Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Bastian Scherbeck – We Are Social

Bastian Scherbeck We Are SocialWer ist Bastian Scherbeck? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

We Are Social in München gegründet – mittlerweile sind wir 35 We Are Socials an insgesamt zwei deutschen Standorten: München und Berlin.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Es bringt nichts, das zu verstecken: Ich verliere Dinge. Oft. Vom iPhone-Kabel bis zum Haustürschlüssel war schon alles dabei. Das Gute ist: Ich bin ein Glückskind – in der Regel tauchen all diese Dinge nach einer Weile wieder auf.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Unser Name sagt es: Wir fokussieren uns vollständig auf Social. Ich sage ganz bewusst nicht Social Media; aus unserer Sicht lässt sich “Social” nicht auf landläufige Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter, Snapchat, WhatsApp, WeChat und Co. begrenzen. Es geht hier vielmehr um ein grundsätzliches Bewußtsein, um ein strategisches Framework, welches es uns erlaubt die digitale Kommunikationslandschaft zielorientiert zugunsten unserer Kunden einzusetzen. Für die meisten Unternehmen macht es Sinn, “Social Thinking” als strategischen Ansatz ins Zentrum ihrer Markenkommunikation zu stellen. Und dabei helfen wir. In Deutschland wie global.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? 

Eines unserer Best Practice Beispiele ist unsere Arbeit für ein Drehbohrgerät. Hierbei handelt es sich um eine Baumaschine unseres Kunden Liebherr – wir haben im Jahr 2014 den globalen Launch des LB44 – so die offizielle Bezeichnung – digital entwickelt und umgesetzt. Die Kampagne fußte dabei auf zwei Säulen: Facebook für die Imagekommunikation und Linkedin für die Leadgenerierung im Bereich B2B. wohlbemerkt: Es handelt sich um eine – je nach Konfiguration – ca. 2 Mio. € teure Baumaschine: Die Zielgruppe der Einkäufer ist da schon sehr nischig. Trotzdem: Basierend auf Social Thinking als Strategieframework und umgesetzt im Rahmen eines herausragend kreativen Ansatzes wurde die Kampagne image- wie absatzseitig ein großer Erfolg. Zusammengefasst: 2 Exemplare des LB 44 wurden allein aufgrund der Kampagne verkauft. Ausgezeichnet wurden wir dafür mit dem Deutschen Preis für Onlinekommunikation in der Kategorie B2B. Das macht mich schon sehr stolz – vor allem auf mein Team. Eine Detailbeschreibung des Case findet Ihr übrigens hier:

http://www.internetworld.de/onlinemarketing/social-media-marketing/so-verdiente-liebherr-linkedin-millionen-1058666.html

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Der Ausbau der digitalen Infrastruktur – bzw. eben der Nicht-Ausbau macht mir mittlerweile große Sorgen. Teile der Gesellschaft wie der Wirtschaft drohen hier gewaltig abgehängt zu werden. Ganz zu schweigen von den aktuellen Entscheidungen im Bereich der Netzneutralität: Ich wünsche mir, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sonst sieht es für Start-Ups mit einem digitalen Fokus in Deutschland bald noch düsterer aus als eh schon …

Herausforderung für unsere Firma:

Wir sind aktuell weiterhin die einzige Agentur mit einem 100% Fokus auf Social und globaler Reichweite. Die private wie professionelle Kommunikation entwickelt sich weiterhin zu unseren Gunsten (der Schwerpunkt verschiebt sich in Richtung digital und insbesondere social) – dies passiert allerdings auch weiterhin mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit. Vieles von dem was heute stimmt / heute gut funktioniert, ist in ein paar Wochen, spätestens in ein paar Monaten schon wieder passé. Dies stellt uns zwar auch in einzelnen Märkten immer wieder vor neue Herausforderungen – im Bereich globaler Kommunikation / Kommunikation in diversen Märkten erhöht sich die Komplexität dann aber noch einmal deutlich. Hier werden wir beständig und weiterhin hart arbeiten müssen um im Namen unserer Kunden Vorreiter zu sein. Unsere persönliche Herausforderung ist es im nächsten Jahr noch deutlicher zu machen was “Social” eigentlich mittlerweile bedeutet: Weg von “Content auf Plattformen Dritter / in sozialen Netzwerken” hin zu einem digitalen Strategieframework, welches für das Marketing eines Großteils der Unternehmen bereits heute richtungweisend sein sollte.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Am meisten geärgert hat mich sicherlich meine erste Telefonrechnung nach meiner persönlichen Entdeckung des Netzes. Das war 1996 – also ziemlich genau vor 20 Jahren. Ich war gerade 17 und habe neben der Schule im Supermarkt gejobbt. Die eine Hälfte der Rechnung kam von der Telekom – knapp 300 Mark, die andere Hälfte von AOL – noch mal 300 Mark. Das Ganze für einen Monat Internetnutzung. Konsequenz: Im Supermarkt noch mehr Regale sortieren … ein Traum.

Am meisten gefreut haben mich – und freuen mich immer noch – die persönlichen Kontakte und Freundschaften, welche sich im Laufe der Jahre über das Internet entwickelt haben. Ich muss sagen, dass ich eine unglaubliche Menge spannender Leute nie kennengelernt hätte, wenn es das Internet nicht gegeben hätte. Insofern war das Netz für mich schon immer primär ein soziales Netz – von den frühen Anfängen (BBS) bis zu den sozialen Netzwerken von heute.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Privat – siehe oben: ich hätte gerne eine allumfassende Lösung für meinen “Spleen” – das würde mir doch so einiges an Nerven sparen.

Aus Sicht einer Agentur würde ich mir eines klar wünschen: Eine Lösung für die aktuelle “Einkaufssituation” von Marketingdienstleistungen durch Unternehmen. Pitches sind aus meiner Sicht für beide Seiten (Unternehmen wie Agenturen) eine ineffiziente, intransparente Lösung. Ich denke hier bspw. an das automatisierte Matching von Agenturen und Unternehmen auf Datenbasis … denkt nach Start-Ups! Da ist viel Geld zu holen – und trotzdem würden Unternehmen wie Agenturen Aufwand und Ressourcen sparen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

http://sethgodin.typepad.com/. Von kurzen Texten bis hin zu langen Aufsätzen – mal näher am Marketing, mal weiter entfernt – ich lese Ihn immer wieder gerne.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

“The Hard Thing About Hard Things: Building a Business When There Are No Easy Answers” von Ben Horowitz. Horowitz ist Partner von Andreessen Horowitz – einem der führenden Venture Capital Unternehmen im Silicon Valley – und erzählt aus eigener Anschauung wie man auch harte Zeiten und harte Entscheidungen überlebt. Absolut lesenswert.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Es ist nicht gerade um die Ecke, aber wenn es möglich ist sollte man sich die SXSW Interactive in Austin, Texas nicht entgehen lassen. Auch wenn die Veranstaltung mittlerweile was die Anzahl der Vorträge und die Anzahl der Teilnehmer angeht an Ihre Grenzen kommt: Es gibt nur wenige vergleichbare “Festivals” auf der Welt in der man in einer solchen Kürze so geballt viele spannende Vorträge hören und spannende Menschen treffen kann.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Es ist schon fast altmodisch aber das ist eindeutig Skype. Bei We Are Social geht ohne Skype gar nichts – ich würde fast behaupten eine Downtime von Skype führt international, national (Berlin und München) UND LOKAL zu deutlich weniger Austausch. Auch wenn wir mittlerweile ein Social Intranet haben – die schnelle Kommunikation bei uns läuft weiterhin über Skype.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Hier kann ich mich echt nicht entscheiden – ich arbeite jeden Tag aufs Neue mit so viel phantastischen Leuten zusammen – da kann ich niemanden rauspicken. Wichtig ist da aber sicherlich meine Definition von “Zusammenarbeit” – natürlich gibt es auf Seiten der Kollegen in Deutschland und weltweit ebenso wie auf Seiten der Kunden immer wieder spannende Begegnungen. Aus meiner Sicht arbeite ich jedoch beständig mit einer globalen “Marketingcommunity” zusammen, welche immer wieder bereit ist Ihr Wissen zu teilen. Den Status des “Experten” finde ich dabei etwas veraltet und anmaßend: Aus meiner Sicht ist es heute so gut wie unmöglich ein “Experte” in einem Bereich zu sein – dafür entwickelt sich Wissen jeglicher Art einfach viel zu schnell. Der einzige Weg “Experte” zu sein, wäre es sein Wissen extrem auf einen “Kleinstbereich” zu fokussieren – das wird dann aber aus meiner Sicht a) schnell langweilig und ist im Zweifel b) unlukrativ.

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