Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Christian Schütte – Capital

Christian Schütte CapitalWer ist  Christian Schütte ? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Capital“ in Berlin

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Meine Meinung zu den Grundsatzfragen:

Eiskrem: Häagen Dazs statt Ben & Jerry´s

Fußball: Leverkusen statt  „der Effzeh“

Krimis: Volker Kutscher statt „Tatort“

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir sind ein Monatsmagazin für alle Fragen rund um die Wirtschaft. Wir schauen uns die Dinge genauer, tiefer und aus anderen Blickwinkeln an, denn wir müssen nicht hektisch hinter Tagesnachrichten her hecheln. Die Fachkollegen verstehen enorm viel von allem rund um die privaten Finanzen. Und unser Heft sieht richtig gut aus.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart?

Ein klassisches Projekt von „Capital“ ist der „Immobilien-Kompass“, in dem wir einen Überblick über den Immobilienmarkt und die Wertentwicklung in den wichtigsten Lagen der Regionen geben. Dieser „Kompass“ ist sehr erfolgreich und hat Maßstäbe in der Branche gesetzt.

Früher konnten die Informationen und Lagekarten aber nur einmal im Jahr durch Recherchen vor Ort zusammengetragen werden – sozusagen „händisch“. Seit 2015 arbeiten wir mit einem Institut zusammen, das die geforderten Preise auf den Immobilienportalen im Netz täglich auswertet und daraus Transaktionspreise schätzt.

http://immobilien-kompass.capital.de). Die Zugriffszahlen auf die Capital-Website haben sich dadurch deutlich erhöht.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Das Netz ist eine universelle Austauschplattform, deren Potenziale noch lange nicht ausgeschöpft sind. Der Staat muss vor allem die rechtlichen und technischen Voraussetzungen dafür schaffen, dass dort sicher kommuniziert und gehandelt werden kann.

Als Gesellschaft müssen wir lernen, die enormen kreativen Möglichkeiten zu nutzen, ohne darüber völlig durchzudrehen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die Abhängigkeit von Monopolisten kann zum Problem werden, vor allem im Zusammenhang mit dem Datenschutz. Die Netzwirtschaft genießt heute eine große Akzeptanz und ein gewisses Grundvertrauen in der Gesellschaft. Das darf nicht aufs Spiel gesetzt werden.

Herausforderung für unseren Markt:

Fast alle Printmedien doktern schon seit über einem Jahrzehnt ziemlich erfolglos daran herum, im Netz ein neues Geschäftsmodell zu finden. Die Suche danach geht weiter. Aber auch die Suche nach zukunftsträchtigen Geschäftsmodellen außerhalb des Netzes bleibt wichtig.

Herausforderung für unsere Firma:

Als Monatsmagazin setzen wir darauf, dass Menschen auch in Zukunft gerne ein attraktives Print-Produkt in der Hand halten und lesen. Ein Heft funktioniert ohne Netz und Akku, es ist überall gut lesbar und die Nutzerdaten bleiben garantiert privat. Man kann Wein und Kaffee darüber verschütten, etwas anstreichen oder rausreißen, kann es weitergeben oder offen auf dem Tisch liegen lassen.

Trotzdem müssen wir das „analoge“ Produkt immer besser an die digitale Welt anbinden. Durch zusätzliche Angebote im Netz, aber auch durch neue Formen der Recherche und der Aufbereitung von Themen. Der digitale Immobilien-Kompass ist dafür ein gutes Beispiel

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Was mich immer noch riesig freut: Das Internet schafft Zugang – zu Wissen und Informationen, zu Menschen, Produkten und eigenen Publikationsmöglichkeiten.

Was mich ärgert: Durch den totalen Zugang sind private Freiräum, zivilisierte Umgangsformen und Institutionen zunehmend gefährdet. Es muss auch künftig ein Leben außerhalb des Netzes geben.

Ceterum censeo: Das durch Zwangsbeiträge finanzierte Rundfunksystem ist in Deutschland völlig überdimensioniert und hat im Netzzeitalter in seiner alten Form keine Berechtigung mehr. Dass sich die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren privilegierten Mitteln auch im Netz ausbreiten und dort gegen private Geschäftsmodelle konkurrieren, ist sehr ärgerlich.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Marginal Revolution„. Es gibt inzwischen viele sehr gute Wirtschafts- und Finanzblogs. Aber MR sticht heraus: Thematisch sehr breit, mit großem Interesse auch an gesellschaftlichen und kulturellen Fragen, sehr viele gute Links. Scharfsinnig, knapp und in einem freundlich-entspannten Ton geschrieben. Libertäre Grundhaltung, aber nicht ideologisch verbohrt.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

@nainablabla mit einem Tweet einen Riesenwirbel ausgelöst: „Ich bin fast 18 und habe keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtanalyse schreiben. In vier Sprachen“.

Mein Kollege Nils Kreimeier hat zum Thema „Schulfach Wirtschaft“ kürzlich einen schönen kleinen Artikel geschrieben, in dem er sich einmal die beliebtesten Kinderbücher angesehen hat. Lesenswert für alle, die kleine Kinder haben: „Bibi und der böse Markt“, Capital Heft 1/2016 (leider nicht im Web, aber digital auffindbar über die Capital-App)

ein spannendes Buch, das Dich inspiriert hat

Immer noch Debatten wert: Dave Eggers, „The Circle“

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast 

Über die „Sharing Economy“ wird viel geredet und gejubelt, aber über ihre tatsächlichen Strukturen, Möglichkeiten und Grenzen wissen wir erst wenig. Die  Hertie School of Governance in Berlin hat kürzlich ein erstes Symposium dazu veranstaltet. Ein toller Einstieg in das Thema war der Vortrag von Pieter van de Glind aus Amsterdam:

https://www.youtube.com/watch?v=V1d8BfxkMck (ab min 3:00)

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Twitter (noch). Extrem schlicht und gleichzeitig so vielseitig verwendbar wie ein Schweizer Taschenmesser. Leider tut das Unternehmen derzeit alles, um diese Eigenschaften zu zerstören und daraus ein zweites Facebook zu machen. Das sieht alles nicht gut aus.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Dieses Interview mit dem Hirnforscher Hans-Georg Häusel über die unterschiedlichen Verarbeitungsmuster bei Print- und Digitalmedien finde ich sehr spannend:

http://www.designmadeingermany.de/links/98380/

Darüber wüsste ich gerne mehr.

Weitere exklusive Interviews aus der Netzwirtschaft gibt es hier.