Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Alexander Saheb – Züripress

Alexander Saheb Züripress
Foto: Patrick Rinderli

Wer ist Alexander Saheb? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Je näher man dem „ich“ kommt, umso mehr Facetten hat es – also werde ich nur einige herausgreifen. Derzeit arbeite ich als freier Journalist in Zürich und befasse mich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen. Meine Texte entstehen für Medien, aber auch für Unternehmenspublikationen. Privat bin ich verheiratet und habe eine Tochter.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Einen richtigen Spleen habe ich wohl nicht. Laut Wikipedia wäre das eine „leichte Verrücktheit oder fixe“ Idee. Meine fixen Ideen wechseln immer wieder ab. Derzeit ist es ein grosser Modellhubschrauber, den ich fliege. Vorher war es eine Segelreise. Was morgen kommt, wird hoffentlich auch mich überraschen.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Meine Kunden sagen, ich liefere termin- und budgetgerecht ausgezeichnete Texte. Die Superpower liegt darin, das jedes Mal zu schaffen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Ich liefere eigentlich textliche Unikate und sehe mich eher als Kunsthandwerker, der nicht seriell arbeitet. Von daher hat jeder Text etwas sehr eigenes, was ihn gegenüber allen anderen auszeichnet und den Vergleich erschwert. Einen guten Schreibstil haben alle, aber die Themen und die Art der Aufbereitung sind oft sehr verschieden. Aber ich habe Ende 2014 drei Artikel über Geldanlage für die Wirtschaftswoche geschrieben, die gut aufgenommen wurden. Einer über Schweizer Aktien, einer über Anleihen und einer über Immobilien. In diese Liga fallen auch ein Investorenporträt von Gero Bauknecht für das pvm-Magazin oder eine Reportage über das Schokolade-Startup myswisschocolate in der NZZ.

Also, was kann man von diesen Beispielen lernen? Erfolg hat, wenn er nachhaltig sein soll, mehrere Säulen. Das heisst für einen Text, dass er nicht nur inhaltlich, sondern auch stilistisch ansprechend sein muss. Für die genannten Texte waren fundierte Kenntnisse des Schweizer Kapitalmarktes und mein Fachwissen als lizensierter Börsenhändler nötig, damit ich nicht Wissen aus „zweiter Hand“ vermittle. Erst adressatengerecht verpacktes Fachwissen liefert dem Nicht-Experten-Leser nutzbaren Mehrwert. Der Leser will ja auch etwas davon haben, dass er den Aufwand macht, einen Text zu lesen. Dieser Nutzen muss für ihn klar sein, sonst gibt es kein zweites Mal. Wer als freier Journalist zufriedene Kunden haben möchte – und das sind solche die nicht nur einmal bestellen – muss aber noch andere Punkte beachten. Letztlich verkauft man Texte am Markt. Die Kunden wollen sich auf die zugesicherten Eigenschaften des Produktes sowie eine termin- und budgetgerechte Lieferung verlassen können. Erst dann entsteht für den Kunden ein Mehrwert, der das Honorar wert ist.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? (Welche Entwicklungen siehst Du kritisch, welche als positive Chance?)

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Netzwirtschaft entwickelt sich derzeit weiter in Richtung Big Data. Je mehr Daten es gibt, umso mehr kommerzielle Verwertungen kann man daraus schaffen. Dank Smartphone ist ja schon jeder ein Datenspender. Aus Bewegungsdaten von Handys generieren die Netzbetreiber Stauprognosen. Bald kann man ohne Fahrkarte in die Bahn steigen und erhält später eine Rechnung, weil das eigene Bewegungsprofil dem des ICEs von Frankfurt nach Hannover entsprochen hat. Das ist ja durchaus praktisch. In die gleiche Richtung gehen die ganzen Bezahlapps – der Appanbieter weiss, ob jemand viel reist oder eher lokal einkauft und kann dann zielgruppengerechte Werbung verkaufen oder Rabattaktionen mit dem Handel machen. Die Herausforderungen, sprich Risiken, liegen wahrscheinlich in der dadurch möglichen Transparenz des einzelnen, wenn man alle Daten über ihn poolt. Vom Citizen Score in China haben Sie sicher schon gehört. Vielleicht darf irgendwann mal jemand, der bei Aldi kauft, nicht mehr Lufthansa fliegen oder so. Und an der Grenze werden die Facebook-Posts wichtiger als der Pass. Ich glaube,  So eine zentralistische Struktur gibt es heute noch gar nicht.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Europa:

Eigentlich ist die Netzwirtschaft eine noch junge Branche. Insofern gehören Unübersichtlichkeit und andere derzeit so empfundene Unzulänglichkeiten noch dazu. In 100 Jahren wird sie wohl so etabliert und vielschichtig sein wie die Autoindustrie heute. Es wird dann wohl grosse Monopolisten wie schon heute geben und viele kleinere Firmen, die sozusagen die Versuchslabore für die Zukunft sind. Die Fachkräftefrage und die bürokratische Flexibilität werden mit der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung der Branche gelöst.

Herausforderung für unseren Markt:

Eine für Journalisten wichtige USP ist es, immer wieder gute Themen zu identifizieren. Die verkaufen sich am besten. Das ist aus meiner Sicht vor allem ein intellektueller Prozess, der stark durch den persönlichen Austausch mit Experten oder ein breites Lektürespektrum angeregt wird. Danach muss man noch ein wenig vor- und weiterdenken.

Bei Zeitungen oder Medienunternehmen wird die Alleinstellungsqualität inhaltlicher Akzente zunehmend erkannt und aktiv vorangetrieben. Ich glaube hier liegt noch grosses Potenzial, weil man über das Internet ganz neue Nutzeraggregate bilden und gezielt mit Paid Content bedienen kann.

Herausforderung für unsere Firma:

Ich finde Herausforderungen generell eine gute Sache. Erst an ihnen spürt man sein Können und seine Stärke. Sie sind also das, was jeden Tag erlebenswert macht. Es ist seit gut zehn Jahren meine bevorzugte Herausforderung, immer wieder neue Kunden zu gewinnen und immer wieder neue Texte zu schreiben. Und für meine langjährigen Kunden immer noch so engagiert zu sein wie am ersten Tag.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ärgern tun mich Spam und Viren und freuen tu ich mich an Skype, Webcams und Onlinebuchungen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

www.fuw.ch

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

Artikel…. Eigentlich möchte ich hier die Süddeutsche Zeitung nennen, deren intellektuelle Flughöhe mir unter den deutschsprachigen Medienprodukten am besten gefällt. Ich kaufe sie als einzige Zeitung in Print, die anderen lese ich gratis im Internet.

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Expeditions- und Entdeckungsgeschichten mag ich am meisten. Letztens war es „Vom anderen Ende der Welt“ von Liv Winterberg, wenn auch manchmal etwas allzu roh geschildert. Kurzweilig fand ich „Der Hundertjährige der aus dem Fenster stieg und verschwand“ wegen der vielen unerwarteten Wendungen in der Geschichte.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Gut fand ich einen Lunchevent zu Big Data, den der Rotary Club Zürich mal mit einem Experten aus Obamas letztem Wahlkampf veranstaltet hat. Das Essen habe ich vergessen, doch die Infos waren gut. Allzu oft ist es umgekehrt, wenn man als Journalist unterwegs ist.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit 

Persönliche Kontakte, Telefon, das Internet und Word.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Experte klingt so nach Wissensgefälle von dort zu mir. Vielleicht mal einen Tag mit einem erfolgreichen Buchautor, der mir erklärt wie ein Buch entsteht – also wie das Setting im Kopf sein muss, um eine so komplexe Welt zu erschaffen. Aber ich könnte mir auch einen Tag mit Thor Heyerdahl spannend vorstellen, der für mich eher ein Experte für Erlebnisse ist. Leider ist Kon-Tiki aber schon angekommen.

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