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Interview mit Erik Winterberg – Elements of Art

Erik Winterberg Elements of ArtWer ist Erik Winterberg? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 44 Jahre alt und habe zusammen mit Sebastian Leppert die Firma Elements of Art (EoA) vor 17 Jahren gegründet. Wir sind also echte Dinosaurier unter den Internet Buden.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich koche niemals zu zweit in der Küche. Der Spleen kommt den anderen aber zugute: Sie müssen nur warten, bis ich das Essen fertig habe 🙂

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir kreieren Kinderwelten für alle Medien: ob klassische Webseiten, Apps, mobile devices oder auch im Print Bereich und POS. Unsere Stärke liegt darin, dass wir auch eigene Studien entwickeln, die sich mit dem Thema Marken und Mediennutzung bei Kindern und Familien beschäftigt. Das verleiht uns eine „Superzielgruppenpower“.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart?

Es gibt einige Beispiele, aber in jüngster Zeit würde ich sagen, war das unser JetFriends Projekt von Lufthansa. Gestartet haben wir mit einem Pitch für eine neue Kids & Teens Markenwebsite. Daraus haben sich viele weitere Projekte ergeben, die das digitale Geschäft ergänzen. Von der Entwicklung eines Familienschalters oder dem JetFriends Kinderland am Flughafen bis hin zur Verpackung eines speziellen Kindermenüs an Bord, haben wir nahezu alle Berührungspunkte entlang der Reisekette mitgestaltet.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Als Agentur für digitale Medien haben wir in unserem Unternehmen alles digitalisiert was geht. Außer die Kaffeemaschine, aber daran arbeiten wir noch!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

  • Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Der Umgang mit persönlichen Daten wird sicherlich dauerhaft in den Fokus rücken. Das Problem ist nur, dass der Staat die Bürger nicht vor Datenmissbrauch schützen kann. Jeder muss sich selber fragen, was gebe ich von mir preis und was kommuniziere ich keinesfalls.

Im Kinderumfeld denke ich, dass deutlich mehr in Sachen Mediennutzung und Medienkompetenz für die Kinder getan werden muss. Der Lehrplan sieht dazu nichts vor, die Lehrer werden in dem Bereich kaum weitergebildet. Am Ende müssen sich die Eltern in Eigeninitiative um das Erlernen der Medienkompetenz ihrer Kinder kümmern. Es gibt im Internet keine etablierten Schutzmechaniken für Kinder, das ist sicherlich ein Manko.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Monopolstellung von Apple und Google auf den Smartphones ist sicherlich eine große Herausforderung für die Mitbewerber. Das Mediennutzungsverhalten entwickelt sich immer weiter in Richtung mobile Nutzung, weil die Mobilfunk-Flatrates eine permanente Nutzung ohne Mehrkosten zulassen. Dadurch verliert der stationäre PC/Laptop an Bedeutung und wird abgelöst durch Smartphones & Co. Aber wie komme ich nun als Anbieter auf die mobilen Geräte und bleibe dort erfolgreich? Diese Fragen versuchen wir gerade in unserer neuen Studie zu beantworten.
Eine weitere Herausforderung wird sein, bürokratische Prozesse zu vereinheitlichen: Hier müssen Standards geschaffen werden, auf die die jeweiligen staatlichen Stellen zugreifen können. Ich stelle mir da etwas Einheitliches vor, was letztlich auch die Haushaltskassen der Kommunen stärker entlastet und den Bürokratie-Staat schmelzen lässt.

Herausforderung für unseren Markt:

Ganz klar: das Thema Kinder und Werbung, z.B. wird ja das Werbeverbot für Kinderlebensmittel heiß diskutiert. Die Frage ist, ob es ein generelles Werbeverbot für Kinderprodukte geben wird und wenn ja, wie sich der Kindermarkt dann neu aufstellt:

Herausforderung für unsere Firma:

Wo finden digitale Erlebnisse in Zukunft statt? Nur noch über das Smartphone oder werden sich neue Möglichkeiten der Nutzung ergeben? Wird das Leben der Kinder vielleicht doch wieder stärker durch traditionelle, konservative Werte bestimmt?

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich ärgert, dass die Überprüfbarkeit von seriösen Inhalten immer schwieriger wird. Und dass „anonymes Auskotzen“ anscheinend immer größeren Zulauf bekommt. Das merkt man im Moment deutlich beim Thema Flüchtlingsproblematik.

Gefreut hat mich, dass das Medium Internet innerhalb weniger Jahre Massen erreichen konnte und den Lebensalltag im beruflichen wie im privaten Sinne verändert und deutlich vereinfacht hat.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Frauen verstehen 🙂

Und dann fände ich es spannend, wenn sich meine kreativen Gedanken automatisch in eine klar strukturierte Präsentation umwandeln könnten.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.andersdenken.at). Beide Angebote holen mich einfach aus der täglichen Tretmühle heraus und lassen einen anderen Blickwinkel auf Kunden, Projekte und auch die Ziele der Agentur zu. Ein guter Input, um Dinge nach vorne zu treiben.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

http://www.sueddeutsche.de/digital/die-zukunft-des-internets-stirbt-der-browser-aus-1.2608485

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Ist die Werbung noch zu retten?“ von Howard Luck Gossage von 1967! Immer noch brandaktuell, gerade für die digitale Welt – trotzt des stolzen Alters von  50 Jahren. Von ihm stammt der Satz: „Die Leute lesen keine Anzeigen. Sie lesen, was sie interessiert  – und manchmal ist es eine Anzeige.“

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Jens Lönneker vom rheingold salon. Er kennt sich unter anderem aus in Sachen Jugend und Familien und hat festgestellt, dass keine Abgrenzung mehr zu den Erwachsenen stattfindet. Die Teens und ihre Eltern sind mainstream: sie hören die gleiche Musik, finden dieselben Marken cool und der Sohn warnt seinen Vater vorm Motorradfahren. Da wusste ich: das hat nichts mit meiner Jugend zu tun.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Der Browser als das Fenster zur Welt!

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Elon Musk: Ein inspirierender Unternehmer, der eine tolle Vision für die Zukunft hat und diese auch in die Tat umsetzen kann. Egal ob PayPal, Tesla Motors, SpaceX oder der Hyperloop – Elon Musk ist die treibende Kraft.
Es wäre spannend heraus zu finden, wie seine Sicht der digitalen Welt und die der Zukunft ist. Lernen würde ich gerne von ihm, wie er es (neben dem nötigen Kleingeld) geschafft hat, aus den Visionen in so kurzer Zeit, funktionierende und reale Produkte und Prototypen zu erschaffen – und das in vier unterschiedlichen Unternehmen und Branchen.