Interview
Das Forschungszentrum

Herbert Zelzer – Wochenblatt.de

Herbert Zelzer Wochenblatt.deWer ist Herbert Zelzer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Herbert Zelzer ist ein Mann, der aus dem Nichts ein mittelständisches Unternehmen mit 300 Mitarbeitern in Bayern aufgebaut hat, ohne dabei zu vergessen, dass er das mit der Hilfe seines Verlegers, aber auch vieler motivierter Mitarbeiter geschafft hat. Und der soviel Kind geblieben ist, dass er mit kindlicher Begeisterung Neuerungen aufnehmen und im spielerischen Umgang Nutzen für sein Unternehmen ziehen kann. Herbert Zelzer ist ein Zeitungsmann mit Leib und Seele, der offen ist für das, was in Zukunft kommt.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Ich blicke morgens als Erstes auf meine Apple Watch  – um festzustellen, dass ich zu wenige Schritte getan habe.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

www.wochenblatt.de). Und das können wir auch am besten. Unsere Superpower liegt darin, etwas zu produzieren, über was viele Menschen sprechen. Wir mischen manchmal auf und manchmal beruhigen wir die Lage. Über uns spricht man und wir sprechen mit jedem. Was wir schreiben, schreiben andere manchmal ab. Nicht jeder traut sich, das zu schreiben, was wir schreiben, aber wir trauen uns, weil wir glauben, dass es wichtig ist, das auszusprechen, was sich nicht jeder zu sagen traut. Wir machen Zeitung aus Leidenschaft – das ist unsere Superpower.

Wir haben den unglaublichen Spagat von einer kostenlosen wöchentlichen Printzeitung, also einem Medium, das nicht als modern und fortschrittlich gilt, hin zu einem der stärksten Internet-Portale mit einer tollen Akzeptanz und Sichtbarkeit im Internet geschafft.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Medien sind heute ohne die Digitalisierung nicht mehr denkbar. Wir haben eine Online-First-Strategie, die unsere Zeitung von einer Wochenzeitung zu einer Tageszeitung im Netz gemacht hat. Dabei interagieren wir auf Facebook, Twitter und Google plus mit unseren Lesern. Der Stammtisch heute findet nicht mehr im Gasthaus statt, sondern in den sozialen Netzwerken. Klar, dass wir da mit dabei sind, uns Anregungen holen, oft gute Geschichten oder auch Debatten anstoßen und moderieren.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Das Problem ist, dass wir in den kommenden Jahren ein breites Sterben des Einzelhandels in den Städten erleben werden, wie es vor Jahren schon in ländlichen Gebieten eingesetzt hat. Wer allerdings Online-Handel und stationären Handel gegeneinander ausspielt, hat die digitale Revolution nicht verstanden. Der stationäre Handel muss Wege finden, wie er die Vorzüge des Online-Handels (Vergleichbarkeit, Datenbanken, örtliche Unabhängigkeit) in sein eigenes Konzept integrieren kann. Wenn Medien dabei behilflich sein können, ist das auch eine Herausforderung für unsere Branche. Deshalb müssen Zeitungsmacher Vorreiter im Digitalen sein.

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Herausforderung für Gesellschaft wie Staat wird die Frage sein, wie man mit der Diskrepanz zwischen den Ansprüchen und Anforderungen einer modernen Demokratie einerseits und einer Öffentlichkeit andererseits umgeht, deren Debattenkultur keinen bestimmten Regeln mehr folgt. Wo Medien und vor allem Zeitungen über Jahrzehnte hinweg die Vermittler zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgern waren, verlieren wir diese Position langsam. Das Problem ist nur, dass diese Debatten in sozialen Netzwerken nicht konstruktiv geführt werden. Das wird die Politik mittelfristig vor riesige Probleme stellen und früher oder später dadurch auch die Wirtschaft.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Die größte Herausforderung für die Netzwirtschaft ist, dass der vermeintlich grenzenlose Verkehr von Daten und Informationen von Gesellschaften begrenzt wird, die anhand von unterschiedlichen Auffassungen über Datenschutz, Urheberrechte und vielem mehr nicht mehr bereit sind, sich einer „Weltordnung“ unterzuordnen. Gleichzeitig aber wurde aus Google und Facebook riesige Unternehmen, die praktisch ganze Staaten überflügeln mit ihren riesigen Geldmitteln. Hier sehe ich eine große Herausforderung für unsere Gesellschaft.

Herausforderung für unseren Markt:

Es wird immer schwieriger werden, einen Teil des Werbekuchens abzubekommen, wenn man sich nicht auf die digitale Logik des Marktes einlässt. Wer glaubt, durch ein einfaches Zeitungsinserat könne man Kunden an sich binden, der täuscht sich. Längst ist der digitale und analoge Lösungsansatz gefordert. Ich glaube dabei an die etablierten Medienformen wie Print oder Hörfunk, genauso wie an die Tatsache, dass man heute ohne Google-Sichtbarkeit vielleicht noch eine Eisdiele betreiben kann, bei einem Klamottenladen aber wird es schon schwieriger. Wir müssen hier die Rundum-Lösungen bieten!

Herausforderung für unsere Firma>

Unsere Herausforderung in den nächsten Jahren wird sein, wie man Journalismus als Geschäftsmodell finanzieren kann und dabei immer noch am Markt mindestens einmal in der Woche das Medium produziert, über das alle sprechen. Gleichzeitig fordern die digitalen Möglichkeiten alle Mitarbeiter derart und bringen sie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit, dass die Herausforderung für uns ist, sich diesen zu stellen, gleichzeitig nicht das zu lassen, was über Jahre hinweg unsere Kernkompetenz war, nämlich gute Zeitungen zu machen. Für mich als Manager ist die Herausforderung dabei, dass ich einerseits in die Zukunft blicken können muss, gleichzeitig aber auch die Mitarbeiter mitnehmen muss, die das Gefühl haben, dieser Wandel geht ihnen viel zu schnell und sie würden lieber auf dem Status quo beharren.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Dass die Kostenlos-Kultur so selbst verständlich geworden ist und viele Menschen nicht wissen, dass alles seinen Preis hat.

Welches „Problem“ würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Wenn ich das wüsste, würde ich dieses Start-up selbst gründen, denn dann wäre es ein Geschäftsmodell und man könnte viel Geld damit verdienen.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin (auch Print), mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Da gibt es wirklich viele und ich will keinen einzelnen hervorheben.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (mit URL)

Die Premiere der Thurn und Taxis-Festspiele, die wir in Regensburg veröffentlicht haben.

http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Eine-herzliche-Fuerstin-ein-tolles-Publikum-und-diese-wunderbare-Oper-;art1172,317138

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Die Biographie über Steve Jobs von Walter Isaacson

Mein iPhone in Verbindung mit der Apple Watch.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? 

Mit Kai Diekmann. Mich interessiert, wie man die stimmenstärkste Zeitung Europas macht, ohne dabei seine menschliche Seite zu verlieren. Und natürlich mit Steve Jobs, wäre er noch am Leben.