Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Felix Schwarze – Knorke

Felix Schwarze Knorke
Foto: Tomasz Mowinski

Wer ist Felix Schwarze? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

thatsknorke.com), wo ich als Kreativdiktator mit meinem Partner Kirill die Strippen ziehe. Ich trage meist Jogginghosen und hasse es, gesiezt zu werden.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin ein absoluter Serienjunkie und leidenschaftlicher Hobbykoch. Diese Kombination hat mir in den letzten Jahren zu einer stattlichen Wampe verholfen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Unsere Superpower liegt vermutlich in unserer Flexibilität. Wir arbeiten ohne Festangestellte und können durch unser gutes Netzwerk Teams für jeden Auftrag ad hoc zusammenstellen. So können wir besonders schnell, individuell und vor allem budgetorientiert fast jeden Kundenwunsch erfüllen, ohne in einem immer gleichen Rhythmus festzuhängen. Außerdem nehmen wir uns nicht zu ernst. Spaß zu haben steht bei uns im Vordergrund – so entstehen gute Projekte.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Eines unserer schönsten Projekte ist auf jeden Fall das Branding für den Bullet Shop Berlin. Das ist ein kleiner lokaler Shop für Wasserpfeifen und Zubehör bei uns um die Ecke. Als der Besitzer vor einigen Jahren zu uns kam, hatte er keine richtige Vorstellung, was er von uns erwartet – ein Briefing haben wir nie gesehen. Mit einem sehr gut funktionierenden Branding und zielgruppenorientiertem Marketing konnten wir den Shop innerhalb kurzer Zeit zu einer deutschlandweit bekannten Marke mit eingefleischten Fans machen. Das geht so weit, dass die Kunden unsere Sticker und Plakate mit auf ihre Urlaubsreisen nehmen und in der ganzen Welt verteilen, oder sich freiwillig ihre Wohnzimmer mit unserer Werbung dekorieren, weil sie Spaß dran haben.

Wir haben die Marke über die sozialen Medien aufgebaut und bekannt gemacht. Wichtig war uns dabei, dass wir nachhaltig wachsen und das Projekt nicht um jeden Preis, zum Beispiel mit hohen Ad-Budgets, pushen. So konnten wir mit geringem Budget eine starke Marke aufbauen. Nun steht sie auf so einem guten Fundament, dass wir gemeinsam mit dem Kunden expandieren können.

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren war ganz klar, dass wir mit dem Kunden voll auf einer Wellenlänge sind. Wenn die Beziehung zum Kunden passt und nicht nur auf geschäftlicher Ebene ein gutes Verhältnis besteht, wird der Austausch angeregt und Projekten wachsen Flügel. Der Kunde ist gemeinsam mit uns an dem Projekt gewachsen und lebt sein Business mit voller Hingabe. Dadurch konnten wir zum Beispiel den Social Media Part inzwischen komplett in seine Hände übergeben.

Außerdem haben wir vom Kunden nun schon seit Jahren fast freie Hand, unsere Ideen umzusetzen und dieser riesige Vertrauensvorschuss macht unsere Arbeit auch sehr angenehm. Budgets und Briefings sind kein großes Thema mehr, wir können einfach machen was wir am besten können – geile Sachen produzieren.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Als eines der reichsten Länder haben wir nicht mal flächendeckendes Breitbandnetz. Das ist schon peinlich. Mit Leuten wie Günther Oettinger in entscheidenden Positionen ist da auch wenig Licht am Horizont. Ich denke es wird eine der größten Herausforderungen für Deutschland, sich nicht noch weiter abzukapseln (beispielsweise durch schlechte Infrastruktur und Datenschutzgesetze) und digitales Entwicklungsland zu werden als jetzt schon. Wenn wir Schritt halten wollen mit der allgemeinen Entwicklung in der digitalen Welt, bedarf es hier kompetenter Persönlichkeiten und anderer Herangehensweisen.

Für die digitale Wirtschaft sehe ich aber vor allem Chancen in den nächsten Jahren. Die digitale Entwicklung steht gerade erst am Anfang und bietet schon jetzt eine riesige Fülle von Möglichkeiten für jeden von uns. Riesige neue Märkte entstehen und diese wollen ja von irgendwem bedient werden.

Für die Unternehmen wird es in Zukunft immer wichtiger und schwieriger die richtigen Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden. Die, auch durch die Digitalisierung begründete, allgemeine Verblödung der Gesellschaft, bringt immer weniger brauchbare (eher menschlich als technisch) Arbeitskräfte hervor und der Kampf um gute Leute ist kein leichter, vor allem für kleine Agenturen wie unsere.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten ärgert mich am Internet die übertriebene Selbstdarstellung der Menschen. Menschen die ständig irgendwelche Selfies oder jedes Mittagessen mit der Welt teilen müssen gehen mir auf den Sack. In den meisten Fällen ist das dann auch auch eine bewusst verzerrte Realität und das nervt mich eigentlich noch mehr. Das ganze gipfelt dann in das für mich schlimmste Phänomen, die YouTube Stars.

Am schönsten am Internet ist seine Unendlichkeit. Ich bekomme jede Information zu jeder Zeit, grenzenloses Wissen und Möglichkeiten. Aber leider halt auch YouTube Stars.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich hätte gerne eine App die alle meine Farben (Sprühdosen, Wandfarben etc.) scannt und mir Farbtöne und Füllstände auflistet.

Ein Roboter (wie bei den Jetsons), der die gesamte Hausarbeit erledigt wäre auch super, denn putzen und aufräumen nervt.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Designtagebuch auf jeden Fall einer der interessantesten Blogs. Die Inhalte sind interessant und die Diskussionen bewegen sich auf einem hohen Niveau.

Im Printbereich ist T3N mein Favorit. Aufgrund der guten Themenauswahl und der inhaltlichen Qualität der Artikel ist es eines der wenigen Magazine, die entgegen des allgemeinen Abwärtstrends weiter wachsen, und das zu Recht. In der PAGE lese ich auch sehr gerne.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Da ein bestmögliches Arbeitsklima für mich einer der entscheidenden Faktoren für gute Arbeit ist und ich mich in letzter Zeit intensiver mit dem Thema Mitarbeiterführung auseinandergesetzt habe, hat mich ein Artikel von t3n besonders inspiriert:

http://t3n.de/magazin/moderne-mitarbeiterfuehrung-profis-augenhoehe-238305/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ hat meine Arbeits- und Denkweise verändert.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich besuche grundsätzlich so gut wie keine Branchenevents. Die wichtigsten Inhalte kann ich bei Bedarf meist auch online finden. Da spare ich die Kohle lieber und gehe mit meinem Team gepflegt einen Heben.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Papier und Stift liegen bei mir immer bereit – zum notieren, scribblen oder einfach nur rumkritzeln.
Digital hat WhatsApp meine Kommunikation in den letzten Jahren stark verändert, ich nutze es sowohl zum Austausch mit Mitarbeitern und Kunden, als auch privat sehr viel.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Ich würde gerne mal eine Wand mit Bond/Truluv sprühen. Der Junge is einfach nur krass und einer meiner Lieblingssprüher.

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