Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Stefan Bogner – Factor Product GmbH

Stefan Bogner Factor Product GmbHWer ist Stefan Bogner? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

Ich bin 48 Jahre alt, Vater zweier Söhne und Designer aus Leidenschaft.

Vor 21 Jahren habe ich zusammen mit meinem Studienfreund Boris Simon factor product münchen gegründet. Kurze Zeit später stieß noch unser Freund Frank Thiele dazu, den wir auch aus dem Studium kannten. Wir drei führen die Agentur bis heute und ich glaube unsere unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich hervorragend und machen den Erfolg von factor product aus.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir?

Magazin „Curves“ entstanden und einige weitere Buchpublikationen. Außerdem versuche ich viel zu reisen und koche gerne. Viele Kunden aus diesen Branchen finden sich in unserem Portfolio wieder, weil ich meine ganzen persönlichen Erfahrungen mit einbringe.

Elevator Pitch! Was macht Eure Firma? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

factor-product.com) und arbeiten in den Bereichen Industriedesign, Kommunikationsdesign, Strategie und Digital.

Unser unverwechselbarer Stil liegt in der strategischen Herangehensweise. Wir verstehen uns nicht als Abwickler vorgegebener Prozesse, sondern sind von Anfang an bei den strategischen Überlegungen für ein neues Produkt in den Prozess involviert. Und manchmal sind wir sogar der Initiator. Getreu unserem Motto „see-feel-do“ beobachten wir sehr genau Marke, Markt und Nutzer und entwickeln aus den Ergebnissen heraus eine punktgenaue, individuelle Designstrategie. Dabei hilft uns unsere langjährige Erfahrung, unser Design-Verständnis und nicht zuletzt unsere Kreativität.

Wir verstehen uns als Anwalt des Kunden, denken dabei unternehmerisch und haben eine starke und meist auch langjährige Bindung zu unseren Kunden und deren Marken. Durch die persönliche Leidenschaft der Mitarbeiter zu den Branchen, in denen wir aktiv sind, haben wir ein immens großes Marken- und Nutzerverständnis und sind in der Lage sogenanntes „Empathisches Design“ zu entwickeln, das beim Konsumenten auch ankommt. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir einen neuen Skischuh entwickeln oder den visuellen Auftritt eines Hotels gestalten.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Das ist ganz sicher unsere Zusammenarbeit mit Stabilo, deren Weg „Vom Büroartikel zum Lifestyle-Unternehmen“ wir ganz entscheidend mitgeprägt haben. Wir begleiten Stabilo als Design- und Innovationspartner bei der Neuausrichtung der Marke seit 1997 und haben zahlreiche ikonische Produkte wie z.B. den „Basketballstift“ s`move gemeinsam entwickelt. Das neueste Beispiel unserer Innovationskraft ist der EASYbirdie, der erste ergonomische Schulfüller, dessen Feder sich in drei Winkeln optimal an die Handhaltung des Kindes anpassen lässt. Keimzelle des Innovationsportfolios
der Marke Stabilo ist das 2001 von uns ins Leben gerufene InnovationLab. Die interdisziplinäre Arbeitsplattform verkörpert den Anspruch von factor product, Design als zentralen Baustein und Differenzierungsfaktor einer erfolgreichen Wettbewerbsstrategie einzusetzen: Die Abteilungen Marketing, Forschung & Entwicklung sowie Vertrieb gestalten hier gemeinsam mit externen Beratern die »Zukunft des Schreibens«. In der Gestaltung des InnovationLabs nehmen wir eine tiefergreifende und ganzheitliche Beratungsfunktion wahr, die weit über die Aufgabe als Leadagentur im Bereich Produktdesign hinausgeht.

Wie lebt ihr Digitalisierung in Eurem Unternehmen? In welchem Bereich habt ihr Digitalisierung erfolgreich um- oder eingesetzt?

Die Vernetzung und Übersetzung unseres Designs in die digitale Welt spielt in unseren Strategien natürlich eine immer größere Rolle. Wir wollen nicht nur nah am Kunden, sondern vor allem nah am Konsumenten sein. Da kann man nicht mehr zwischen analog und digital unterscheiden. Heute sind die Touchpoints zwischen physischer und virtueller Welt, ‚social‘ und ‚mobile‘ vernetzt. Die große Herausforderung für die Unternehmen ist es doch, all diese Touchpoints virtuos zu verknüpfen. Wir geben den Konsumenten mit unserem Design eine Orientierung und sorgen dafür, dass Marke und Produkt nicht verwässern.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein?

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Die Digitalisierung als Chance zu begreifen und den technischen Wandel durch Digitalisierung und Vernetzung voran zu treiben. Die Gesellschaft benötigt Impulse für Innovationen. Unternehmen müssen sich bewegen, um international mithalten zu können. Schneller denn je. Dazu braucht es kluge Köpfe, die den Wandel permanent antreiben. Die bereit sind für stetige Veränderung. Ich denke davon gibt es, v.a. in Deutschland, leider noch zu wenig. Hier ist alles noch sehr statisch und langsam und es herrscht gerne die Haltung  „früher war sowieso alles besser“. Was in den USA marvellous ist könnte man bei uns mit „Ja, aber“ übersetzen.

Herausforderung für die Netzwirtschaft in Deutschland / Europa:

s.o.

Herausforderung für unseren Markt:

Design wird immer mehr zur Commodity. Da kann man sich mal schnell im Netz ein Logo entwerfen lassen. Das ist fatal, weil die Sinnhaftigkeit von Design dadurch verloren geht. Ein Grund mehr für uns, unsere Beratungskompetenz in den Vordergrund zu stellen.

Gleichzeitig werden die Aufgaben immer komplexer. Ein Unternehmen muss heute in allen Bereichen denken und handeln können, sei es analog oder digital. Es braucht Verständnis, die Dinge zu vernetzen.

Herausforderung für unsere Firma:

Das Aufgabenspektrum hat sich extrem vergrößert. Nur ein guter Designer zu sein, reicht heute nicht mehr aus.

Wir wollen das Spannungsfeld zwischen Handwerk und Digitalisierung weiterhin so konsequent bespielen und dabei niemals unsere Kreativität als Treiber aus den Augen verlieren.

Was hat Dich bisher am meisten am Internet geärgert, was am meisten gefreut?

Ich ärgere mich immer wieder über unqualifizierte und vorschnelle Urteile. Die Leute reflektieren im Netz doch gar nicht mehr, was sie da von sich geben.

Es gibt generell so viel Scheiße im Internet, dass man die guten Seiten wirklich suchen muss. Außerdem nervt es mich, dass die Leute, die persönlichen Umgangsformen durch das omnipräsente Internet immer mehr vernachlässigen und die Aufmerksamkeit für das Hier und Jetzt verloren geht.

Welches „Problem“ (privat oder im Unternehmen) würdest DU gerne von einem Start-up gelöst bekommen?

Die Lebensmittelverschwendung. Es ist eine Schande, dass so viel weggeworfen wird.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für…

Also mal kurz vorweg: Fachthemen sind für mich Langeweile pur. Ich finde es viel interessanter mich „out oft he box“ inspirieren zu lassen.

einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, mit dem/der Du Dich zu Fachthemen gerne informierst

Ich lese gerne die mehr oder weniger regelmäßig erscheinende  „Colors“. Ein monothematisches Magazin über „den Rest der Welt“.

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat

https://www.netflix.com/de/title/80007945

ein spannendes Buch, das Dich für Dein Business inspiriert hat

„Genesis“ von Sebastiao Salgado. Weil es das genaue Gegenteil von meinem business zeigt, nämlich die letzten Paradiese unserer Erde in grandiosen Aufnahmen

eine Veranstaltung(-sreihe), auf der Du wirklich etwas dazugelernt hast

Ich habe mit meinen Freunden eine eigene sehr inspirierende Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen. Und zwar „Essen gehen in der ganzen Welt“. Mehrmals im Jahr besuchen wir für drei Tage Städte rund um den Globus, um dort nichts anderes zu tun als Essen zu gehen und zu beobachten. Unser Motto: From low key to high end, also von Garküchen bis hin zum Sternerestaurant wird alles ausprobiert. Es ist fantastisch, was und wen man da alles sieht und erlebt. Es ist eine Kultur-Annäherung der ursprünglichen Art, die mich jedes Mal aufs Neue ungemein inspiriert.

das hilfreichste Tool / die hilfreichste Software für Deine Arbeit

Meine Beobachtungsgabe und meine Kameras

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

http://www.mugaritz.com) in San Sebastian in der Küche mitarbeiten. Einen Besuch in diesem Restaurant vergisst man bis an sein Lebensende nicht.