Interview
Das Forschungszentrum

Michael Hein – PR- & Social Media Beratung

Michael Hein PR- & Social Media BeratungWer ist Michael Hein? Bitte stell Dich doch mal kurz vor. Und damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch ein kleines persönliches Geheimnis von Dir.

michaelhein.hamburg). Ich komme ursprünglich aus der klassischen PR und habe hier von 2001 bis 2006 die PR-Abteilung der bonprix Handelsgesellschaft mbH mit aufgebaut, die zur Otto Group gehört. Innerhalb meiner Selbstständigkeit habe mich dann auch sehr schnell mit den Blogs, Foren und den Sozialen Netzwerken auseinandergesetzt. Hier konnte ich meine technische Affinität und dem Spaß an der Kommunikation bestens verbinden und so wurde ich zum Öffentlichkeitsarbeiter, der die Disziplinen PR und Social Media gleichrangig abdeckt.

Millernton. Hier bin ich einer der Moderatoren, der vor und nach den Spielen des FC St. Pauli einen Fan der gegnerischen Mannschaft interviewt. Neue Medienformate probiere ich immer gern selbst aus und Podcast-süchtig bin ich schon seit 2008. Beim Gassi gehen mit meinem Hund, der Gartenarbeit oder anderen Tätigkeiten im Haushalt erwischt man mich eigentlich nie ohne Kopfhörer.

Wo liegt Deine Expertise und “Superpower”?

Wie schon eingangs erwähnt. Ich bin auf den Feldern „Klassische PR“ und „Social Media“ gleichrangig unterwegs. Als Freelancer gibt es da nicht all zu viele auf dem Markt und so bin ich auch oft gern gesehener Mitarbeiter in Unternehmen und in Agenturen auf Projektbasis. Daraus resultiert auch, dass ich Stakeholder und Gatekeeper ganz anders gewichten kann. Meine Kunden haben Anliegen. Hier analysiere ich, ob ich gegebenenfalls klassische Medien und/oder zum Beispiel Blogger anspreche. Hier halte ich oftmals einen ausgewogenen Mix für sinnvoll, abseits von der klassischen Denkweise. Manchmal erreiche ich über die Micro Audience eines Blogs viel eher die Ziele für den Kunden, als wenn ich mich an einem Leitmedium abarbeite.

Zudem liebe ich es, mit meinem Netzwerk zu arbeiten. So bin ich in der Lage auch auf Anfragen von größeren Unternehmen oder für größere Projekte, mit einem von mir zusammengestellten Team, das die benötigten Kompetenzen und Referenzen vorzuweisen hat, reagieren zu können. Diese Übersicht und Einschätzung zu jeweiligen Lage würde ich als meine Superpower bezeichnen.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Strukturen für Freelancer zu schaffen und ebenso für Nicht-Freelancer. Hört sich erst einmal paradox an, aber genau das meine ich. Der Rahmen, der uns in Deutschland für Kreativ- und Medienarbeiter gestellt wird, ist viel zu starr. Jeder der schon mal versucht hat, sich für ein halbes Jahr anstellen zu lassen, dann wieder als Freelancer zu arbeiten und sich dann wieder anstellen zu lassen, weiß was ich meine. Darauf sind die Strukturen von Renten-, Arbeitslosen- und den anderen Sozialversicherungen gar nicht eingestellt. Schon allein das ist für mich ein Grund, nur als Selbstständiger zu arbeiten. Alles andere, also der Kontakt zu Behörden etc. würde mich komplett verrückt machen.

Herausforderung für meinen Markt:

Vor allen Dingen junge Freelancer sollten damit aufhören, sich unter Wert zu verkaufen. Manchmal komme ich in Agenturen oder Unternehmen, da ist die Preisstruktur derartig verdorben, dass ich den Verantwortlichen gern eine betriebswirtschaftliche Rechnung aufmache. Wenn ich dann mit meiner Rechnung fertig bin und der Gegenüber merkt, dass ich nach Abzug aller Kosten auf den Stundensatz eines mittelqualifizierten Sachbearbeiters komme, ist denen das meistens peinlich. Ändern tut sich aber nichts, solange es Selbstständige gibt, die solche Preispolitik unterstützen.

Herausforderung für meine Firma:

Ich möchte mich stets zu einem angemessenen Tagessatz verkaufen, der alle Kosten eines Selbstständigen berücksichtigt und dazu die Qualifikation und Flexibilität mit einpreist. (Siehe vorherigen Punkt.)

Meine Persönliche Herausforderung:

Immer am Puls der Zeit zu sein. Trends, gesellschaftliche Strömungen und öffentliche Meinungen stets zu erkennen und diese dann mit den Anliegen meiner Kunden zu verknüpfen und zu belegen. Ebenso neue Plattformen, Dienste und Tools im Internet frühzeitig zu erkennen, auszuprobieren und sie gegebenenfalls mit in die Überlegungen einer Kommunikationsstrategie einfließen zu lassen.

Wie sieht Dein “digitales Workout” in der nächsten Zeit aus? In welchen Themenbereichen willst Du Dich oder würdest Dich gerne verbessern?

Ich würde gern Coden lernen. Ich denke, dass sich zukünftig unsere gesamte Welt auf Codezeilen aufbaut. In dem Bereich würde ich gern mehr Grundverständnis aufbauen. Leider fehlt mir die Zeit dazu oder auch nur die Initialzündung. Vielleicht ergibt sich einmal die Gelegenheit das Thema in Angriff zu nehmen. Ansonsten lese ich sehr viele Fachbeiträge und Blogposts und versuche mich dahingehend immer aktuell zu halten. Ich habe ein inhärentes Bedürfnis jeden Tag etwas Neues zu lernen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog, auf dem Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

PR-Doktorin Kerstin Hoffmann ist ganz oben in meinem RSS-Reader beheimatet. Sie ist in den gleichen Themenfeldern wie ich unterwegs und sie hat eine herrlich leichte Schreibe, die mich oft zum Schmunzeln bringt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Wider den Job-Frust in der PR – warum freie Berater zur Lösung beitragen Den Artikel habe ich jetzt immer in der Tasche und hole ihn bei nächster Gelegenheit gern einmal heraus, wenn es bei Verhandlungen mit Unternehmen oder Agenturen stocken sollte. (lacht)

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Wir nennen es Arbeit von Holm Friebe und Sascha Lobo. Das habe ich 2007 im Urlaub in Thailand gelesen und das hat mich total gefesselt. Es ebnete mir den Weg ins Digitale und brachte mir eine neue Sichtweise darauf, wie man auch arbeiten kann. Also nicht zwingend in Unternehmen oder Agenturen, sondern dort wo man gerade sein will. Und mit all den tollen Tools wie Skype, Facetime, Google Docs etc. ist das ja heute sehr gut möglich.

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast (und was, bzw. von wem)

Chaos Communication Congress, den ich, seit er wieder in Hamburg ist, besuche. Eine tolle Veranstaltung, die über vier Tage zwischen Weihnachten und Neujahr geht. Ich möchte da keine einzelnen Speaker und Sessions nennen. Die sind sowieso hervorragend. Mich beindruckt jedes Mal aufs Neue, wie die Teilnehmer der Veranstaltung den Congress selbst von Tag zu Tag weiterentwickeln. Alles besitzen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und –motivation. Das ist wahnsinnig beeindruckend. An jedem Tag, an demdu das CCH in Hamburg betrittst, ist irgendetwas Neues entstanden. Da gibt es so viele Kleinigkeiten, die dir als Geek und wissenshungriger Mensch ein Glitzern in die Augen zaubern. Ich bin ja selbst kein Hacker oder Coder und trotzdem kann ich mich mit vielen Sachen, die dort stattfinden identifizieren. Viele kommen ja auch mit der ganzen Familie, was ein ganz guter Indiz dafür ist, dass die ganze Veranstaltung sehr heterogen ist und ein breites Spektrum anspricht. Ich kann nur alle LeserInnen ermutigen, sich das einmal anzuschauen und sei es nur für einen Tag.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Evernote. Beides Tools, die mir dabei helfen, mein digitales Leben zu organisieren und zu straffen. Instapaper als Linkablageplatz. Hier habe ich verschiedene Kategorien und alles was mir über den Tag als sinnvolle Quelle erscheint und ich später nachlesen möchte, kommt da hinein. Evernote als persönlicher Wissensspeicher. Wichtig bei beiden Tools: Egal, ob ich nun auf dem Notebook, dem Smartphone oder dem Tablet unterwegs bin – alles ist instantan synchron. Sonst könnte ich mit den Tools auch gar nicht arbeiten.

Mit welchem Experten aus Deinem Fachgebiet aus Deutschland würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Steve Dowling ein. Mich würde schon mal interessieren, wie das bei Apple alles so in Sachen PR funktioniert und wie es ist, wenn man gleichzeitig ein Love- und ein Hate-Brand in Sachen Kommunikation betreut.