Interview
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Interview mit Vojislav Miljanovic – KAM3 GmbH Kommunikationsagentur

Vojislav Miljanovic KAM3 GmbH KommunikationsagenturWer ist Vojislav Miljanovic? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Vojislav Miljanovic ist ein Experte für die Unternehmenskommunikation – Kommunikation aus Leidenschaft! Und das seit 1989!

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Was ist ein „Spleen“? Verrückt sind die, die keine haben! Hm, mal überlegen: Ich laufe gern barfuß herum, so wie der Agenturinhaber in der Serie MAD MEN. Habe aber leider keinen Rothko an der Wand hängen …

Was noch? Ich grille für mein Leben gern – auf normalem Grill, im Erdloch etc.

Ich fahre zudem so begeistert Fahrrad, dass ich damit sogar schon zu Terminen war, im nahen Aachen, Köln usw., aber auch schon nach Amsterdam, also ICE + Bike!

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

Wir beraten Unternehmen in der Werbung und PR – mit Fokus auf letzterem i. V. m. Social Media. Unsere Superpower ist die intelligent-kreative Maßnahmenvernetzung off- UND online, so dass die Summe mehr ist als die Teile zusammen! Dies superschnell und hocheffizient, d. h. konkret wenn wir einen Aufhänger haben (den z. B. die Nachrichtenlage uns liefert oder den wir kreieren) und der Kunde spielt mit, so steht innerhalb kürzester Zeit der Content (graphisch und textlich) und wird ruckzuck in den Medien multipliziert!

Spezielle Nischen von uns sind zudem Ethnomarketing und die Betreuung von Kunden aus den Niederlanden in Deutschland: IKEA Heerlen, Continium Discovery Center, Universität Maastricht etc.

Unsere Generation ist die einzige, die die analoge Welt noch kennt und gleichzeitig die digitale Welt beherrscht. Wir sind quasi prädestiniert für eine Übersetzerrolle zwischen den beiden Welten.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

1999 fand in Köln der Weltwirtschafsgipfel statt, d. h. auch ca. 5.000 Journalisten aus der ganzen Welt, die nach Köln kamen. Für die Kondommarke London International bzw. DUREX, die damals bei unserem Kunden Klosterfrau im Vertrieb und Marketing waren, wurde das erste latexfreie Kondom in die Give-away-Bags des Bundespresseamtes für die Presse platziert. Die von KAM3 konzipierte PR führte mit minimalen Mitteln zu gigantischen PR-Ergebnissen im Gegenwert von zig Millionen, angefangen vom nationalen TV, den größten Zeitungen (SZ, BILD etc.) – sogar die USA-Zeitungen berichteten über das neue Kondom (und weniger über den Gipfel im „alten Kontinent“!) – Multiplikatoreffekt par exellence! Erfolgsfaktoren: Alles lag in der Hand von KAM3: Idee & Erkennen des PR-Potentials & Konzept & Umsetzung – und natürlich eine mutige aufgeschlossene Marketingabteilung auf Seiten des Kunden!

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Bei uns ist fast alles digitalisiert und auf Effizienz getrimmt: Das Faxgerät wurde schon vor Jahren aussortiert, die  Kommunikation mit Kunden, die Buchhaltung (wir verschicken seit Jahren keine Rechnungen mehr per Post) etc.

Der Zeitmanagement-Spruch „touch any piece of paper once“ wird bei uns wirklich umgesetzt!

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Ich sehe durch die Digitalisierung die Freiheit des Menschen in der Gesellschaft und somit die Gesellschaft als solche arg gefährdet! Einerseits durch Unternehmen, die sich einen Scheißdreck um Datenschutz kümmern und denen es nur um Gewinnmaximierung geht, andererseits durch einen m. E. nach inkompetenten Staat bzw. Gesetzgeber, der weder Durch- noch Weitblick zeigt und nichts unternimmt, selbst wenn Unternehmen bestehende Gesetze verletzen.

Daten sind Macht, und wer Macht hat, wird diese auch irgendwann zu seinem Vorteil benutzen. Dies muss verhindert werden, auch wenn uns viele vormachen wollen, es wäre UNSER Vorteil, wenn wir Daten rausrücken.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

Wenn man sich anschaut, aus welchen Gründen es kein flächendeckendes WLAN gibt – man möchte weinen! Freifunker machen es der Bundesregierung und der öffentlichen Hand in den Kommunen vor, wie unflexibel, ängstlich und langsam sie ist. Aber das kann manchmal auch ein Vorteil sein, nur bei dem Tempo der Digitalisierung ist die Kluft zur Realität oft erschreckend.

Ansonsten siehe oben: warum sich die demokratisch gewählte Regierung eines Staates von ein paar Firmen aus den USA z. B. im Bereich Datenschutz über den Tisch ziehen lässt – mir unverständlich!

Herausforderung für unseren Markt:

Kann ich so nicht sehen! „Alles alter Wein in neuen Schläuchen“, wie eine uralte Redensart schon sagte: Was jetzt neudeutsch „Content“ heißt wird doch schon seit Jahrzehnten produziert, nämlich Inhalte. Graphischer Art, journalistischer Art etc. „Native Advertising“ gibt es auch schon seit lange als Advertorial, ebenso paid / owned  & earned media. Der Neuspeech im Bereich des digitalen Marketings sind nur krampfhafte Versuche aufkommender junger Digitalagenturen, Kompetenz zu vermitteln und verunsicherten Jung-Marketeers Sand in die Augen zu streuen und von der Inhaltsleere abzulenken. „Operative Hektik“ ersetzt geistige Windstille sagten wir da als Teenager zu. „Fachterminologie ersetzt Hirn“ müsste man heute sagen.

Herausforderung für unsere Firma:

Siehe vorherige Antwort. Die Herausforderung ist immer die Gleiche, gestern, heute und morgen: up to date bleiben mit den neuen Kommunikationskanälen, mitdenken, kreativ und innovativ für die Kundenbedürfnisse sein, in den Markt schauen und hören, was die Menschen wollen und es Ihnen geben! Viele in der Netzwirtschaft tun so, als wenn die Netzwirtschaft einen neuen Menschen geschaffen hätte, mit anderen Bedürfnissen, Verhaltensmustern usw. – alles Humbug!

Wir sind und bleiben Neandertaler und suchen Sicherheit, wir sind wie in der Urzeit vor allem hungry & horny.

Wenn die Grundbedürfnisse dann gestillt sind, widmen wir uns der Kunst und der Kultur sowie der Gartengestaltung. Dann wird ein neues Sofa gekauft und ein Auto, um die Nachbarn zu beindrucken.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Größtes Ärgernis: Die Vielfalt und Faszination, die mich manchmal zu lange an die Kiste fesselt, wenn ich z. B. bei Youtube von einem tollen Lied zum nächsten wandere …

Größte Freude: Es gibt einen Ausknopf und eine Welt draußen in der Natur und wir haben die Freiheit zu entscheiden, was wir davon auswählen und bevorzugen.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen

Den Themenkomplex „hungry & horny“ …

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

brand eins immer eine originelle Herangehensweise, immer fokussiert, spannend, informativ.

Ansonsten reicht es ein paar gute Standardwerke über Kommunikation zu verinnerlichen (Ogilvy, Watzlawick, Luhmann), es muss nicht die aufgeregte Kakophonie neuer Medien sein.

zenhabits spannend.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat 

Sorry, da muss ich passen, Sachtexte können mich schwer begeistern.

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

Ogilvy

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Sagen wir mal so: entweder bin ich überheblich arrogant oder unfähig, noch was dazuzulernen – da fällt mir auch nichts ein.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Mein Gehirn! (und das von ein paar wenigen Anderen)

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum? Oder von welchem Experten aus Deinem Fachgebiet hast Du bisher am meisten gelernt? Und was war das?

Da hätte ich Interesse an jedem „Experten“ eines jeden Handwerks: vom Geigenbauer über den Kürschner bis zum Tischlermeister.

In meinem Fachgebiet habe ich – neben dem learning by doing – am meisten von Dr. Heinz W. Droste gelernt, ein sehr strukturiert denkender Kommunikationsexperte und Fachautor, der mir beigebracht hat, dass man Texte immer noch weiter optimieren kann. (Auch wenn meine Handlungsmaxime in der Realität später der niederländische Pragmatismus wurde: „Perfektion ist schön und gut, wenn der Kunde es bezahlt, 95 % reichen auch, wenn die Kommunikationsleistung erfüllt wird.“)

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