Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Daniel Kopsch – denkfaktur.de

Daniel_KopschWer ist Daniel Kopsch? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

42, 182cm, grauhaarig. Nach dem BWL Studium verschlug es mich kurz in das letzte Aufbäumen des damaligen „neuen Marktes“ bevor ich es erst einmal vorzog, den zunächst klassischen Weg der Strategie-Beratung und diverser Stabsstellen zu beschreiten. Nach einer Auswanderung nach Neuseeland ging ich in Deutschland in die Entwicklung / Ausrichtung zweier Start-Ups bevor ich mit meiner Frau die Denkfaktur gegründet habe. Ganz klare „Schwäche“ ist die Geschwindigkeit. Sobald sich etwas zügig bewegen lässt… will ich den Grenzbereich kennenlernen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

Die Denkfaktur ist eine Beratung im Bereich Media. D.h. wir beraten Firmen nicht was ihre Kunden werbetechnisch zu Gesicht bekommen sondern wo. Unser größter Vorteil ist unsere Neutralität und das Interesse am Kunden. Wir sind weder an große Medienunternehmen gebunden, noch in Agentur Netzwerke verstrickt. Wir sehen auch das sehr gehypte Thema „Digital“ nicht als alleinigen Heilsbringer – erst die richtige Mischung mit unter „alten“ Medien bringt den richtigen Schwung in eine Kampagne.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Nach außen, dass wir wieder wirklich zuhören was der Kunde will und uns dafür auch die Zeit nehmen. Intern klar der Respekt vor und das Wissen um die Stärken des Anderen. Meine Frau und ich sind beides Alpha-Tiere, aber sobald es thematisch um das Spezialgebiet des anderen geht, reihen wir uns ein und unterstützen den anderen. Wir pushen uns gegenseitig und verstehen uns blind.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”?

Ich kümmere mich vor allem um die klassische Unternehmensführung und sorge dafür, dass wir in unserer Beratung nicht nur die reine Media sehen, sondern immer auch noch genau auf die Befindlichkeiten des jeweiligen Unternehmens achten

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die größte Herausforderung sehe ich in unserer Mentalität. Wir brauchen mehr Mut, uns ans Unternehmertum heranzuwagen. Gerade wenn man scheitert, haftet hier einem das Image des Verlierers an. Genau das ist so schade… es wichtiger, dass man den Mut desjenigen bewundert, selbst etwas aufbauen zu wollen. Ich bin der Meinung, dass ein Land oder eine Region nur mit Mut und Intelligenz den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist. Hier ist es sicherlich notwendig, die Infrastruktur und auch die Ausbildung noch weiter zu verbessern.

Herausforderung für unseren Markt:

Der Markt der Media ist aktuell hart umkämpft. Kunden pitchen in immer kürzeren Abständen, Agenturen können / wollen immer weniger beraten, die Leistungen werden immer undurchsichtiger und das Marketing verkommt immer mehr zu einer Randdisziplin des Controlling. Kreativ- und Mediaagenturen versuchen sich gegenseitig das Geschäft wegzunehmen. Dieser Entwicklung entgegenzuwirken ist die größte Herausforderung, derer sich unser Markt gegenüber sieht. Auch das aktuelle Thema „Digital“ wird meiner Meinung nach aktuell noch nicht richtig genutzt. Man versucht mit dem Verständnis der „alten“ Medien die neuen Kommunikationswege zu nutzen, was aber leider nur selten funktioniert. Hier müssen wir noch einiges dazulernen.

Herausforderung für unsere Firma:

Das Mindset unserer Kunden wieder für Qualität öffnen und Ihnen klar machen, dass es bei guter Werbung um den Content geht. Nicht immer der Herde hinterherlaufen, sondern sich wirklich mal Gedanken machen, welche Botschaften und Werbemittel wirklich zum eigenen Produkt oder der eigenen Marke passen. Auf der anderen Seite werden wir mit der Suche nach den geeigneten Mitarbeitern am meisten zu kämpfen haben.

Meine Persönliche Herausforderung:

Dadurch, dass meine Frau und ich das Unternehmen gegründet haben, ist die erste Herausforderung das Geschäft und das Privatleben halbwegs getrennt zu halten. Es ist sicherlich schwierig aber wir versuchen zu Hause auch wirklich einmal abzuschalten, um dann wieder den Kopf für die Arbeit frei zu haben. Wir haben hier aber sicherlich noch Verbesserungspotential.

Aber auch in Bezug auf die technologischen, wirtschaftlichen und branchenspezifischen Entwicklungen am Ball zu bleiben, fordert mich jeden Tag aufs Neue.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern? 

Vor allem in der Verbindung zwischen digitalen und klassischen Medien möchte ich mich noch weiter einarbeiten.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst (deutsch oder Englisch)

Einen speziellen Blog gibt es eigentlich nicht. Ich lese was mir in die Finger kommt. Aber natürlich bin ich auch auf den bekannten Plattformen unterwegs (Horizont, WuV, Wired, Golem, Techcrunch etc.).

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Das offene Austragen des Konflikts zwischen Kreativ- und Media Agenturen durch Thomas Strerath und Manfred Kluge in der Horizont. Faszinierend, wie sich zwei gestandene Werbemanager zu so einem Kindergarten hinreißen lassen.

http://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/Debatte-Thomas-Strerath-attackiert-Mediaagenturen-132837

http://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/Debatte-Mediaagenturmanager-kontern-die-Kritik-von-Thomas-Strerath-132932

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat (das nicht unbedingt ein Business Buch sein muss)

„Plato and a Platypus Walk into a Bar: Understanding philosophy through jokes“ von Thomas Cathcart und Daniel Klein

Man kann komplizierte Zusammenhänge auch einfach und mit einem Augenzwinkern erklären.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Die letzten beiden Start-Ups, die ich begleitet habe. Hier habe ich nach meinem Angestellten-Dasein zum ersten Mal gelernt wie ein Unternehmen wirklich funktioniert, was man alles tun muss und vor allem kann. Mit der Denkfaktur geht die „Veranstaltungsreihe“ nun weiter… ich lerne jeden Tag.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

XMind, ein Mind Mapping Tool mit dem ich versuche meine Ideen und Gedanken ein bisschen zu ordnen. Klappt soweit ganz gut.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit einem sehr guten Freund, Philipp Wichert Geschäftsführer der Stockheim GmbH & Co. KG. Stockheim ist ein Spezialist für Messe-, Event- und Systemgastronomie der in den letzten Jahren den Anschluss innerhalb seiner Branche zu verlieren drohte. Herr Wichert schaffte es, das Unternehmen zu entstauben und wieder auf Spur zu bringen. Eingefahrene Strukturen aufzubrechen und dem Unternehmen neuen Schwung zu geben, haben mich nachhaltig beeindruckt. Zudem habe ich selten einen Manager erlebt, der seinen Job so ehrlich lebt. Gerade der Balanceakt zwischen dem Bewahren alter aber positiver Eigenschaften eines Unternehmens und der Entwicklung zukunftsweisender Strategien würde mich sehr interessieren.