Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Enrico Just – bio.logis Genomic Healthcare

Enrico Just bio.logis Genomic HealthcareWer ist Enrico Just? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Wenn ich auf meine beruflichen Aktivitäten in den – man muss ja schon sagen – vergangenen Jahrzehnten zurückblicke, sehe ich die unterschiedlichsten Branchen von der Airline Industrie über alle Mediengattungen bis hin zur Gesundheitsbranche. Vom Global Player (Lufthansa) bis hin zum Mini Start-up (inzumi) waren zudem alle Unternehmensgrößen dabei. Eines verbindet allerdings alle Stationen meines Wirkens – es war immer spannend, es gab immer entscheidende Weichenstellungen im Unternehmen und ich durfte in fast allen Fällen große Verantwortung übernehmen.
Das habe ich bis heute gerne angenommen und werde es auch in Zukunft tun.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich sitze liebend gerne vor dem Lagerfeuer der Nation – dem sonntäglichen Tatort im Ersten!

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

gim.biologisgroup.com) versuchen gerade – und wir sind dabei schon ein sehr gutes Stück weit gekommen – die Erstellung von diagnostischen Befunden im Bereich der Humangenetik zu revolutionieren. Die DNA des Menschen hat einen in seinen Ausmaßen noch lange nicht erschlossenen Einfluss auf unsere Lebensweise, wie wir uns fühlen und wie wir auf Umwelteinflüsse reagieren. Diese Daten nutzbar zu machen, für die Mediziner und für jeden Einzelnen von uns, das haben wir uns bei bio.logis auf die Fahne geschrieben. Und ganz nebenbei betreiben wir auch noch ein Portal, über das User ihren persönlichen Genetic Health Record abrufen können.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

my.pgsbox.de kann ich mich dagegen zielgerichtet über die Themen informieren, die für mich relevant sind.
Jedesmal, wenn wir das Fachleuten und Laien präsentieren, ist das Erstaunen doch sehr groß.
In der Gesundheitswirtschaft ist die Digitalisierung nicht mehr weg zu denken und manchmal ist es zum Verzweifeln, wenn wieder irgendein Bedenkenträger meint, wir sollten lieber wieder zu Papier und Bleistift zurückkehren.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die richtige Balance zwischen der Schutzwürdigkeit der Interessen des Einzelnen und den Möglichkeiten der neuen Technologien zu finden. Vor allem sollte der Staat und die Politik akzeptieren, dass die Menschen, die offensichtlich mündig genug sind, Politiker zu wählen, auch über sich und ihre Daten selbst entscheiden können.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Aus meiner Sicht wird die größte Herausforderung sein, sich im Netz vor terroristischen Angriffen zu schützen. Ich denke, das Thema wird vielfach noch nicht ernst genommen, obwohl hier verheerender Schaden entstehen kann.

Herausforderung für unseren Markt:

In Deutschland kämpfen wir im Bereich eHealth gegen viele Vorbehalte aller möglichen Teilnehmer in der Branche. Wir verlieren dadurch Zeit gegenüber den Wettbewerbern in den USA und in Asien und vor allem schaden wir uns selbst als Patienten. Leider ist es derzeit so, dass der Datenschutz häufig vor die Gesundheitsinteressen des Einzelnen gestellt wird.

Herausforderung für unsere Firma:

Wie so häufig ist das Geld ein entscheidender Faktor, ob man gewinnt oder verliert. Im Bereich der Biotechnologie, dem wir im weitesten Sinn angehören, ist es sehr schwer, Investoren zu finden. Im Vergleich zu den USA leben wir hier in Deutschland in einer anderen Welt.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Es ärgert mich sehr, dass wir außerhalb der Ballungsgebiete übertragungstechnisch immer noch sehr schlecht erschlossen sind. Als regelmäßiger ICE-Nutzer ärgert es mich noch mehr, dass die Bahn es nicht auf die Reihe bekommt, vernünftige Bandbreiten zur Verfügung zu stellen. Ich freue mich aber über die zunehmende Anzahl von kostenlos nutzbaren Hotspots und die Vielzahl der zur Verfügung stehenden mobilen Anwendungen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Wenn ich hier eine Idee hätte, würde ich sie nicht verraten sondern selber versuchen umzusetzen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Unverzichtbar ist für mich die tägliche Nutzung von Spiegel Online – aktuell, vielseitig und gut lesbar. Die Userkommentare sollte man besser nicht lesen.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Mich begeistert jede Woche neu die Kolumne von Martenstein im Zeit Magazin

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Das habe ich bisher nicht gefunden – ich suche aber auch nicht danach.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Bio Deutschland e.V., bei denen wir natürlich Mitglied sind, geben uns dabei immer wieder neue Eindrücke und Gedankenanstöße.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Microsoft Office

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Ich habe eine wunderbare Kollegin, Prof. Daniela Steinberger, die mich geduldig und in kürzester Zeit in die (natürlich nicht alle) Geheimnisse der Humangenetik eingeführt hat. Ohne sie wäre ich als Quereinsteiger in der Branche vermutlich verzweifelt.