Interview
Die Forschungsassistenten

Interview mit Christian Preiser – Deutsche Gesellschaft Qualitätsjournalismus e.V.

Christian Preiser Deutsche Gesellschaft Qualitätsjournalismus e.V.Wer ist die Deutsche Gesellschaft Qualitäts- journalismus? Bitte stellt Euch doch mal kurz vor.

Deutsche Gesellschaft Qualitätsjournalismus (DGQJ) ist ein gemeinnütziger Verein, der von Journalisten und anderen Medienmenschen gegründet wurde. Unser Ziel: Wir wollen eine breite öffentliche Diskussion in Gang setzen, welche Rolle Journalismus in einer Demokratie spielt – und welchen Wert er für eine Gesellschaft hat. Oder haben sollte. Oder haben kann.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich bin ein Orthografie-Pedant. Wenn das Komma vorm dass fehlt, rollen sich mir die Fußnägel hoch.

Elevator Pitch! Was macht Euer Verein? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Die Deutsche Gesellschaft Qualitätsjournalismus betreibt Lobbyismus für eine gute Sache, von der tendenziell alle profitieren: nämlich hochwertigen Journalismus. Wir organisieren Dialogveranstaltungen, wir geben Publikationen heraus, wir schaffen Raum für Diskussionen. Unsere Superpower? Liegt wahrscheinlich darin, dass wir uns bislang weder von „Lügenpresse“-Gebrülle noch von „Medienkrise“-Unkenrufen haben entmutigen lassen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart?

Ein Highlight unserer bisherigen Arbeit war die Veröffentlichung des Almanachs „Quo vadis, Journalismus?“. Darin befragen wir allerlei Promis aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft danach, was sie von Journalismus halten. Den Almanach haben wir in tausender Auflage drucken lassen und außerdem als PDF zum kostenlosen Download auf unsere Homepage (www.dgqj.de) gestellt. Die Resonanz auf dieses Büchlein war grandios: Viele haben den Print-Almanach bestellt, noch mehr haben ihn heruntergeladen. Mit einer solchen „Nachfrage“ hatten wir nicht gerechnet. Und sie hat uns gezeigt: Die Menschen interessieren sich für die Zukunft des Journalismus und den Journalismus der Zukunft. Was wir daraus gelernt haben? Auch mit kleinem Aufwand lassen sich große Räder drehen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Medienkrise ist keine Schimäre. Die gibt es wirklich. Nicht zuletzt wegen der Digitalisierung. Der Journalismus muss sich darauf einstellen. Aber nicht, indem er lamentiert und kapituliert. Sondern indem er sich auf seine „alten Tugenden“ besinnt: saubere Recherche, solide und neutrale Berichterstattung, kluge Analyse. Der Staat kann da nicht viel helfen. Im Gegenteil. Er sollte sich raushalten. Denn Journalismus heißt immer auch: Unabhängigkeit bewahren.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Monopolisten-Bashing ist Quatsch. Ob Facebook, Google, Axel Springer oder Co. – der Erfolg dieser Unternehmen liegt ja nicht unwesentlich darin, dass sie sich konsequent an den Bedürfnissen des Marktes orientiert haben. Die deutsche Netzwirtschaft hinkt in der Tat hinterher. Sie ist kleinteilig und von Partikularinteressen bestimmt: Jeder Branchenzweig hat seinen eigenen Verband und seine eigene Initiative. Schlagkraft baut man anders auf.

Herausforderung für unseren Markt:

Die alte silicon-valley-Weisheit beherzigen und umsetzen: better done than perfect.

Herausforderung für unsere Firma:

Immer wenn in Dresden oder sonstwo „Lügenpresse“ gebrüllt wird, wird uns klar: Wir stehen ganz am Anfang. Die Diskussion über den Wert von Journalismus hat gerade erst begonnen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Aus journalistischer Sicht ist das Internet großartig – als Fundgrube für Recherchen, als Distributionskanal, als Dialogplattform. Ich sehe keinen ernsthaften Grund, mich übers Internet zu ärgern.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Für Themen rund um Journalismus und Medien: kress und turi.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Einfach mal sexy sein – ein süffisant geschriebenes Stück Wirtschaftsjournalismus aus der „Bunte“ für Manager.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Robert Seethaler, Ein ganzes Leben. – Ein absolutes Kontrastprogramm zum virtuellen Gehetze 4.0. Höchst anregend.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

k.A. – Daran erinnere ich mich nicht mehr…

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Microsoft Word und Mozilla Thunderbird. Ohne die beiden geht nix.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Mit Jeff Bezos, dem Gründer und Chef von amazon. Der hält mit seinem Geschäftssinn und seinen disruptiven Ideen seit nahezu zwei Jahrzehnten diverse Industrien auf Trab. Vor Kurzem hat er sich – für kleines Geld (was sind schon 250 Millionen Dollar für einen mehrfachen Milliardär?!) – die ebenso legendäre wie Verlust machende Washington Post gekauft – und integriert deren Journalismus in seine Online-Aktivitäten (Kindle & Co.). Offenbar funktioniert und rechnet sich das. Von Bezos, glaube ich, können Journalisten und Medienmenschen viel lernen (auch wenn man ihn und sein Arbeiten nicht mögen muss).

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