Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Corinna Nachtigall – webguerillas

Corinna Nachtigall webguerillasWer ist Corinna Nachtigall? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

webguerillas in Berlin – mittlerweile seit 2012. Vorher war ich bei den webguerillas in München, dazwischen habe ich eine Zeit lang über den Tellerrand geschaut und bei verschiedenen anderen Agenturen angeheuert. Studiert habe ich klassisches Marketing und Unternehmensführung, von der Pieke auf gelernt sozusagen. Besonders interessiert haben mich aber schon damals alternative Werbeformen, wenn statt des größten Werbebudgets und der meisten Werbeschaltungen die passende Idee eine Kampagne in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rückt. Ich finde es spannend, wenn eine clevere Aktion zur richtigen Zeit am passenden Ort die Normalität sprengt und deshalb hinterher alle drüber reden.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Mein Team hat mir zum Geburtstag eine Soundmachine geschenkt. Sie hat ein gutes Dutzend Knöpfe mit unterschiedlichen Geräuschen – Dropping Bomb, Drumroll, so etwas. Und wenn einer meiner Mitarbeiter zu mir kommt, mit einer Idee oder einer Frage, dann kriegt er gerne auch mal den passenden Sound als Antwort.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die webguerillas sind eine Fullservice-Agentur für alternative Werbeformen und Influencer Marketing, der gezielten On- und Offline-Ansprache von Meinungsmachern. Wir sind in München, Zürich, Berlin, Hamburg und Köln zu finden und gehören zu den führenden Agenturen für Social Media, Mobile-, Guerilla- und Blog-Konzepte. Kurz gesagt: Wir wissen, was sich herumspricht und wem wir es erzählen, damit es jeder erfährt. Und wir haben die passende Idee mit einem Sinn für’s Ausgefallene.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ein sehr gutes Beispiel dafür sind die Videodays 2014/15. Unser Kunde Deutsche Telekom positioniert sich schon seit einiger Zeit mit den Telekom StreetGigs sehr erfolgreich als Marke mit Gespür für Zeitgeist und Coolness. Die StreetGigs sind Konzerte angesagter Künstler an ungewöhnlichen Orten oder in unerwarteter Aufmachung. Unsere Aufgabe war es, die Reichweite der StreetGigs deutlich zu erhöhen und die Telekom dabei noch besser bei einer jungen Zielgruppe zu platzieren. Unsere zündende Idee: StreetGigs meets VideoDays, das größte YouTube-Event Europas. Denn wer junge Menschen erreichen will, kann sich ein großes Werbebudget für TV-Spots sparen. Die Zielgruppe sieht nicht fern, sondern Netz, YouTube ist der ‚place to be‘ der Generation. Wir trimmten die StreetGigs deshalb 2014 und 2015 ganz für dieses Event: Im Zentrum stand 2014 zum Beispiel ein Auftritt von Megan Nicole, einer jungen Sängerin, deren Karriere auf YouTube begann. Drum herum platzierten wir passende Aktionen, die online und offline miteinander verbanden. So gab es eine Live-Berichterstattung auf Twitter, Instagram und natürlich YouTube und Interviews mit den YouTube-Stars vor Ort. Mit einer Eis-Selfie-Aktion und dem Live-Druck von #Instaception-Shirts mit während des Events von den Besuchern geschossenen Fotos, luden wir die 15.000 YouTube-Fans in der Halle dazu ein, ihr Erlebnis mit der Welt zu teilen. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Mit der Aktion erreichten wir 5 Millionen Kontakte im Netz – also YouTube-Views von Telekom-gebrandeten Videos, Reichweite auf Twitter und Zuschauer der verschiedenen Live-Streams.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Als Agentur mit beiden Beinen im digitalen Geschäft tragen wir das Digitale ja praktisch im Herzen. Deshalb sind wir kürzlich mit unseren Arbeitswerkzeugen komplett in die Cloud umgezogen: der Austausch von Daten, das gemeinsame Arbeiten an Präsentationen und Dokumenten und unsere gesamte Kommunikation laufen über Google. Bei der Zusammenarbeit von fünf Teams in fünf Städten können wir nur so agil und flexibel genug und immer alle auf demselben Stand bleiben. Wir sparen uns damit Reibungsverluste und Kosten, und können mit den Möglichkeiten des kollaborativen Arbeitens in der Cloud die verschiedenen Talente an den unterschiedlichen Standorten optimal bündeln.

Wenn Du Dir Euren Markt, Eure Firma ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für unseren Markt:

Die Möglichkeiten im Netz verändern den Fokus unserer Kunden. Dass Kampagnen unmittelbar messbar sind, verführt häufig dazu, den Erfolg von Kampagnen ausschließlich nach der Performance zu bewerten: Werbung und Kommunikation müssen demnach zählbaren Erfolg haben, Abverkäufe und Leads generieren.  Dieser Herausforderung stellen wir uns gerne. Jedoch dürfen andere Kampagnenziele darüber nicht vergessen werden: Deshalb wollen wir mit unserer Arbeit immer beides erreichen. So beraten wir auch unsere Kunden.

Herausforderung für unsere Firma:

Die wichtigste Herausforderung für uns ist es, passende Menschen für unser Team zu finden. Wir haben qualifizierte Leute, die mit großartigem Engagement und Leidenschaft an unseren Projekten arbeiten. Mitarbeiter zu finden, die dieselbe Leidenschaft entwickeln und das auch schon im Bewerbungsgespräch rüberbringen, das ist unheimlich schwer.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Sich über „das Internet“ zu ärgern, ergibt nicht viel Sinn. Da könnte ich mich auch über „die Autobahn“ ärgern, wenn mich einer beim Überholen schneidet. Das Internet ist geprägt von dem, was die Menschen dort tun, was sie äußern, wie sie Dienstleistungen wahrnehmen oder anbieten, welche Erwartungen sie haben oder welche Ansprüche. Und wie überall gibt es dabei Besserwisser, Rechthaber und Kleingeister, über die man sich ärgern könnte. Man kann sich aber auch einfach mit den Skurrilen und Weltoffenen, den Kreativen und Cleveren beschäftigen und sich darüber freuen, dass eine Idee auf der anderen Seite der Welt entsteht und ich sie hier eine Sekunde später mitbekommen kann.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Ich bin gezwungenermaßen viel mit dem Auto in der Stadt unterwegs – nicht immer kann ich das durch Taxi oder öffentliche Verkehrsmittel ersetzen. Wenn mir dann an meinem Ziel irgendwer irgendwie die Suche nach dem Parkplatz abnehmen könnte, das wäre großartig.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat.

Gerade neulich habe ich Brand Planning von Andreas Baetygen gelesen. Darin geht es um den gesamten Prozess der Marken- und Kommunikationsstrategie, mit cleveren Gedanken zu den Auswirkungen, die das Internet auf diesen Prozess hat. Das hat mir nochmal neue Inspirationen gegeben, worauf wir bei unseren digitalen Kampagnen achten sollten.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich interessiere mich ja überhaupt nicht für Fußball. Trotzdem würde ich gerne einen Tag mit einem der großen Fußballtrainer zusammenarbeiten: Jürgen Klopp oder Pep Guardiola. Mich würden die Methoden interessieren, wie sie immer neue Lösungen und aufsehenerregende Strategien in einem Feld finden, über das Millionen Köpfe millionenfach nachgedacht haben!

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