Interview
Die Forschungsassistenten

Interview mit Benedict Rodenstock – Astutia Ventures

Benedict Rodenstock Astutia VenturesWer ist Benedict Rodentstock? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Mein Name ist Benedict Rodenstock, ich bin 45 und komme aus München. Seit fast 10 Jahren arbeite ich hauptberuflich als Investor.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich liebe das Risiko, nicht nur im Beruf, auch im Bergsport, beim Mountainbiken oder Skitourengehen.

Elevator Pitch! Was sind für Euch spannende Themen? Wo liegt Euer Investmentfokus und was ist Eure Superpower?

www.astutia.de) haben unseren Fokus auf Wachstumsfirmen aus der Internet-Branche. Faktisch haben wir einen Schwerpunkt im E-Commerce, aber opportunistisch investieren wir auch in andere Teilbereiche der Digitalen Wirtschaft. Eine noch engere Eingrenzung, etwa auf SAAS oder Fintech, erscheint uns angesichts der schnellen Veränderungen in der Branche nicht sinnvoll.

Was war Euer letztes Investment und was hat Euch daran überzeugt?

Catchys, eine Platform für Second-Hand-Mode. Uns haben der Markt, das Team und die weiteren Unterstützer überzeugt.

Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel von einer Eurer Portfoliofirmen, wo diese besonders erfolgreich waren? 

2010 haben wir in Mister Spex investiert. Viele glaubten damals, der Online-Verkauf von Brillen könne nicht funktionieren. Heute ist das Unternehmen Marktführer für den Vertrieb von Brillen und Kontaktlinsen übers Internet in Deutschland. Die Jungs machen einen sehr guten Job in Sachen Produktpräsentation und Online-Marketing. Außerdem haben sie geschickt durch Zukäufe expandiert. Bei der letzten Finanzierungsrunde hat sogar Goldman Sachs investiert. Wir sind 2014 ausgestiegen, weil es für uns zu groß wurde. Die neuen Investoren haben uns ein gutes Secondary-Angebot gemacht.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Eine generelle Herausforderung für die Gesellschaft ist die Akzeptanz neuer Technologien und die Abwägung von Chancen und Risiken. Generell ist die öffentliche Diskussion sehr stark von Ängsten geprägt, etwa im Bereich Datenschutz oder Verlust von Arbeitsplätzen. Die Politik richtet sich danach.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Politik sollte ihre Versprechen einlösen und ein günstigeres Umfeld für Startups schaffen: Freundlichere Regelungen für Investoren, eine EU-E-Commerce Richtlinie, bessere Connectivity übers ganze Territorium u.v.m.

Herausforderung für unseren Markt:

Für VCs gibt es spezifische Forderungen an die Politik: Z.B. die Möglichkeit, Abschreiber steuerlich geltend zu machen, steuerliche Behandlung von Fondsvehikeln und der Managementgebühr.

Herausforderung für unsere Firma:

Bisher haben wir unser eigenes Geld investiert und pro Finanzierungsrunde Konsortien geschnürt. Mit unserem Track Record wollen wir einen Fonds auflegen, um künftig größere Tickets zeichnen zu können.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Mich freut es, dass die Internet-Branche eine der wenigen ist, die auch in Europa in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen sind, verschiedenen Krisen zum Trotz. Was mich ärgert, ist, dass auch auf der Nutzerseite die Bereitschaft, mal was Neues auszuprobieren, oft gering ist und dass immer noch vielfach nur über die großen US-Player berichtet wird.

Welches noch nicht gelöste „Problem“ (privat oder fürs Business) würdest Du gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Es wäre toll, wenn es eine Plattform gäbe, mit der man in allen Städten die Bycicle-Sharing Angebote nutzen könnte, ohne sich jedes Mal umständlich registrieren zu müssen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Das Venture Capital Magazin ist für mich Pflichtlektüre. Daneben lese ich zahlreiche Fachmagazine und Newsletter, auch international.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Five Ways to Build a $100 Million Business http://t.co/VdjDionPlY

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Winning Angels

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Neulich auf der 30-Jahr-Feier von Simon, Kucher & Partner. Hermann Simon hat einen glänzenden Vortrag gehalten, in dem er die Zukunft alles andere als schwarz malte.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ich führe auch persönlich ein „Digital Life“. Ich bin ein Outlook-Junkie. Ich finde aber auch neuere Tools wie Pipedrive oder Pocket hilfreich. Meine Dateien habe ich nur noch in der Cloud. Statt früher ein Notebook habe ich unterwegs meist nur noch das Smartphone dabei.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Z.B. mit Tim Draper oder Elon Musk, da kann man sicher viel lernen…

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