Fall. Die Herausforderungen heißen oft Restfeuche, Beschädigungen, Verschmutzungen oder außergewöhnlichen Untergrundmaterialien. Hier kommen meine Kollegen ins Spiel. Die kundennahe Beratung ist uns enorm wichtig, da wir nicht nur Produkte verkaufen möchten, sondern den Kunden konkrete Lösungen für Ihre Herausforderungen bieten möchten.

Damit unsere Kunden in Zukunft noch schneller mit der Arbeit beginnen oder diese fortsetzen können, bieten wir den Baustellenberater 3.0. [hier Erklärung einfügen, was das Ding kann]. Der Vorteil: Wir können für einfache Probleme sofort eine Lösung bieten und unsere Kollegen haben mehr Zeit, sich um die wirklich herausfordernden Probleme zu kümmern.
Wichtig ist uns, dass wir den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden nicht verlieren, diesen jedoch ad hoc weiterhelfen können.

Und welches „Best Practice“ aus der Netzwirtschaft insgesamt hat Dich besonders fasziniert – und warum?

Eines der 2017 wohl spannendsten Projekte in der letzten Zeit finde ich das Start-Up „Bee and Me“. Das Unternehmen entwickelt Technik, die Imker beim Schutz von Bienen unterstützen soll. Von intelligenten Sensoren gesammelte Daten werden direkt auf das Smartphone des Imkers übertragen, beispielsweise Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Gewicht des Bienenstocks und Aktivität der Bienen. Dies ermöglicht dem Imker eine Echtzeitüberwachung seiner Bienenvölker.

Das ist ein riesen Projekt, denn die Bienen sterben. Keiner kann genau sagen, warum das so ist. Allein in Deutschland ist nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die Zahl der Bienenvölker seit 1952 von 2,5 Millionen auf weniger als eine Million zurückgegangen. Der globale Wert der Bestäubungsleistung durch Insekten wurde auf rund 153 Mrd. Euro geschätzt – das entspricht 9,5 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion.

Das ist ein klasse Beispiel, wie die Digitalisierung bei diesem Projekt also nicht nur einen Beitrag zur Arterhaltung der Bienenvölker, sondern kann zu einem wichtigen Faktor für die globale Wirtschaft und Umwelt leistet. Außerdem ist der Bienenstock eine gute Allegorie auf moderne Industrieunternehmen – ein Produktionsstandort auf einem Quadratmeter quasi.

Wenn Du Dir Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung für euer Unternehmen?

Ich sehe im produzierenden Unternehmen Daten als bares Anlagevermögen und Invesititionsgut. Die systematische Erfassung, Ermittlung und Nutzung sehe ich als die größte Herausforderung. Welche Erkenntnisse über Prozesse wollen wir haben? Welche Daten sind hierfür von Nutzen? Das gilt natürlich nicht nur für die Produktion, sondern gleichermaßen für Verwaltung, Forschung & Entwicklung sowie Vertrieb und Logistik.

Wenn sich Deine Firma ein eigenes Startup wünschen dürfte, was würde dieses Startup tun?

Einen digitalen Boden stelle ich mir spannend vor.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

…einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu (digitalen) Themen gerne informierst

heise.de wenn es sachlich, nüchtern und auf den Punkt sein soll. Gerne auch IT-Mittelstand für zielgerichtete Information über unseren Wirtschaftszweig.

…einen Artikel / ein Video / ein Buch, über ein Thema aus der Netzwirtschaft, den / das Du Deinen Kollegen empfiehlst (mit URL)

Spiegel Mining von David Kriesel. Es zeigt sehr anschaulich und unterhaltsam, was systematische Datenanalyse alles kann – auch mit ganz einfachen Mitteln.

…ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus

…das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Google – Man ist erfolgreich, wenn man vieles weiß oder man gut googlen kann. Ich empfehle eine gesunde Mischung aus beidem 😉

Mit welchem Experten aus der Netzwirtschaft würdest Du am liebsten einmal einen Tag zusammenarbeiten und warum?

Jeff Bezos – Gründer von Amazon. Für mich ist Amazon das beste Beispiel für Digitale Transformation und seine Geschichte seit Gründung der Plattform 1994 eine Mischung aus visionärem Denken, Bauchgefühl und Mut. Bis heute verblüfft es mich, wie schnell Amazon bei dessen jetziger Größe aufkommende Trends schnell adaptiert und Bedürfnisse befriedigt. Mich Hochspannung verfolge ich die stärker werdende Fokussierung auf den B2B Markt und den wachsenden Einfluss von Alibaba.