Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Bert Siegel – art2viz

Bert Siegel art2vizWer ist Bert Siegel? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Mein Name ist Bert Siegel, bin 38 Jahre jung und seit fast 9 Jahren selbständig. Als studierter Kultur- und Projektmanager habe ich 2007 mein Hobby zum Beruf gemacht und bin als Quereinsteiger in der Fotografie gelandet.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich sehe das Leben gern in Schwarz-Weiß – aber nur durch die Linse eines Fotoapparates.

Mein anderer Spleen: Begeisterung. Ich bin allzu oft von neuen Ideen sehr schnell extrem begeistert und starte auch sehr schnell mit irgendwelchen Aktivitäten zur Umsetzung selbiger. Er später fange ich dann an, die Ideen gründlicher auf Ihre Umsetzbarkeit zu analysieren nach Schulnoten zu bewerten. Anfänglich steht da oft eine 1. Am nächsten Tag wird daraus meistens schon eine 2 und von Tag zu Tag, von Gedanke zu Gedanke, sinken dann meistens die Bewertung weiter. Aller Aktionismus am Anfang ist dann leider umsonst gewesen. Aber irgendwann, wird mir dann DIE Idee begegnen. Garantiert. 😉

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Art2viz ermöglicht es seinen Geschäftskunden, ihre Räumlichkeiten und Anlagen 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für eine Besichtigung geöffnet zu haben, ohne dass zusätzliche Personalkosten entstehen. Wie? Durch die Erstellung virtueller Rundgänge bzw. 360° Panoramatouren, in denen der Betrachter zum „Kameramann“ wird und selbst festlegt, wohin er gehen, wie lange er dort bleiben und welches Detail er sich anschauen möchte.

Als Google zertifizierte Fotografen können wir die direkte Einbindung in Google Maps, Google Street View und Google+ vornehmen und bieten daher nicht nur schöne hochqualitative Panoramaaufnahmen, sondern eine deutlich bessere Sichtbarkeit auf den wichtigsten Google Plattformen. Für Unternehmen mit knappen Budgets die ideale Lösung!

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ein sehr gutes Beispiel liegt in der Zeit kurz nach unserer Unternehmensgründung. Als neuer in einem Bereich, der bis dato noch nicht so bekannt war, ist es schwer den berühmten Fuß in die Tür zu bekommen. Das ging uns nicht anders. Im Jahr 2007 wurden virtuelle Rundgänge wenn überhaupt, dann überwiegen im Bereich Hotellerie von größeren Gruppen eingesetzt. Dort einen Auftrag zu ergattern, war für uns schlicht aussichtslos. Deshalb fingen wir an, darüber nachzudenken, welche Branchen ganz speziellen Nutzen aus einer Panoramatour ziehen könnten, aber dies noch nicht erkannt haben. Zu der Zeit kam der Geburtenknick in Ostdeutschland langsam bei den Universitäten an und Sachsen hatte weniger Abiturienten als verfügbare Hochschulplätze. Somit war es notwendig, Abiturienten aus den westlichen Bundesländern nach Sachsen zu locken und ggf. Vorbehalte wie z.B. wilder Osten; keine moderne Ausstattungen etc. zu widerlegen. Aus unserer Sicht kann ein virtueller Rundgang da entscheidend helfen. Das sahen erst die TU Dresden und dann auch der Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst genau so und wir bekamen den Auftrag virtuelle Campustouren für alle sächsischen Hochschulen, Universitäten und Kunsthochschulen zu erstellen. Damit waren wir die ersten, die im Bereich der Bildung die Panoramarundgänge erstellten.

Auch heute schauen wir uns nach neuen Bereichen um, für die eine Panoramatour sinnvoll ist, aber es noch niemand gemacht hat. Denn wer nur ausgetretene Wege geht, kommt nicht voran. So waren wir in Deutschland auch die ersten, die Fitnessstudios und Kurkliniken mit Rundgängen ausstatteten. Vor einigen Monaten erstellten wir deutschlandweit erstmalig eine komplette Bahnstrecke als Google Maps „Rail“ View Tour online.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Trotz großer Sympathie für die technischen Errungenschaften, wie Smartphones, Tablets etc. sehe ich die Gefahr der Vereinsamung der Menschen oder diversen Gesellschaftsgruppen. Man verliert die Übung im respektvollen direkten Umgang miteinander, dem Ertragen anderer Meinungen. Zurzeit sieht man erste Auswüchse der Verrohung in der Diskussion um die Zuwanderung. Die Kommentare auf den Plattformen sind im Schutz der Anonymität entstanden und in der Formulierung teilweise nicht mehr ertragbar. Dies könnte sich aber in Art & Weise auf die Straße verlagern und zu vermehrten teils gewaltsamen Auseinandersetzungen führen. Da dagegen zu steuern wird eine Herausforderung, nicht nur für die Regierung, sondern für alle im Staat friedlich zusammen leben wollenden Bürger.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Als zertifizierter Ausbilder sehe ich den Lehrplan und denke, „Mein Gott ist der überholt!“ Da unser Bereich extrem schnelllebig ist, ist es die große Herausforderung die Ausbildung auf einem zukunftsorientierten Niveau und die verfügbare Technik up-to-date zu halten, ohne dabei elementare Basics zu vernachlässigen.

Herausforderung für unseren Markt:

Nicht den Anschluss an den asiatischen Markt zu verpassen. Wenn man in Asien unterwegs ist, hat man ständig das Gefühl, dass die in vielen Bereichen der Netzwirtschaft uns um Jahre voraus sind. WLAN überall; Smartphones mit Doppel-Sim seit langem Standard usw. Das mag nicht immer am „Nichtwollen“ unserer Wirtschaft liegen, sondern z.B. am unterschiedlichen Rechtssystemen. Aber das wird die Aufgabe des Marktes sein, unsere politischen Entscheider auch dazu zu bringen, in ihrer Entscheidungsfindung einfach mal einen Gang hoch zu schalten.

Herausforderung für unsere Firma:

Für uns gilt es, nicht jedem Trend hinterher zu laufen aber unter den vielen Trends den zu erkennen, der ein Zukunft hat und unseren Kunden langfristig weiterhilft.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Steuerbare Panoramatouren haben eine nicht zu unterschätzende Dateigröße. In unseren Anfangsjahren war es schon sehr ärgerlich, dass aus Rücksicht auf User mit der damals noch verbreiteten Modem-Internetverbindung, wir keine hochauflösenden Panoramen publizieren konnten, sondern sehr klein bleiben mussten. Glücklicherweise ist das heute kein Thema mehr, zumal sich neben der Übertragungsgeschwindigkeit, auch die Panoramatechnik entschieden verbessert hat.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Die One-Shot Panoramakamera mit wirklich akzeptabler Qualität. Zur Zeit gibt es mehrere Startups, die sich damit beschäftigen aber alle verschieben von Monat zu Monat ihren Verkaufstermin, da es offensichtlich doch sehr schwierig ist diese Technik mit qualitätiven Anspruch zu entwickeln.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Profifoto, diverse geschlossene Foren zu Panoramafotografie

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

http://www.jonasginter.de/360-grad-video-mit-6-gopro-kameras/

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Tipping Point von Malcom Gladwell

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Guido Karp

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Pano2VR & PTGui

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Guido Karp wäre da die Person, die mir als erstes auf diese Frag einfällt. Nicht nur, dass man sicherlich von seinem gigantischen fotografischen Know How partizipieren könnte. Ich denke auch im Bereich des Agieren am Markt kann man sehr viel von ihm lernen.

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