Interview
Das Forschungszentrum

Interview mit Raphael Fellmer -foodsharing.de / yunity

Raphael Fellmer foodsharing.de / yunity
Foto: Valeri Koort

Wer ist Raphael Fellmer? Bitte stell Dich doch mal kurz vor.

yunity gegründet, eine Open Source Plattform die das weltweite Retten und Teilen von allen Ressourcen, aber auch Fähigkeiten, Räumlichkeiten und Dingen ermöglicht.

Damit wir Dich nicht nur aus beruflichem Blickwinkel kennenlernen, verrate uns doch auch einen kleinen Spleen von Dir.

Um Strom zu sparen und  fit zu bleiben vermeide ich Aufzüge und bevorzuge die Treppe.

Elevator Pitch! Was macht foodsharing.de? Und vor allem: was macht ihr am besten, wo liegt Eure Superpower?

foodsharing ist offiziell ein gemeinnütziger Verein. In Wirklichkeit ist foodsharing aber viel mehr eine Bewegung mit einer ganz besonderen Organisationsstruktur. Zum einen haben wir nur eine bezahlte Minijob Stelle und trotzdem, bzw. gerade deswegen bereits über 600.000 Stunden ehrenamtlichen Engagement von Programmierern, DesignerInnen, OrganisatorInnen und 14.000 Foodsavern freigesetzt. Durch ein ausgeklügeltes System, eine einzigartige Software, Zuverlässigkeit und intrinsischer Motivation der Beteiligten, ist es uns gelungen innerhalb weniger Jahre ein dezentrales Netzwerk von Freiwilligen aufzubauen, die sich mit Herz und Leidenschaft gegen die Überflussgesellschaft einbringen, Lebensmittelverschwendung reduzieren und für die Thematik Bewusstsein schaffen.

Apropos Superpower: Verrätst Du uns ein „Best Practice“ Beispiel Deiner Firma, wo ihr besonders erfolgreich wart? Was waren Deiner Meinung nach die Erfolgsfaktoren?

Der größte Erfolgsfaktor war definitiv das große Interesse seitens der Medien an foodsharing bzw. meinem Geldstreik, wobei ich nicht nur auf die Probleme der Verschwendung von mehr als 1/3 aller produzierten Lebensmitteln hinweisen konnte, sondern foodsharing als praktikable Lösung für alle Menschen die sich für mehr Wertschätzung von Lebensmitteln einsetzen wollen. Außerdem selbstverständlich das ehrenamtliche Engagement von tausenden Stunden die Raphael Wintrich in die Programmierung der Website gesteckt hat sowie duzende andere Motivierte die sich mit ihren Fähigkeiten einbringen verhalf foodsharing zu seiner einmaligen Erfolgsgeschichte, dank der bereits über 270.000 Abholungen abgewickelt werden konnten.

Wenn Du Dir die Netzwirtschaft insgesamt, Euren Markt, Eure Firma, Deine Position ansiehst, was werden die Haupt-Herausforderungen in den nächsten Monaten oder Jahren sein? 

Herausforderung für die Gesellschaft, bzw. den Staat:

Eine nachhaltige und realistischere Auslegung des Mindeshaltbarkeitsdatum sowie eine Steuer auf Lebensmittel Abfälle, die Anreize schaffen möglichst wenig Lebensmittel abzuschreiben, sondern diese vergünstigt anzubieten bzw. anstatt sie zu vernichten an entsprechende Organisationen wie die Tafeln, foodsharing oder Andere zu verschenken.

Herausforderung für unseren Markt:

Derzeit ist uns keine angehend so umfangreiche und komplexe Software wie foodsharing bekannt die kostenfrei zugänglich ist.

Herausforderung für unsere Firma:

Eine gut auf foodsharing zugeschnittene Open Source Software zu entwickeln, die nicht nur eine höhere Nutzerfreundlichkeit beinhaltet, sondern allen jetzigen und zukünftigen weltweiten Nutzerinnen das Retten und Teilen von Lebensmittel zu ermöglichen.

Was hat Dich bisher am meisten „am Internet“ geärgert, was am meisten gefreut?

Ich finde es immer wieder schade, zu sehen, wie so viel tolle Initiativen, Plattformen und Ideen im WWW existieren und noch viel zu wenige plattformübergreifende Kooperationen existieren. Am meisten freut mich die grenzenlose Verfügbarkeit von Möglichkeiten und Wissen welches mittlerweile Milliarden Menschen zur Verfügung steht, denn das Internet ist für mich ein Werkzeug, welches uns Menschen zusammen bringt und Wandel sowie Informationsverbreitung weltweit möglich macht.

Gib uns doch bitte eine Empfehlung für… 

einen Artikel, der Dich in der letzten Zeit am meisten begeistert hat (wenn Web, bitte mit URL)

http://www.theguardian.com/environment/2014/dec/03/eating-less-meat-curb-climate-change

Ich ernähre mich selbst seit fünf Jahren vegan und bin überzeugt, dass der Schritt hin zu einer mehr pflanzlichen Ernährung das Effektivste ist, was ein Mensch in der westlichen Welt für die Reduzierung seines ökologischen Fußabdrucks, der Verschwendung von Ressourcen und weniger Hunger tun kann.

Mit welchem Experten würdest Du am liebsten einmal 1 Tag zusammenarbeiten, und warum?

Ich schätze Edward Snowden sehr und bin dankbar für sein Engagement. Ich bin überzeugt, dass nur wenn wir Menschen die Wahrheit kennen und durch sie uns der Realität bewusst werden, wir Frieden und Gerechtigkeit in der Welt erreichen werden.

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