Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Andreas Illmer – smply.gd

Andreas_IllmerWer ist Andreas Illmer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

Ich bin fast 35 Jahre, komme aus dem Ruhrgebiet und bin BVB-Fan (das war nicht einfach dieses Jahr ;-)). Beruflich habe ich über 13 Jahre in diversen Funktionen in einer großen Essener Werbeagentur gearbeitet und parallel International Management sowie Marketing und Kommunikation studiert.

Ende 2013 haben mein Kompagnon und ich entschieden unser eigenes Unternehmen zu gründen.

Wir waren und sind der Überzeugung, dass bestehende Agenturen ihren Fokus nicht (mehr) richtig setzen. Aber vor allem stand für uns fest, dass zu viele – kleine und größere – Unehrlichkeiten die Branche und das Kunden-Agentur-Verhältnisse vergiftet hatten. Wir wollten beweisen, dass es anders geht. Und vor allem besser.

Das Problem liegt unseres Erachtens darin, dass das Vertrauen verloren gegangen ist. Darum wagt letztendlich niemand mehr etwas richtig Innovatives. Es gibt exorbitant viele Bremser und Bedenkenträger. Bloß nichts riskieren, es könnte ja nach hinten losgehen. „Cover your ass“ ist oftmals das Mittel der Wahl und alle Seiten verschwenden viel Energie darauf, sich abzusichern – anstatt in der selben Zeit die eigenen Kunden oder das eigene Unternehmen nach vorne zu bringen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr besser, was ist Euer USP?

www.smply.gd) ( ist eine Kommunikationsagentur mit starkem Beratungsfokus. Unsere Firma ist um die beiden Kernwerte „Kreativität“ und „Ehrlichkeit“ gebaut. Denn jeder sollte sich heutzutage darüber im Klaren sein, dass unehrliche oder beschönigende Kommunikationsstrategien massiv an Bedeutung verloren haben. Google und Co enttarnen einen schnell als Lügner – jederzeit und auch mobil. Insofern arbeiten wir für unsere Kunden sehr analytisch und inhaltlich. Kreativität ist daher für uns auch kein Selbstzweck, sondern zielgerichtetes Instrument, das Aufmerksamkeit erzeugen kann, indem sie Botschaften auf merkfähige Weise transportiert. Die Botschaft oder den Inhalt selbst kann sie jedoch nicht ersetzen.
Letztendlich verhelfen wir Unternehmen zu einer erfolgreichen Positionierung – aber auf Basis tatsächlicher Stärken.

Was ist Eure interne “Secret Sauce”? 

Auch politisch Unkorrektes oder Unbequemes gehört schamlos ausgesprochen. Die wirklichen Motive der Zielgruppen sind ja auch nicht immer bequem oder politisch korrekt. Was man dann daraus macht, ist erst der zweite Schritt.

Was genau ist Deine Rolle im Unternehmen, wo liegt Deine Expertise und “Superpower”? 

Ich bin Mitgründer und Geschäftsführer. Ich moderiere, provoziere, fordere und schweiße das Team zusammen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft bzw. den Staat:

Erst einmal müssen wir an der internationalen Entwicklung dranbleiben – und gleichzeitig massiv Nachhilfe geben. Deutschland verfügt zwar über eine international konkurrenzfähige digitale Elite, aber wir haben zeitgleich Unmengen an Leuten hinter uns gelassen. Wenn wir beispielsweise für unsere Immobilienkunden Mieterbefragungen durchführen, haben 40–51% der Befragten keinen Internetzugang, weder privat noch beruflich. Freunde meiner Mutter bitten sie regelmäßig, ihnen etwas aus dem Internet auszudrucken – schließlich hätte sie einen Zugang. Und letztens wurde ich allen Ernstes gefragt, wie viele Seiten „dieses Internet“ denn hätte.
Die digitale Elite läuft vorne so schnell davon, dass ihr viele nicht mehr folgen können.
Daraus ergibt sich im Mainstream ein digitales Mittelfeld. Hier herrscht oftmals Unwissen um grundlegende Funktionen und Zusammenhänge im Web, gemischt mit einem Bisschen Unvernunft und Resignation. Das ist für uns als Wissensgesellschaft auf Dauer sehr gefährlich.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland/Europa:

Ich habe gerade Apples WWDC-Keynote verfolgt. Streaming-Radio, Videos statt MP3s und Zugriff auf alle Musik im iTunes-Store für nur 9,99€. Eigentlich nicht schlecht. Aber eine Frage, die in Deutschland dann dringend beantwortet werden muss, ist die, wie wir mit 500MB standardmäßigem Inklusiv-Volumen beim Smartphone oder den noch vorhandenen 3–6 Mbit-DSL-Leitungen im Cloud- und Streaming-Zeitalter mithalten wollen. So sehr wir uns dies auch alles wünschen: Mit den aktuellen Strukturen wird das, gelinde gesagt, schwierig.

Herausforderung für unseren Markt:

Wenn wir obige Probleme gelöst haben, wird es meines Erachtens für unseren Markt inhaltlich nicht so schwer. Mit ein bisschen Kundenfokus können wir super Services und Produkte bauen – an guten Ideen mangelt es da in Deutschland nicht.
Was allerdings auf Unternehmensseite noch gelernt werden muss, ist, dass digitale Strukturen im Kern nicht nur die Website betreffen, sondern das gesamte Unternehmen. Umstrukturierungen sind hier sicherlich noch massig nötig und zum Großteil leider auch überfällig – insbesondere im Mittelstand.

Herausforderung für unsere Firma:

Als Start-up stehen für uns Wachstum und Liquiditätsmanagement ganz weit vorne. Und bisher scheint unsere Vision einer ehrlicheren, kreativeren und mutigeren Welt ganz gut im Markt anzukommen. Ich bin also sehr zuversichtlich, dass wir unser Wachstumsende noch nicht erreicht haben.

Meine Persönliche Herausforderung:

Zeitmanagement – diese Frage ist leider ganz einfach zu beantworten 😉

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst (deutsch oder Englisch)

t3n, wired, facebook-Empfehlungen meines Netzwerks – leider fehlt mir die Zeit, jede einzelne News aus diversen Newsfeeds selbst zu ziehen. Insofern bin ich dankbar für die Arbeit, die diese Seiten für mich erledigen – News aggregieren und teilweise auch direkt übersetzen. Das spart mir täglich eine Menge Zeit.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

https://www.youtube.com/watch?v=rc37ov1iVFQ)

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat (das nicht unbedingt ein Business Buch sein muss)

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich es jemals geschafft hätte, ein Buch zu Ende zu lesen. Auf der Hälfte hab ich immer das Gefühl, ich hab’s verstanden und fang was Neues an. Aber das Buch, was mich am meisten weitergebracht hat, war wahrscheinlich „Presentation Zen“ von Garr Reynolds.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Ich habe berufsbegleitend an der FOM studiert. Das hat mich über die letzten Jahre extrem nach vorne gebracht.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Ich sitze in der Apple-Blase und fühl mich da ganz wohl 😉 Es gibt ein paar Tools, die ich nicht mehr missen möchte. Auf dem Handy sind das insbesondere die ortsbasierten Erinnerungen und Siri (vor allem im Auto). Am Schreibtisch ist es Scapple. Scapple lässt mich meine Gedanken sortieren, ohne dass ich mich an ein Raster oder bestimmte Dateiformate halten muss. Für mich, der oft mit halbwegs wirren Ideen startet, ein extrem hilfreiches Werkzeug.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich glaube, ich würde gerne mal einen Tag mit Amir Kassaei arbeiten. Es scheint mir, als hätte er ausgiebig Zeit gefunden, einmal zu überdenken, was Kreativität im Digitalzeitalter bedeutet und welche Rolle die Kreativwirtschaft dabei überhaupt (noch) spielt. Er scheint mir extrem analytisch zu sein und ist damit extrem erfolgreich. Ich glaube, dass dies ein sehr horizonterweiternder Tag für mich wäre.