Interview
Die Forschungsassistenten

Interview mit Frank Meier – FUF // Frank und Freunde

Frank Meier FUF // Frank und FreundeWer ist Frank Meier? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Internetagentur FUF // Frank und Freunde in Stuttgart – und das mittlerweile schon seit bald 20 Jahren. Mit meiner Agentur betreue ich führende Unternehmen und starke Marken ganzheitlich in den digitalen Medien. Und ich bin noch immer durch und durch webbegeistert. Das Kommunikations-, Vernetzungs- und Integrationspotenzial dieses Supermediums hat mich seit dem ersten Kontakt fasziniert und tut dies bis zum heutigen Tag. Und das Tolle dabei ist: Die Entwicklung ist immer noch ungebremst in vollem Gange.

Mein Zugang zu den digitalen Aufgabenstellungen mit denen wir uns tagtäglich befassen funktioniert dabei sehr umfassend. Über Businessmodell und Positionierung zu Marke, Design und Interface bis hin zum technologischen Produktions- und Betriebskontext. Weil wir unsere Kunden bei Frank und Freunde ganzheitlich betreuen.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Wie in der digitalen Transformation begeistern mich auch in der realen Welt die Möglichkeiten, wie man aus etwas Vorhandenem etwas Neues, noch viel Tolleres machen kann. Umnutzung, Ready-Mades, Upcycling sind dabei die Stichworte. Das Thema bietet heute wie nie zuvor hochaktuelle Ansätze in allen Bereichen unserer durchindustrialisierten Umwelt.

Leider habe ich nur sehr wenig Zeit, diesen Ansätzen auch wirklich nachzugehen, aber die Ideen und Pläne entstehen kontinuierlich.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir machen Individualentwicklung in den digitalen Medien! Und zwar auf den Punkt. Dabei möchten wir immer möglichst effizient einen echten Mehrwert für unsere Kunden generieren und ihnen keine Standardlösungen vorsetzen, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Das geht nur, wenn man dem Kunden genau zuhört, Dinge hinterfragt, einen Schritt weiterdenkt und auch mal unbequem ist.

Wir hassen es, Dinge nicht weiter verwenden zu können – daher ist technologische Nachhaltigkeit in allen Projekten unser größtes Bestreben. Die unabdingbare Voraussetzung dafür ist natürlich eine belastbare Strategie.

Natürlich ist bei der Individualentwicklung die Wahl der geeigneten Technologie entscheidend. Als Anhänger des freien Internets setzen wir bei Frank und Freunde auf moderne Open-Source Technologien, die wir kontinuierlich auf Nachhaltigkeit scannen. Wir hassen Quick’n’Dirty. Gleichzeitig sind wir sehr technologiegetrieben, haben immer im Blick wie sich der Markt entwickelt und lieben es die neuesten Technologien auch auszuprobieren.

Superpower haben wir vor allem bei den kniffeligen Dingen, wo viele unserer Mitstreiter gerne auch mal den Kopf in den Sand stecken: komplexe Anbindungen, Integration heterogener Datenquellen, schrittweise Integration von neuen Technologien in Altsysteme etc.

Superhelden sind wir auch weil wir mit voller Power und 100 %igem Engagement den Dingen nachgehen und in ständig verändertem Umfeld täglich mit neuen Anforderungen und Technologien konfrontiert werden.

Manchmal wäre ich auch gerne in der Comfort Zone.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Wir sind natürlich durch und durch digital. Alle Mitarbeiter unserer Internetagentur vereint eine tiefe Leidenschaft für digitale Dinge, sonst könnten wir in dieser Branche gar nicht bestehen. Damit ist es für uns selbstverständlich, digital zu arbeiten – sei es in der Arbeit an sich, in der Kommunikation, im Wissensmanagement oder bei praktischen Dingen. Unser Umfeld bietet so viele Services, da ist es eher schwer einen umfassenden Überblick zu bewahren und die für uns wirklich sinnvollen Tools herauszufiltern. Aber natürlich haben wir erkannt, dass nichts die gute alte persönliche Kommunikation ersetzt. Das setzen wir auch täglich mit dem gesamten Team um: mit gemeinsamen Meetings, die dank unserer erstklassigen analogen Espressomaschine auch immer gerne angenommen werden.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Das Superthema ist natürlich der ökonomische Wandel. Wir befinden uns in der Post-Wachstumsphase und müssen umdenken. Die Digitalisierung und die damit gesunkenen Transaktionskosten werden die Shared Economy weiter pushen. Nicht mehr der Besitz ist ausschlaggebend, sondern die Verfügbarkeit von Dingen. Das eigene Auto ist uncool, stattdessen ist Carsharing ein Megatrend. Traditionelle Wertschöpfungsketten werden durch die Bereitstellung digitaler Dienste durchbrochen. Das muss in die richtigen Bahnen gelenkt werden, damit nicht – wie jetzt so oft – nur wenige Große ihre Marktstellung missbrauchen. Aber auch Konzerne müssen sich neu erfinden, völlig neue Wertschöpfung auf Basis ihres Kerngeschäfts entwickeln (wie BMW‘s und Daimler’s DriveNow und car2go), was den Markt enorm verändern wird aber immenses Potential für die digitale Branche bietet.

Umweltthemen werden natürlich ausschlaggebend sein, aber auch politische Themen wie die Stärkung solidarischer Werte und die Bewältigung von Fremdenhass. Auch hier spielen die Digitalisierung bzw. die sozialen Medien eine enorme Rolle, da sich auch kleine lautstarke Gruppen Gehör verschaffen und Dinge im Großen bewegt werden können.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Insbesondere die Marktmacht weniger großer Monopolisten lassen Unternehmen wenig Spielraum. Kleine Händler haben in der Economy of digital Scale quasi keine Chance, sich gegen Platzhirsche wie Amazon und Zalando durchzusetzen. Klassische Nischenanbieter werden verdrängt, weil die Großen mit immer weniger Aufwand immer mehr anbieten und dem Kunden auf Basis von Big Data auch schmackhaft machen können. Gerade für KMU’s im E-Commerce stellt sich hier dann schon mal die Frage, inwieweit umfangreiche Investitionen in gute Shop-Lösungen auch tatsächlich aussichtsreich sind.

Herausforderung für unseren Markt:

Durch den demografischen Wandel wird die Rekrutierung von Talenten zunehmend zur zentralen Herausforderung – auch durch den kulturellen Wandel in der Generation Y. Durch das verlangsamte Wachstum wird es zur Herausforderung, eine Personalstruktur zu finden, die Overhead und Fixkosten reduziert, auf schwankende Nachfragen reagieren kann und trotzdem in allen Bereichen eine High-End Dienstleistung ermöglicht. Networking wird noch wichtiger. Gleichzeitig sind aber auch der Ausbau und die Festigung der Unternehmenskultur entscheidend.

Herausforderung für unsere Firma:

Als mittelständische Agentur sind wir dafür verantwortlich den Erfolg unserer Kunden in der Digitalen Transformation sicherzustellen. Sie gehören zumeist dem oberen Mittelstand an. Auch unsere Kunden sehen sich im digitalen Bereich mit neuen und mächtigen Wettbewerbern konfrontiert.

Unsere Herausforderung ist es genauso gute oder noch bessere digitale Umsetzungen zu projektieren, als die Großen, die in die Märkte eintreten. Natürlich mit einem Bruchteil des Budgets – es geht also sehr viel um Effizienz.

Gemeinsam muss man sich den Risiken des Marktes stellen und die Produkte und Services über intelligente und individuelle Internetlösungen anbieten.

Der Schlüssel liegt in der digitalen Nachhaltigkeit und intelligenten Mehrfachverwertung

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Seitdem die Modemeinwahl nicht mehr scheitern kann, sind es ganz klar die kritisch zu sehenden Seiten von Big Data. Als absoluter Befürworter eines ungehinderten Datenflusses im Internet finde ich hier zu einer zunehmend kritischen Sichtweise.

Vermutlich reicht bereits Googe alleine – kombiniert mit den Daten von Zugangsprovidern, Social Networks etc. entsteht aus meiner Sicht ein unvorstellbares Mißbrauchspotenzial. Eine Stasi hätte auf 98% ihrer Mitarbeiter verzichten können und keine IM-Infiltration des Berufs- und Privatlebens benötigt. Mag ja sein, dass es auf deutschem Boden nie wieder ein totalitäres Regime geben wird, aber lässt sich dies bereits für Gesamteuropa komplett ausschließen? Das macht mir wirklich Angst.

Aber auch die Marktposition, die der Informationszugang-Gatekeeper Google erlangt hat ist beängstigend. Ein Werbetreibender zahlt für einen Klick auf die Suchanzeige mit „wirtschaftsdetektei frankfurt“ durchschnittlich stolze 86,64 Euro. Das ist doch Wahnsinn – und zutiefst bedenklich.

Hingegen freue ich mich täglich über die Neuerungen und Erleichterungen die das Internet bringt. Kaum konnte mein Telefon Nachrichten versenden, telefoniere ich schon mit der Nachrichten App über das Internet, statt mit dem Telefon selbst. Manchmal bewegt es sich wohl auch in Kreisen oder hat gar disruptives Potenzial.

Das Faszinierendste aber ist und bleibt die simple Vernetzung von Menschen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich glaube, es braucht intelligente Konzepte, um der unaufhörlich zunehmenden, zum Teil vielleicht auch sehr subjektiven, Beschleunigung der Zeit entgegen zu treten. Die neuen und die „alten neuen“ Medien sind daran ja absolut nicht unbeteiligt. Im Bereich von Personal Assistance und Effizienzsteigerung von Arbeit liegt ein gigantisches Potenzial, das alleine aufgrund der demographischen Entwicklung gehoben werden muss. Dabei lassen sich viele intelligente digitale Ansätze finden.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Hier fällt es mir schwer eine einzelne Quelle zu nennen (außer natürlich netzwirtschaft.net). Die großen Technologieblogs gehören sicherlich dazu. Für mich habe ich da meinen über Jahre gewachsenen und gepflegten RSS-Stream den ich regelmäßig lese. Inzwischen ja auch fast schon ein Oldschool-Zugang.  🙂

Intern tauschen wir relevante Nachrichten und Artikel über geschlossene Google+ Posts aus. Ja, schon wieder Google.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Da reicht die Erinnerung nicht so weit zurück. Bei FUF // Frank und Freunde beschäftigen wir uns sehr mit der Abgrenzung von App- und Mobile-Webnutzung

http://venturebeat.com/2015/09/25/wait-what-mobile-browser-traffic-is-2x-bigger-than-app-traffic-and-growing-faster/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Think new! 22 Erfolgsstrategien im digitalen Business von Christian Hoffmeister

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Veranstaltungen geben mir immer nur periphere und in der Regel nicht wirklich nachhaltige Impulse. Und ganztägige Veranstaltungen zu besuchen ist ein wirklicher Luxus hinsichtlich des benötigten Timebudgets. Vielmehr lerne ich etwas dazu, wenn ich mich mit interessanten Menschen unterhalte, meiner Umwelt offen begegne und mich von ganz unterschiedlichen Dingen inspirieren lasse. Und natürlich gehören die Kunden und die Mitarbeiter meiner Internetagentur zu den besten Quellen für relevantes neues Wissen.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Vermutlich ist es auch das Tool, das ich am meisten hasse. Ich bin wirklich PowerPoint noch immer nicht richtig losgeworden. Genauso wenig wie die noch immer anhaltende Suche nach der idealen Präsentationsform.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich hätte wirklich gerne mal einen Tag mit Dick Costolo zusammen gearbeitet. Weil mich brennend interessiert hätte, wie man denken und arbeiten muss, um eine so verbreitete und verankerte Plattform wie Twitter so konsequent – und auch in allen Erscheinungsformen – an einer konsumentenkompatiblen Usability vorbei zu entwickeln oder ob es dafür einen strategischen Hintergrund gibt.